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Im Stadthallengarten in Kassel wachsen Kiwis in Hülle und Fülle

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Von: Katja Rudolph

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Gärtner Thomas Lösch zeigt die Kiwis aus dem Stadthallengarten.
Exotische Früchte aus Nordhessen: Gärtner Thomas Lösch zeigt die Kiwis aus dem Stadthallengarten. © KATJA RUDOLPH

Die sind ein Blickfang für viele Spaziergänger im Stadthallengarten: Die Kiwipflanzen, die derzeit üppig mit Früchten behangen sind. Das Exemplar, das seit über 40 Jahren in der Grünanlage im Vorderen Westen steht, ist eine Rarität in Kassels öffentlichen Parks. 

Kassel – Mit Äpfeln, Birnen und Quitten rechnet man im Herbst in nordhessischen Gärten. Aber Kiwis? Die hängen in diesen Tagen in Hülle und Fülle im Stadthallengarten. Dort wachsen seit über 40 Jahren Kiwipflanzen.

Spaziergänger in der Grünanlage im Vorderen Westen seien oft überrascht, wenn sie die exotischen Früchte sehen, sagt Thomas Lösch, der seit über 20 Jahren den Stadthallengarten pflegt. Die Kiwipflanzen stammen von der Bundesgartenschau 1981. Danach wurden sie in die städtische Grünanlage hinter der Stadthalle gepflanzt, berichtet der Gärtner vom Umwelt- und Gartenamt. Das Rund, auf dem heute das Rankgerüst steht, sei früher eine Rasenfläche gewesen.

Längst ist dort ein lauschiger Platz entstanden. Die Pflanzen sind üppig gediehen. So gut, dass sie fest in das seinerzeit wohl etwas zu zart gewählte Rankgerüst verwachsen sind. Kiwis sind Kletterpflanzen, die schnell wachsen, erklärt Thomas Lösch. „Manche Triebe werden vier bis fünf Meter lang“. Im Sommer sei das Blätterdach in der Mitte manchmal fast zugewachsen.

Dass seit dem Spätsommer hunderte Früchte im Stadthallengarten reifen, ist der Tatsache zu verdanken, dass dort weibliche und männliche Kiwis zusammen stehen. Die männlichen dienen als Befruchter, die weiblichen bilden die Früchte. Nicht nur zwei Geschlechter, auch zwei Sorten seien vertreten, sagt Thomas Lösch. Welche genau, weiß er nicht. Der Unterschied sei aber an den Früchten erkennbar: die einen seien eiförmig, die anderen walzenförmig.

Leider seien sehr viele Kiwis bereits in den vergangenen Wochen von Spaziergängern gepflückt worden, sagt Lösch. „Einige Leute sind da richtig scharf darauf.“ Sogar mit dem Apfelpflücker sollen schon welche angerückt sein. Grundsätzlich dürfen sich die Menschen zwar am Obst bedienen, das in städtischen Parks wächst, sagt Gerd Saalfeld von der Abteilung Grünflächen beim Umwelt- und Gartenamt. Allerdings bitte erst, wenn die Früchte reif sind. Das ist bei Kiwis deutlich später als bei Äpfeln und Birnen der Fall. Stadthallengärtner Thomas Lösch rät zur Geduld: Wer bis November wartet, hat die Chance, Kiwis zu ernten, die genießbar sind – wenn auch nicht so aromatisch wie die aus dem Supermarkt. Mit den Temperaturen in Nordhessen kommt die Pflanze gut zurecht, die ursprünglich aus China stammt. Ein paar Grad unter null machen den pelzigen Früchten nichts aus. Und die Pflanzen haben auch die vor 40 Jahren noch deutlich härteren Winter überstanden. Dieses Jahr habe das Gewächs allerdings erstmals Probleme mit der Trockenheit bekommen, sagt Thomas Lösch. Kiwis seien nämlich äußerst durstig. Nach der Dürreperiode im Sommer sind einige Äste abgestorben. Und auch die Früchte seien dieses Jahr kleiner als sonst, hat der Stadthallengärtner festgestellt.

Das sieht das Umwelt- und Gartenamt allerdings gelassen. Schließlich diene die Pflanze zur Zierde und nicht zum Obstanbau. Wer überlegt, sich auch im heimischen Garten ein lauschiges Plätzchen mit Kiwipflanzen zu gestalten, für den hat der langjährige Kiwi-Pfleger noch einen Hinweis: „Das Laub hat im Sommer einen etwas strengen Geruch“, sagt Lösch. Über dem Sitzplatz im Garten würde er Kiwis deshalb nicht empfehlen. Aber an einem Rankgerüst etwa an der Hauswand können Hobbygärtner viel Freude an den Pflanzen und ihren Früchten haben. (Katja Rudolph)

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