700 Teilnehmer

Kongress zu erneuerbaren Energien: Kritik an der neuen „Sonnen-Steuer“

Kassel. In Kassel tagt der Kongress der Erneuerbare-Energie-Regionen. Die 700 Teilnehmer fordern mehr politische Unterstützung für die Energiewende.

Bundes- und Landesregierungen sollen die Energiewende stärker unterstützen und nicht den Aktiven ständig neue Steine in den Weg legen. Das wird aus dem aktuellen Kongress der Erneuerbare-Energie-Regionen gefordert, der noch bis Mittwoch Nachmittag mit 700 Teilnehmern in der Kasseler Stadthalle tagt.

146 Landkreise, Städte, Gemeinden und Regionalverbünde mit 25 Millionen Einwohnern und mehr als einem Drittel der Fläche von ganz Deutschland haben sich das Ziel gesetzt, in Zukunft ihre benötigte Energie zu 100 Prozent aus Windkraft, Sonne, Biogas und Wasserkraft zu erzeugen. Aktuell wurde auch der nordhessische Landkreis Waldeck-Frankenberg in das Netzwerk aufgenommen.

Die Politik orientiere sich zu stark an der alten Energiewirtschaft, an Kraftwerksbetreibern und Kohlerevieren und behindere den weiteren Ausbau der umweltfreundlichen Energieerzeugung, lautet die Kritik. In einem Kommuniqué wird gefordert, die Energiewende weg von Atom- und Kohlekraftwerken hin zur Stromproduktion aus Windkraft, Sonne, Biogas und Wasserkraft positiv zu gestalten.

Derzeit spiele in der Politik die Sicherung der wirtschaftlichen Interessen der alten Energiewirtschaft eine zu große Rolle. Seit Jahren würden der äußerst erfolgreichen umweltfreundlichen Energieproduktion systematisch Steine in den Weg gelegt, beklagt Dr.-Ing. Alexa Zierl aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck. Zwar habe die Katastrophe von Fukushima dazu geführt, dass die Bremsen gelockert wurden. Doch inzwischen stehe Bayern durch die überzogenen Abstandsregelungen von mindestens 2000 Metern zwischen Windkraftanlagen und Wohnbebauung wieder voll auf der Bremse. Der „größte Hammer“ aber sei die Umlage auf den Eigenstromverbrauch, die in der seit Anfang August gültigen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) festgelegt sei. Diese „Sonnen-Steuer“ oder „Strafsteuer“ sei der „nächste Knüppel zwischen den Beinen.“

„Jetzt erst recht“ sagt Bertram Fleck, Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, über die Versuche, den grünen Strom auszubremsen. Sein Kreis hat das 100-Prozent-Ziel längst erreicht, „wir sind Exporteur.“ 200 Windkraftanlagen sind in Betrieb, 100 sollen noch hinzukommen. Ein Teil der Schulen wird mit Grünschnitt aus privaten Gärten beheizt, 3600 Bürger haben Fotovoltaikanlagen auf den Dächern ihrer Häuser. Und mit mehr Energieeinsparung, ist Fleck überzeugt, lasse sich die Umweltbilanz weiter verbessern.

Von Jörg Steinbach

Rubriklistenbild: © dpa

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