Neue Liebe statt Abriss

Kasseler Studenten erwecken Trafohaus am Lutherplatz zum Leben

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Jahrelang war hier nichts passiert, nun soll das Trafohaus wieder zum Treffpunkt werden: Produktdesign-Studentin Malene Saalmann vom Verein Nutzungskonzepte vor dem 50er-Jahre-Bau am Lutherplatz.

Wenn Malene Saalmann in den vergangenen zwei Jahren über den Kasseler Lutherplatz ging, durchlebte sie ein Wechselbad der Gefühle.

Das an zwei viel befahrenen Straßen gelegene Trafohaus war mit Bauzäunen abgesperrt. Aus dem Treffpunkt, an dem die Kulturinitiative Trafo von 2002 bis 2013 Konzerte und Ausstellungen organisierte, war „ein krasser Nicht-Ort“ geworden, wie Saalmann fand.

Mit sechs Mitstreitern will die Produktdesign-Studentin aus dem ehemaligen Trafohäuschen nun wieder einen Ort machen, an den man gern geht. Die Stadt hat den Bau aus dem Jahr 1957 dem neugegründeten Verein „Nutzungskonzepte“ überlassen, der ab September hier Lesungen, Buchpräsentationen, Vorträge und Ausstellungen veranstalten will. „Wir sind alle total verknallt in das Haus“, sagt die 27-jährige Saalmann.

Trafohaus sollte abgerissen werden

Dabei wäre ihre Liebe beinahe ein für alle Mal zerstört worden. Ursprünglich wollten die Städtischen Werke das Häuschen abreißen. Es war unklar, ob es unter Denkmalschutz stand.

Nun sind nicht nur die Vereinsmitglieder von Nutzungskonzepte froh, dass es weiter an dem Platz steht, für den es der Architekt Werner Noell entworfen hatte. Der ehemalige Leiter des Kasseler Hochbauamtes hatte auch die einstige Untergrundbahn am Hauptbahnhof geplant.

In den 50er- und 60er-Jahren beherbergte der kleine Bau nicht nur eine Stromtransformatorstation, sondern auch einen Kiosk, eine Telefonzelle und eine Poststation. Für die Städtischen Werke war das Haus später nutzlos geworden, nachdem direkt daneben eine neue Trafostation gebaut worden war.

Nun soll der Ort gleich mehrere Funktionen erfüllen. Die neue Gruppe, zu der auch eine Kunstwissenschaftlerin und zwei Architekten gehören, will ihn unter anderem als Verlagsplattform nutzen. Eine Buchveröffentlichung ist geplant. Unterstützung gibt es vom Kulturamt.

Der Platz soll aber auch „den Bewohnern zurückgegeben werden“, wie Saalmann sagt. Sie findet es spannend, wie vielfältig er ist mit den Hauptverkehrsstraßen auf der einen und dem kleinen Park auf der anderen Seite.

Selbst die Trinkerszene, die sich in der Nähe trifft, war angetan von den neuen Aktivitäten. Manche fragten, ob sie helfen könnten. Es gibt auch noch viel zu tun. Erst in diesen Tagen wurde wieder Strom verlegt. Ein Trafohaus ohne Elektrizität wäre auch komisch gewesen.

Service : Eröffnung am 5. September, 19 Uhr. Mehr Infos im Internet auf trafo.haus

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