Bewohnerin trug abgestelltes Rad in Keller und behauptete, es sei ihr eigenes

Kassel: Kurioser Fall von Selbstjustiz an der Parkstraße

Hatten ein ungewöhnliches Diebstahlserlebnis: Annette Fydrich und ihr Radlerbegleiter Hans Berger aus Guntershausen an der Kasseler Parkstraße.
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Hatten ein ungewöhnliches Diebstahlserlebnis: Annette Fydrich und ihr Radlerbegleiter Hans Berger aus Guntershausen an der Kasseler Parkstraße.

Annette Fydrich und Hans Berger aus Guntershausen können inzwischen wieder über ihr Erlebnis auf der Kasseler Parkstraße lachen. Vor zwei Wochen sah das noch anders aus.

Kassel/Baunatal – Als die radbegeisterten Freunde eine Tour mit ihren E-Bikes nach Kassel unternahmen, um an der Parkstraße eine Bekannte zu besuchen, erlebten sie einen Schock.

Dabei hatte alles ganz harmonisch begonnen. Nach einer schönen Radtour an der Fulda entlang hatten Fydrich und Berger ihre Räder vor einem Mehrfamilienhaus an der Parkstraße abgeschlossen. Allerdings hatten sie die Räder an keinem Gegenstand festgemacht, sondern die Schlösser nur um Rahmen und Reifen gelegt. Ungefähr eine Stunde hielten sich die beiden bei der Bekannten in der Wohnung auf. Doch als sie wieder nach unten vor das Haus traten, bekamen sie einen Schreck.

Dort, wo eben noch das Rad von Annette Fydrich gestanden hatte, war eine Leerstelle. „Das ist wohl das Trauma eines jeden Radfahrers“, sagt Fydrich. Doch was tun? Die Polizei rufen? Da hörten die beiden Geräusche aus dem Keller des Mehrfamilienhauses. „Ich dachte, vielleicht ist dort ein Zeuge, der etwas vom Diebstahl mitbekommen hat“, erzählt die Guntershäuserin. Also seien sie in den Keller gegangen.

Dort trafen sie eine etwa 60 Jahre alte Bewohnerin des Hauses. Ihr erzählten sie vom Diebstahl. Ihre Antwort sei gewesen: „Das ist mein Rad!“ Genau dieses habe man ihr vor vier Wochen gestohlen. Dabei habe sie ziemlich überzeugt gewirkt. Und tatsächlich hatte sie das schwere E-Bike bereits in den Keller gehievt. „Die muss richtig Adrenalin freigesetzt haben. Denn das Ding ist ja schwer“, sagt Berger. Fydrich war zunächst „entsetzt und sprachlos“. Dann habe sie der Frau klargemacht, dass es sich keinesfalls um deren Rad handele. Sie wies die Frau auf die mit grünem Klebeband geklebte Lampe und weitere Besonderheiten hin. Immerhin ist das Rad schon acht Jahre alt und hat einige markante Macken. Doch die Frau habe behauptet, auch ihre Lampe sei mit Klebeband repariert gewesen und habe ebensolche Macken.

Erst als Fydrich ihr den Aufkleber des Händlers zeigte, bei dem sie es gekauft hatte, war sie überzeugt. „Am Ende konnten wir die Sache aufklären, aber das Verhalten der Frau war schon dreist“, sagt Fydrich, und Berger ergänzt: „Wer glaubt denn, dass ein Dieb das Rad abgeschlossen wieder vor die Tür des Eigentümers stellt?“ Die beiden sind sich sicher: Wenn sie etwas später das Haus verlassen hätten, wäre das Fahrrad für immer verschwunden gewesen.

Die beiden Radfahrer haben einen Appell: „Wer immer glaubt, irgendwo sein gestohlenes Rad zu entdecken, soll bitte die Polizei rufen und nicht selbst handeln.“ (Bastian Ludwig)

Das sagt die Polizei: Diebstähle immer anzeigen

In Fällen, bei denen Opfer von Diebstählen ihr gestohlenes Fahrrad vermeintlich irgendwo entdecken, sollten sie es nie eigenmächtig an sich nehmen, sagt eine Polizeisprecherin. Im Zweifel solle immer die Polizei gerufen werden. Eine Ausnahme sei es nur, wenn das Diebesgut im direkten Tatzusammenhang entdeckt werde. Sprich: Wenn ein Bestohlener wenige Minuten nach der Tat den Täter samt Rad in Tatortnähe antrifft. In jedem Fall sollten Diebstähle immer angezeigt werden. Viele würden ihr Rad einfach verloren geben. Nur durch Anzeigen sei es der Polizei möglich, aufgetauchtes Diebesgut zuzuordnen

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