Mietmarkt angespannt

Steigende Mieten in Kassel: Ruf nach mehr Mieterschutz 

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Aktuelles Beispiel für Verdrängung von Mietern: Das Haus Dörnbergstraße 7 wird saniert und zu Eigentumswohnungen umgewandelt. 

Mieten in Kassel: Die Wohnungen im Kasseler Stadtgebiet werden immer teurer. Darüber diskutierten Betroffene mit Experten auf der Stadtteilkonferenz.

Vorderer Westen – Steigende Mieten, Luxussanierung, Umwandlung in Eigentum, Verdrängung von Altbewohnern: Betroffene solcher Entwicklungen im Vorderen Westen berichteten am Samstag (22.02.2020) bei einer Diskussion des Vereins Kassel-West im Stadtteilzentrum an der Friedenskirche über ihre Erfahrungen. 

Nur einen Steinwurf entfernt wird derzeit ein Altbau an der Dörnbergstraße umfangreich saniert. Der Großteil der Bewohner wurde vom neuen Eigentümer zum Auszug bewegt, die Wohnungen verkauft. 

Mieten in Kassel: Etwa 70 Interessierte diskutierten mit

Auch an der Wilhelmshöher Allee sind aktuell Bewohner zweier Mehrfamilienhäuser von Entmietungsversuchen betroffen. Aus der Südstadt waren mehrere Mieter der Rembrandtstraße in Protestwesten mit der Aufschrift „Gegen den Abriss“ gekommen.

Unter den etwa 70 Interessierten der vierstündigen Veranstaltung waren überwiegend Mieter aus dem beliebten Quartier, die in Sorge wegen solcher Entwicklungen sind. Das wurde in der teils emotionalen Debatte deutlich, in der mehrere Redner der Stadt vorwarfen, zu wenig zu unternehmen, um Mieter zu schützen und einer Gentrifizierung im Stadtteil entgegenzuwirken.

Mieten in Kassel: Stadtbaurat hält Einfluss der Stadt für gering

„Wir brauchen in Kassel eine soziale Wende in der Wohnungspolitik“, hatte Prof. Dr. Hermann Bullinger, Sozialwissenschaftler und Vorstandsmitglied von Kassel-West, gleich zum Auftakt gefordert. Der Experte gab der HNA im Vorhinein dieser Veranstaltung ein Interview zum Thema Mieten in Kassel. Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) sagte, die Stadt habe wenig Eingriffsmöglichkeiten in den privaten Wohnungsmarkt. 

„Auch wenn einzelne Projekte aus dem Rahmen fallen“, wie er einräumte, sei der Vordere Westen in seiner Struktur stabil und „gut durchmischt“. Daher komme der Stadtteil für die Wiedereinführung einer Milieuschutzsatzung nicht infrage.

In Frankfurt habe man damit gute Erfahrungen gemacht, berichtete Sieghard Pawlik, dortiger SPD-Stadtverordneter – auch wenn der Aufwand für die Stadt groß sei. Sechs Milieuschutzsatzungen seien zuletzt eingeführt worden. Damit sei es in Streitfällen gelungen, Mieter in ihren Wohnungen zu halten. Er wolle ermutigen, das Instrument auch in Kassel zu prüfen und dabei keine Zeit zu verlieren. Pawlik: „Es ist besser, frühzeitig tätig zu werden, als der Entwicklung hinterherzulaufen.“

Mieten in Kassel: Makler spricht von Wohnungsnot

Makler Dr. Hans-Jürgen Kampe (Hoesch-Kroeger-Kampe) hingegen sprach von einer „gefühlten Wohnungsnot“. Die Mieten seien in 25 Jahren um 40 Prozent gestiegen – und damit weniger stark als die allgemeinen Lebenshaltungskosten. 

Mittelfristige Auf- und Abbewegungen bei den Mieten seien ein „vollkommen normaler Vorgang“. Nach jüngsten Zahlen betrügen die Mieten im Vorderen Westen im Schnitt 8,70 bis 9 Euro pro Quadratmeter. Damit habe man „einen moderaten Markt“.

Mieten in Kassel: Mieterbund appelliert an Stadt - Preisanstieg stoppen

Völlig anders das Urteil von Maximilian Malirsch vom Mieterbund Nordhessen, dessen Ausführungen immer wieder mit Applaus quittiert wurden. Gerade im Vorderen Westen habe es zuletzt eine Welle von Mieterhöhungen gegeben. 

Das betreffe nicht nur private Vermieter, sondern auch ehemals gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaften, die zum Teil „alles ausschöpfen, was rechtlich geht.“

Malirsch appellierte an die Politik, gegen den raschen Preisanstieg aktiv zu werden. Ein Problem sei auch, dass bei Neubauten immer zumindest teilweise Eigentumswohnungen vorgesehen würden – so auch an der Breitscheidstraße, wo ehemalige Offizierswohnungen abgerissen werden sollten. „Eigentumswohnungen sind das, was wir im Vorderen Westen am wenigsten brauchen“, betonte Malirsch.

Mieten in Kassel - Mietpreisbremse verlängert

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