Es war kein Wasserschaden

Warum das Café am Bebelplatz in Kassel bereits seit Wochen geschlossen ist

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Bis auf weiteres geschlossen: Seit gut drei Wochen sind die Räume des Cafés am Bebelplatz verwaist und dunkel, auch das Kulturprogramm liegt auf Eis. 

Das Café am Bebelplatz mit seinen Kulturprogrammen ist eine gastronomische Institution des Vorderen Westens. Stammkunden und Flaneure stehen dort seit Wochen vor verschlossenen Türen.

Auf einem Pappschild am Eingang steht, dass das Café am Bebelplatz wegen eines Wasserschadens vorübergehend geschlossen sei. Doch dieser Zustand dauert nun schon so lange, dass im Quartier die Spekulationen ins Kraut schießen: Wird der beliebte Café- und Kulturtreff überhaupt wieder öffnen – und wenn ja, wann?

Vor Ort ist niemand, der Auskunft geben könnte. Mehrtägige Versuche der HNA, den langjährigen Cafébetreiber Frank Sikora telefonisch zu erreichen, laufen ins Leere. „Der ist irgendwie verschwunden“, sagen Beteiligte am kulturellen Veranstaltungsprogramm, das nun im Café erst mal auf Eis liegt.

Dann liefert die Stadt Kassel nach verwaltungsinternen Recherchen ein Indiz: Dass der Café-Betrieb momentan ruht, sei „zurückzuführen auf eine ordnungsbehördliche Verfügung“, berichtet Rathaussprecher Claas Michaelis knapp und ohne Näheres zu nennen – da sei der Datenschutz vor.

Tage zuvor hatte die Stadt auf eine erste HNA-Anfrage hin mitgeteilt, ein möglicher Hintergrund in den regelmäßigen Lokal-Kontrollen der städtischen Lebensmittelüberwachung könne „nicht bestätigt“ werden. Die Schließungsverfügung muss also andere Gründe haben.

Konzession ist auf unbestimmte Zeit entzogen 

Frank Sikora

Und die sind finanzieller Natur, wie Inhaber Frank Sikora gegenüber der HNA einräumte, als er schließlich doch noch zurückrief. Vor gut drei Wochen habe das Ordnungsamt seinem Cafébetrieb „auf unbestimmte Zeit die Konzession entzogen“. Der Grund: Es stünden seit längerer Zeit Forderungen beim Finanzamt offen.

„Die Sache ist zwei Jahre her“, sagte Sikora. Er habe bisher nicht die Mittel gehabt, diese Schulden zu begleichen. Deshalb werde nun seine Zuverlässigkeit als gastronomischer Konzessionsinhaber behördlich infrage gestellt.

Einen Wasserschaden habe es nie gegeben, stellte der Café-Inhaber klar. „Aber was hätte ich denn in dieser Lage sonst an die Tür schreiben sollen?“ Am Bebelplatz lasse er sich momentan möglichst nicht sehen: „Da werde ich sofort von allen Seiten bestürmt“. Auf die Kernfrage, wie es weitergeht, hätte er bisher nicht befriedigend antworten können, sagte Sikora.

Frank Sikora betreibt Café seit 30 Jahren

Aktuell aber arbeite er daran, „Geld aufzutreiben, um die fälligen Zahlungen zu erfüllen“. Er hoffe auf eine kurzfristige Zusage und wolle dann den Behörden gegenüber „glaubhaft machen“, dass seine Zuverlässigkeit als Inhaber einer gastronomischen Konzession wieder gegeben ist, sagte Sikora, der das Café am Bebelplatz bereits seit 30 Jahren betreibt.

Nicht zuletzt die Beschäftigten dort, ein halbes Dutzend Personen, würden gespannt warten, wie sich die Dinge entwickeln. „Da hängt viel dran“, sagte der Gastronom und Kulturveranstalter, „das ist wie eine Riesenfamilie.“ Frank Sikora hofft, dass in „zwei, drei Wochen“ die Voraussetzung für eine Wiedereröffnung des beliebten Cafés geschaffen sind.

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