Samuel-Beckett-Anlage: Ortsbeirat will Probleme mit Jugendlichen anders lösen

Nein zum Alkoholverbot

Treffpunkt: Trinkgelage bereiten Bewohnern der Beckett-Anlage Sorge. Archivfoto: Schachtschneider/nh

Vorderer Westen. Mit dem nahenden Frühling wächst bei Bewohnern der Samuel-Beckett-Anlage im Vorderen Westen die Sorge, dass feiernde Jugendliche sie um den Schlaf bringen. Vor allem an den Wochenenden würden sich zwischen April und Oktober auf der Grünfläche am Spielplatz oft bis in die Morgenstunden „saufende, grölende und randalierende“ Jugendliche aufhalten. So hatten es Bürger im vergangenen Herbst dem Ortsbeirat geschildert. Nun beschäftigte er sich erneut mit dem Thema.

Eingeladen waren dazu Vertreter der städtischen Jugend- und Ordnungsbehörde sowie Michael Maschke, Jugendsozialarbeiter der Jugendräume Wehlheiden. Gemeinsam mit dem Ortsbeirat diskutierten sie und eine einzige Anwohnerin über die Ruhestörer.

Das Problem der Anwohner nehme man durchaus ernst, sagte Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne). Doch ein Alkoholverbot und Platzverweise, wie es die Anwohner gefordert hatten, würden die Situation nur verschärfen, sagte Nadine Koch (SPD). „Die Beckett-Anlage ist ein öffentlicher Ort, wir müssen daher einen Weg finden, der für alle tragbar ist“, sagte Mario Lang (SPD). Mit einem Alkoholverbot sei auch er nicht einverstanden.

Thorsten Vogelmann vom Ordnungsamt legte den Anwohnern nahe, bei Ruhestörungen die Ordnungsamtsmitarbeiter, beziehungsweise nach 24 Uhr die Polizei anzurufen. Die Beckett-Anlage sei einer von vielen Orten im Stadtgebiet, die die Außendienstmitarbeiter jeden Abend aufsuchen. Die von Anwohnern geschilderte Problematik sei ihnen indes nicht bekannt. „Wenn wir kommen, ist Ruhe“, sagte Vogelmann. Umso mehr sei man auf die Hilfe der Bürger angewiesen.

Ziel müsse sein, die Jugendarbeit im Vorderen Westen zu beleben, darüber waren sich alle einig. Die so genannten Cliquenbetreuer - Sozialarbeiter, die auf Honorarbasis wenige Stunden in der Woche an verschiedenen Brennpunkten in den Stadtteilen unterwegs sind - würden nicht ausreichen, räumte Cornelia Stephan vom Jugendamt ein. „Wir bräuchten eine professionelle aufsuchende Jugendarbeit mit vier Hauptamtlichen“, sagte sie. Doch dies sei derzeit nicht möglich.

Die Sozialarbeiter seien sowieso nur bis 22 Uhr unterwegs, viele Jugendcliquen würden sich aber erst später treffen und Alkohol trinken, sagte Jugendsozialarbeiter Maschke. Ein Grund für die späten Trinkgelage der Jugendlichen seien die „unseligen Öffnungszeiten“ vieler Supermärkte bis 24 Uhr, sagte Maschke. So hat auch der Rewe-Markt an der Friedrich-Ebert-Straße bis Mitternacht geöffnet. „Wir werden versuchen, mit den Jugendlichen zu sprechen“, versprach der Sozialarbeiter.

Der Ortsbeirat werde das Problem im Auge behalten und sich gegebenenfalls in wärmeren Nächten selbst ein Bild von den Vorfällen in der Beckett-Anlage machen, sagte der Ortsvorsteher.

Von Monika Puchta

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