Durchstarter im Doppel

Kasseler Zwillinge schaffen Einser-Abi - und gehen jetzt getrennte Wege

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Startklar fürs Studium: An der Albert-Schweitzer-Schule haben sie ihr Abitur abgelegt. Jetzt werden die Zwillinge Anne (l.) und Jule Dahlhaus getrennte Wege gehen.

Kassel. Die Zwillinge Anne und Jule Dahlhaus haben ihr Abi mit 1,0 und 1,1 bestanden. Die unzertrennlichen Kasselerinnen wollen nun aber getrennte Wege gehen.

Jetzt, nach 17 Jahren ununterbrochen Seite an Seite, trennen sich ihre Wege. Anne Dahlhaus verabschiedet sich nach Hamburg, wo sie Medizin studieren möchte, Schwester Jule zieht es zum Jura-Studium nach Potsdam.

Gerade haben die Zwillinge an der Albert-Schweitzer-Schule ihr Abitur abgelegt. Um ein Haar hätten sie den sensationellen Coup gelandet, beide die Schule mit einem Abischnitt von 1,0 zu verlassen. Aber nun trennt sie das Quäntchen von sieben von insgesamt 900 erreichbaren Punkten. Das beschert Jule einen Notenschnitt von 1,1 und Anne kommt rein rechnerisch auf eine glatte Eins.

Anders als Jule darf Anne deshalb mit einem Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes rechnen. Der 0,1-Notenunterschied amüsiert sie. Tatsächlich ist es so, dass Jule, die nach eigenem Bekunden völlig stressfrei in die Abi-Prüfungen gegangen ist, mit drei mal 15 Punkten das bessere Prüfungsergebnis abgelegt hat.

Doch Anne hatte in der Oberstufe ein paar Punkte mehr angesammelt. Sie sei ehrgeizig, gibt sie zu. Schon früh hatte sie den Wunsch Ärztin zu werden. Ihr Ziel war die Zulassung zum Medizinstudium. Zur Schule seien sie gerne gegangen. „Es gab jeden Tag was, auf das man sich freuen konnte“, sagt Anne.

Die Schwestern hatten die gleichen Leistungskurse, Geschichte und Französisch, engagierten sich beide in der Schülervertretung, im Chor und beim Schulsanitätsdienst. Auch ihre Freizeit ist von denselben Hobbys, Fechten und Musizieren, geprägt. Sogar die Führerscheinprüfung haben sie – „zufällig“, so Jule – am gleichen Tag abgelegt.

Gibt es überhaupt nennbare Unterschiede? „Klar“, sagt Jule und guckt die Schwester an. Die zögert nicht hinzuzufügen: „Aber keine großen.“ Immerhin schätzen sie verschiedene Kleidungsstile. „Anne würde keine Sneaker tragen, ich liebe sie“, sagt Jule. Dafür zieht Anne gerne Blusen an und hat einen eleganten Kurzhaarschnitt.

Wir haben auch unterschiedliche Freundeskreise, sagt Jule. Aber es bestehe eine Schnittmenge, kommt es gleich hinterher. Gerade sind sie von einem Urlaub in Kroatien zurückgekehrt, wo sie mit Schulfreunden ihr Abi gefeiert haben.

Es hilft nichts: Lachend geben sie zu: Gemeinsamkeiten gibt es enorm viele. Jetzt aber schlagen die Schwestern unterschiedliche Wege ein. Bange mache sie das nicht, versichern sie, nur neugierig. Auffallend ist ihre Gelassenheit. Alles klingt bei Anne und Jule entspannt, selbst der erstaunliche Satz „Mathe macht Spaß“. Ihr Tipp fürs Runterkommen: Fantasyromane und Krimis lesen.

Die Begabung scheint in der Familie zu liegen. Die Brüder Lukas und Niklas haben ihr Abitur mit 1,1 und 1,4 abgelegt. Der Papa ist Professor für Elektrotechnik, die Mama arbeitet als Sozialarbeiterin. „Hätten wir je Nachhilfe benötigt, einer aus unserer Familie hätte uns bestimmt helfen können“, sagt Anne.

So haben die Kasseler Abiturienten in diesem Jahr abgeschnitten

Prüflinge

bestanden

Einser-Abi

mit 1,0

Schnitt

Friedrichsgymnasium

70

69

29

5

2,13

Engelsburg-Gymnasium

113

113

48

2

2,14

Albert-Schweitzer-Schule

109

106

38

5

2,20

Wilhelmsgymnasium

87

82

28

1

2,27

Freie Waldorfschule

34

34

9

-

2,32

Jacob-Grimm-Schule

211

204

42

4

2,40

Lichtenberg-Schule

177

166

36

-

2,51

Herderschule

179

k.A.

33

-

2,53

Goethe-Gymnasium

100

94

16

2

2,55

Max-Eyth-Schule

84

83

6

1

2,58

Friedrich-List-Schule

155

126

20

-

2,63

Elisabeth-Knipping-Schule

111

101

18

1

2,66

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