Bauwerk verbaut Sichtachse

Bauwerk am Bebelplatz: Ortsbeirat entsetzt über KVG-Klotz

Unsensibel: Die KVG hat auf dem Bebelplatz ein Bauwerk zur Versorgung der Tram-Oberleitungen errichtet. Weder auf die Sichtachse, noch auf das daneben befindliche, von Friedel Deventer künstlerisch gestaltete Trafohäuschen wurde Rücksicht genommen. Foto: Koch

Kassel. Das Entsetzen im Stadtteil Vorderer Westen über den neuen Funktionsbau der KVG auf dem Bebelplatz ist groß. „Es ist unsensibel, in so ein Gelände so einen Klotz reinzusetzen.

Er passt da nicht hin“, sagte Dominique Kalb (CDU) während der Ortsbeiratssitzung am Donnerstag. Der stellvertretende Ortsvorsteher Mario Lang (SPD) monierte, dass die KVG mit ihrer Nacht-und-Nebel-Aktion auf dem Herzstück des Stadtteils die historisch bedeutende Sichtachse Kirchweg zerstört habe:: „Ich bin geschockt. Das ist der absolut falsche Platz.“ Er wünsche sich den Abriss des Bauwerks, das die KVG offiziell als „Gleichrichter-Unterwerk“ bezeichnet.

Sichtachse verstellt: Vom Kirchweg aus (rechts) gibt es keinen Blick mehr auf den Bebelplatz.

Am meisten ärgerten sich die Stadtteilparlamentarier darüber, dass sie von der KVG im Vorfeld weder informiert noch bei der Planung einbezogen wurden. Alle seien überrascht worden. „Sie haben Tatsachen geschaffen“, sagte Wolfgang Albus (SPD) an den Vertreter der KVG, Walter Weber, gerichtet. Dabei seien genügend alternative Standorte möglich gewesen: „Das ist eine Verselbstständigung der Verwaltung.“ Weber, der während der Sitzung den Part des Prügelknaben einnehmen musste, erklärte, dass die Planungen für das Bauwerk zur Versorgung der Tram-Oberleitungen mit Strom bereits vor 20 Jahren ihren Anfang nahmen. Der Ortsbeirat habe seines Wissens seinerzeit davon gewusst. Inzwischen habe auch der Denkmalschutz sein Okay gegeben und es wurde eine Baugenehmigung erteilt. Weber: „Das ist vom Ablauf her alles völlig sauber gelaufen.“

Das sieht der Kasseler Künstler Friedel Deventer, der die Fassade der bestehenden Schaltanlage zum Stromverteilen der Städtischen Werke, direkt neben dem KVG-Neubau, künstlerisch gestaltet hatte, anders. Die KVG hat ihren Klotz direkt an die Westfassade geklatscht, ohne Rücksicht auf das dahinter liegende Wandgemälde. „Es ist grotesk, mich hier außen vor gelassen zu haben“, sagte Deventer.

Die mangelnde Beteiligung des Ortsbeirats sei eine Missachtung der Bürger. Mit dieser Äußerung Andrea Heußners (SPD) gingen die anderen Ortsbeiratsmitglieder konform, weshalb sie eine scharfe Rüge in Richtung KVG und Stadtverwaltung aussprachen. Zudem fordern sie einen sofortigen Baustopp, um „bis zur Klärung des weiteren Vorgehens“ den Ortsbeirat zu beteiligen

Das erreichtete KVG-Bauwerk misst acht mal 4,20 Meter und ist 2,80 Meter hoch. In Betrieb genommen werden soll es laut KVG Mitte 2015. Die Investitionskosten betragen samt Technik 700.000 Euro.

Die KVG betreibt in ihrem Schienennetz 37 Unterwerke, die die 80 Straßenbahnen und 28 Regio-Trams mit 600 Volt Gleichstrom versorgen. Computergesteuerte Elektrotechnik wandele den Strom aus dem öffentlichen 10-KV-Wechselstromnetz in 600-Volt-Gleichstrom um und speise ihn in die Oberleitungen der Schienentrassen ein.

Von Christina Hein

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