Betreiber hat Insolvenzantrag gestellt

Keine Wiedereröffnung nach der Sommerpause: Palais Hopp in Kassel schließt

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Da gab’s noch Grund zum Lachen: Palais-Hopp-Betreiber Gerrit Bamberger auf einem Bild von 2017. 

Betrübliche Nachricht für alle Fans von Varieté und Comedy im Raum Kassel: Das Palais Hopp wird nach der Sommerpause nicht wieder öffnen, sondern den Betrieb einstellen.

Das hat Betreiber Gerrit Bamberger mitgeteilt.Als Grund nannte er finanzielle Forderungen „in beträchtlicher Höhe“, die kurzfristig und unerwartet gegenüber dem Kleinkunstbetrieb geltend gemacht worden seien. Sowohl die Gema als auch die Künstlersozialkasse hätten Rechnungen geschickt. Es gehe um eine Gesamtsumme „im höheren fünfstelligen Bereich“, sagte Bamberger.

Dies könne er nicht binnen weniger Wochen aufbringen, deswegen habe er sich auf Anraten seiner Rechtsanwältin und seines Steuerberaters entschlossen, für die Betreibergesellschaft des Palais Hopp Insolvenzantrag zu stellen. Ob daraufhin tatsächlich ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, sei nicht absehbar. Klar sei nur, dass es mit dem Spielbetrieb nach der Sommerpause nicht weitergehe.

Vor wenigen Wochen noch zuversichtlich

Noch vor einigen Wochen hatte Bamberger Zuversicht verbreitet, was die Zukunft der Varieté- und Kleinkunstbühne angeht. Zwar lasse die Gesamtauslastung noch zu wünschen übrig, aber insgesamt komme man zurecht, hieß es. Von Künstlern, die dort aufgetreten sind, wird ein etwas anderes Bild gezeichnet: „Es war klar, dass das dort nicht besonders gut läuft“, sagte einer gegenüber der HNA.

Seit der Trennung von Geschäftspartner Jörg Heckmann im Jahr 2017 hatte Bamberger das klassische Varieté-Programmangebot zurückgefahren und stärker auf Comedy-Gastspiele, Konzerte und Lesungen gesetzt. Jetzt aber sind nach seinen Worten kurz hintereinander zwei finanzielle Herausforderungen aufgetaucht, die der Betrieb nicht schultern könne.

"Leider Schluss mit lustig"

Zuerst habe sich die Gema gemeldet – die Rechteverwertungsgesellschaft für musikalischen Urheberschutz – und „unvorhersehbar“ etliche Gebührenbescheide „in immenser Höhe“ erlassen, „die in keinem Verhältnis stehen“, wie Bamberger meint. Als das Palais-Hopp-Team noch überlegt habe, wie man sich dagegen rechtlich wehren könne, sei eine weitere Forderung von der Künstlersozialkasse eingetroffen.

Nach drei Jahren Betrieb sei der Kasseler Spielort nun als abgabenpflichtig eingestuft worden und solle unangekündigt und kurzfristig zugleich auch für alle zurückliegenden Jahre zahlen. Das seien Dinge, mit denen auch viele andere Veranstalter ihre Probleme hätten, sagt Gerrit Bamberger. 

Für das Palais Hopp sei es nun aber insgesamt knüppeldick gekommen. Jetzt sei „leider Schluss mit lustig“, resümiert der Veranstalter, der selbst als Comedian mit seinen Programmen regelmäßig im Palais Hopp aufgetreten ist.

Nach glanzvollem Start von Krise zu Krise

Die Geschichte der Varietébühne im Kasseler Westen reicht bis ins Jahr 1996 zurück. Damals hatte der Veranstaltungsunternehmer Götz Ohlendorf einen persönlichen Traum verwirklicht und im Haus Goethestraße 29 den Starclub ins Leben gerufen.

130 Zuschauerplätze bot Deutschlands kleinstes Varieté-Theater und spielte fünf Programme pro Jahr. Es gab Abendvorstellungen und Mitternachtsshows, Extravorstellungen sowie gastronomische Bewirtung für die Gäste. Viele Stars der Szene traten in Kassel auf, darunter etwa Varieté--Legende Konrad Thurano, der noch mit 92 Jahren auf der Starclub-Bühne stand.

Bevor es zum Pailais Hopp wurde, hieß das Varieté an der Goethestraße "Starclub".

Die Sache lief zunächst so erfolgreich, dass Ohlendorf Ende 1999 einen zweiten Starclub in Fulda gründete. Dieser zweite Standort kam allerdings niemals richtig in Schwung: Die Betriebsverluste dort wurden schließlich so hoch, dass Ohlendorf 2003 Insolvenz anmelden musste – auch für seine Veranstaltungsagentur Rampenlicht. Der Ableger in Fulda wurde daraufhin geschlossen, für den Starclub in Kassel ging es an einem neuen Ort weiter: In der Kurfürsten-Galerie hatte das Varieté zwischenzeitlich 180 Zuschauerplätze.

Mietvertrag endete

Im Sommer 2009 endete dieses Intermezzo mit dem Auslaufen des Mietvertrages. Und auch zwischenzeitliche Pläne, nach nebenan ins ehemalige Finanzamt an der Spohrstraße umzuziehen, zerschlugen sich. Der Starclub spielte dann eine Weile provisorisch in der Alten Brüderkirche. Zur freudigen Überraschung des Publikums verkündete Götz Ohlendorf 2010, dass der Starclub wieder zurück in seine ursprünglichen Räume an der Goethestraße zieht.

An den Erfolg der Anfangsjahre konnte das Varieté aber nicht mehr anknüpfen. Immer wieder gab es Hinweise auf finanzielle Schwierigkeiten, ausstehende Mitarbeitergehälter, offene Rechnungen von Geschäftspartnern. Ab 2013 überschattete eine zweite Insolvenz den Varietébetrieb, der dennoch drei Jahre unter Ohlendorfs Regie weiterlief.

2016, mit dem Auslaufen des Mietvertrages, zog sich der Varietégründer dann zurück. Die beiden früheren Starclub-Mitarbeiter Gerrit Bamberger und Jörg Heckmann führten den Spielort weiter unter dem neuen Namen „Palais Hopp“.

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