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Kasseler Gastronom Mohsen Khosravani mit 60 Jahren gestorben 

Mit 60 Jahren gestorben: Mohsen Khosravani, hier an der Strandbar am Bugasee.
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Mit 60 Jahren gestorben: Mohsen Khosravani, hier an der Strandbar am Bugasee.

Der Kasseler Gastronom Mohsen Khosravani ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Er war glücklich, wenn die anderen glücklich waren. Ein Nachruf.

Kassel - Wenn Mona Khosravani ihren Vater charakterisieren soll, dann erzählt die 23-Jährige eine Geschichte aus ihrer Kindheit. Im Winter fuhr sie einmal mit ihrem Papa nach Wolfhagen, als dieser einen Obdachlosen am Wegesrand sah – ohne Schuhe. Mohsen Khosravani fragte seine Tochter, ob sie Lust auf einen Ausflug habe. Und da stiegen beide aus, Mohsen Khosravani gab dem Obdachlosen seine Schuhe.

Zu dritt sind sie dann durch den Schnee bis in die Stadt gelaufen – „eine Ewigkeit“, wie sich Mona Khosravani erinnert. Während der Obdachlose glücklich war, endlich mal wieder in Schuhen gehen zu können, war Mohsen Khosravani barfuß unterwegs. „So ein Mensch war er“, sagt Mona Khosravani. „Er hat für die anderen alles gegeben, selbst wenn er dann selbst nichts mehr hatte.“

Nachruf auf Gastronom aus Kassel: Mohsen Khosravani kam mit Mitte 20 nach Deutschland

Mohsen Khosravani kam mit Mitte 20 nach Deutschland – mit fast nichts. Mit 16 war er aus dem Iran in die Türkei geflüchtet, dort arbeitete er als Sicherheitsbediensteter für einen Politiker. Dann zog er weiter nach Deutschland. „Als er hier angekommen ist, kannte er niemanden“, sagt seine Tochter. Aber das änderte sich schnell. Bald lernte er einen Gastronomen aus Wolfhagen kennen, der sein bester Freund werden sollte und der ihn in der Küche anlernte.

Schon bald baute sich Mohsen Khosravani sein eigenes Geschäft auf – dort, wo er eine Heimat fand: in Helsa. Die Pizzeria La Grotta gibt es heute noch. Später erfüllte sich Mohsen Khosravani mit der Strandbar am Bugasee in Kassel einen Traum, weil er einen Ort gefunden hatte, den viele für besondere Feiern nutzen. „Er wollte sehen, dass er die Menschen, mit dem, was er tut, glücklich macht“, sagt seine Tochter.

Nachruf auf Mohsen Khosravani: Gatsrnom betrieb auch das Bitburger Bierhaus in Kassel

Ihr Vater arbeitete hart daran, er kannte keine Ruhe. Zuletzt betrieb er mit seiner Frau Alexandra auch Cateringservices am Airport Kassel und das Bitburger Bierhaus an der Friedrich-Ebert-Straße. „Er stand jeden Morgen um 4 Uhr auf und fuhr zur Metro“, sagt Mona Khosravani. „Und abends hat er Freunden geholfen.“ Sein Kumpel Ernesto Plantera drückt es so aus: „Wie oft haben wir darüber geredet, dass du einfach viel zu viel arbeitest, aber ob nach zwei oder vier Stunden Schlaf, du bist immer entspannt gewesen.“

Vielleicht ist das der Grund, weshalb Mohsen Khosravani auch im größten Stress für Erheiterung sorgen konnte. „Einmal hat er uns Thekenkräfte während einer Hochzeit in die Küche gerufen und uns aufgefordert, dass wir doch auch mal was trinken sollten. Er hatte die Cola schon bereitgestellt. Nur: Da hat er Tabasco reingemacht. Er hat sich darüber köstlich amüsiert“, erzählt Mona Khosravani. Mohsen Khosravani hatte seine Freude an der Arbeit. Freizeit kannte er kaum. „Am liebsten war er da auch in einem Restaurant. Er aß am liebsten Zucker, das Problem war nur, dass er Diabetiker war.“

Am Sonntag vor einer Woche ist Mohsen Khosravani im Alter von 60 Jahren nach einer Krebserkrankung gestorben. Er hinterlässt seine Frau und seine Tochter, die auf Wunsch von Mohsen Khosravani den Betrieb nun am Laufen halten. Mona Khosravani wollte eigentlich im Januar mit ihrem Vater in den Iran reisen. „Aber es ist nun leider anders gekommen.“ (Florian Hagemann)

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