Seit März umfangreich saniert

Eckhaus Friedrich-Ebert-Straße/ Querallee: Blickfang im Vorderen Westen

Bis Mittwoch ist das Gerüst ab: Das Haus Friedrich-Ebert-Straße 96. Auch die Tafel seiner Erbauung ist wieder zu sehen. Fotos: Ludwig, Archiv

Kassel. Es ist vielen glücklichen Umständen zu verdanken, dass das Haus Friedrich-Ebert-Straße 96 die letzten 125 Jahre überstanden hat. Denn schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das von Bauunternehmer Carl Zulehner errichtete Gebäude  beschädigt.

Auf alten Fotos ist zu erkennen, dass es eine neue Turmspitze bekam – möglicherweise in Folge eines Unwetterschadens.

Im Erdgeschoss, wo heute die Pizzeria „Pinocchio“ seit 1972 zu Hause ist, war in den Anfangsjahren das im japanischen Stil eingerichtete Restaurant „Mikado“ beheimatet. Um die Jahrhundertwende folgte das Gasthaus „Zum Zentgrafen“, das bis 1968 bestand. Zudem gab es in den oberen Stockwerken einen Hotelbetrieb.

Vor der Sanierung: So sah der Altbau noch Anfang dieses Jahres aus. Nur die braunen Fließen am Sockel sind geblieben.

Durch die Bomben des Zweiten Weltkriegs wurde auch der Altbau in Mitleidenschaft gezogen. Die Schäden tauchten nun bei der Sanierung wieder auf. An den Klinkersteinen der wieder freigelegten Fassade zur Friedrich-Ebert-Straße hin (in Richtung Nr. 94) ist zu erkennen, dass einige nach einem Bombentreffer ausgetauscht wurden. Auch Balken im Dachstuhl waren noch angekokelt – überhaupt waren die Schäden am Gebälk viel größer als zu Beginn der Sanierung gedacht.

Während viele Häuser im Vorderen Westen, die den Krieg überstanden hatten, später der Abrissbirne zum Opfer fielen, blieb dieses Schicksal dem Haus zunächst erspart. Als das Gebäude Ende der 1960er-Jahre zunehmend verwaiste, änderte sich dies.

Im Januar 1970 schrieb unsere Zeitung von der Versteigerung des Hauses und Plänen, auf dessen Grundstück einen Supermarkt zu errichten. Der Abriss stand bevor. Dabei hatte das Haus schon damals historischen Wert: Denn 1895 war dort das kurhessische Raiffeisenwerk ins Leben gerufen worden. Schließlich zerstreuten sich die Abrisspläne. Dafür bekam das Haus 1971 eine seinerzeit als Modernisierung gefeierte Fassade aus schwarz-grauen Platten. Was in späteren Jahren für Kritik sorgte, wurde seinerzeit mit dem Fassadenpreis ausgezeichnet.

Als jetzt die Platten wieder abgenommen wurden, mussten sämtliche Zierelemente und Fenstersimse wieder rekonstruiert werden. Sie waren bei der Montage der Platten abgeschlagen worden. Auch wurden alle Steine mit Wasser gereinigt, weil sie über die Jahrzehnte durch Rost aus den Verankerungen verschmutzt waren. Die Mieten für die 25 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten sollen sich trotz Sanierung nicht erhöhen.    

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