Kirchenasyl in Kassel: Eritreer nicht mehr von Abschiebung bedroht

Hier lebte er mehrere Monate im Kirchenasyl der Baptisten-Gemeinde: Teklemariam Heileselassi darf jetzt hoffen, dass seinem Asylantrag stattgegeben wird. Foto: Rudolph

Kassel. Das Kirchenasyl in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kassel-West, über das die HNA an Weihnachten berichtet hat, ist zu einem glücklichen Ende gekommen.

Teklemariam Heileselassi (27) darf vorerst in Deutschland bleiben und muss keine Angst mehr haben, abgeschoben zu werden.

„Ich bin sehr, sehr glücklich“, sagte der junge Mann gegenüber der HNA. „Ich hatte diese gute Nachricht nicht mehr erwartet.“ Nun habe er wieder Hoffnung, in ein zweites, besseres Leben starten zu können.

Seit August 2014 lebte Heileselassi in der Kirche im Hof an der Friedrich-Ebert-Straße. Versorgt wurde er von Gemeindemitgliedern. Jetzt bekam der eritreische Flüchtling Post vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge an die Adresse seiner temporären Bleibe im Vorderen Westen. Darin stand, dass er seinen Asylantrag in Deutschland stellen darf und nicht nach Malta abgeschoben wird.

Auf der Mittelmeerinsel hatte Heileselassi vor über zwei Jahren erstmals europäischen Boden betreten. Dort sollte er sein Asylverfahren abwarten. Doch die Verhältnisse auf Malta waren menschenunwürdig und so hatte er seine Flucht fortgesetzt und war 2012 nach Kassel gekommen.

„Alle haben Teklemariam ins Herz geschlossen und so ging jetzt die positive Nachricht vom Bundesamt wie ein Lauffeuer durch die Gemeinde“, sagte Pastor Frank Fornaçon. Zuletzt hatten 20 Gemeindemitglieder sogar an der Gerichtsverhandlung vor dem Verwaltungsgericht Kassel teilgenommen. Dort war eine Klage gegen die Rückführung nach Malta zunächst gescheitert.

„Ich bin der Gemeinde für alles sehr dankbar“, sagt Teklemariam Heileselassi. Am morgigen Sonntag wird der junge Eritreer nun mit der Gemeinde in einem Gottesdienst seine Taufe feiern. Anschließend gibt es einen Empfang für den Flüchtling durch den Leitungskreis der Gemeinde.

Der weitere Weg des jungen Mannes wird dennoch nicht einfach, sagte Pastor Fornaçon. Jetzt müsse das Asylverfahren betrieben werden und eine dauerhafte Wohnung sei nötig. Der Flüchtling möchte so bald wie möglich arbeiten, „um niemandem auf der Tasche zu liegen“.

Auch Bundestagsabgeordnete der Grünen und der SPD hatten sich laut Fornaçon für den Flüchtling eingesetzt. Der Hessische Flüchtlingsrat, die Diakonie Hessen, sowie zahlreiche Einzelunterstützer hatten sich ebenfalls bemüht, die Abschiebung zu verhindern.

Von Christina Hein

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