"Wir sind mehr Kleinkunstbühne statt reines Varieté“

Ahle Worscht im Varieté: Geht es für das Palais Hopp jetzt um die Wurst?

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Wer kann da schon widerstehen? Beim „Ahle Worscht Tasting“ macht Betreiber Gerrit Bamberger im Palais Hopp seine Späße über die nordhessische Spezialität – das nächste Mal am 5. September. 

Zuletzt fielen im Kasseler Palais Hopp gleich drei Veranstaltungen in zwei Wochen aus. Ist das Kasseler Varieté in der Krise? Nein, aber gegen Netflix haben es viele Kulturschaffende schwer. 

Wenn Gerrit Bamberger seinen Gästen im Palais Hopp Ahle Worscht anbietet, soll selbst Vegetariern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Beim „Ahle Worscht Tasting“ macht der Komiker und Betreiber des Varietés in der Goethestraße viele Späße mit der nordhessischen Spezialität, die auch probiert werden kann.

Die von Bamberger erfundene Veranstaltungsreihe ist ein Renner. Doch davon gibt es im Palais Hopp zu wenig. Allein im Mai wurden innerhalb von zwei Wochen drei Konzerte und Comedy-Gastspiele abgesagt – es waren nicht genügend Karten verkauft worden.

Manche fragen sich: Geht es für den 2016 eröffneten Nachfolger des traditionsreichen Starclubs nun schon um die Wurst? Nein, sagt Bamberger. Die gerade zu Ende gehende Saison sei „eigentlich ganz gut angenommen worden“. Diejenigen, die da waren, „sagen, wie toll es ihnen gefallen hat“. Allerdings könnten das mehr sein. Die Auslastung liegt wie bei der Premieren-Saison nur bei 50 Prozent.

Daran hat auch ein neues Konzept nichts geändert. Seit der Trennung von seinem Geschäftspartner Jörg Heckmann im August 2017 setzt Bamberger weniger auf das klassische Varieté. Die Wundertüte aus Akrobatik, Gesang und Komik gibt es nur noch dreimal im Jahr – im Herbst, Winter und an Ostern. Dafür setzt der 44-Jährige vermehrt auf Comedy-Gastspiele, Konzerte und Lesungen: „Wir sind jetzt mehr Kleinkunstbühne statt reines Varieté.“

Bei Prominenten wie dem Komiker Ingolf Lück ist der Club voll. „Aber wir können nicht fünf Mal in der Woche TV-bekannte Gesichter spielen lassen, das ist zu teuer“, sagt Bamberger, der mit seiner Familie im Grebensteiner Stadtteil Schachten lebt. Werden jedoch für ein Gastspiel eines unbekannten Talents nur 15 Karten verkauft, wird das schnell ein Drauflegergeschäft für alle Beteiligten.

Auch in anderen größeren Städten haben Varietés keinen leichten Stand. „Wenn das Netflix-Abo nur 7,99 Euro kostet und der Pizzadienst dir das Essen nach Hause bringt, ist es schwer, die Leute vom Sofa zu holen“, klagt Bamberger. Darum setzt er zusätzlich auf Firmen, die das Palais Hopp für Seminare buchen. Das laufe „relativ gut“.

Szenekenner wie der Comedian Peter Dams alias Brian O’Gott glauben, dass Kassel nach wie vor ein guter Standort für ein Varieté sei. Auch wenn es Bambergers Vorgänger Götz Ohlendorf, der fast 20 Jahre lang den Starclub betrieb, ebenfalls oft schwer hatte.

Auch Bamberger, der drei festangestellte Mitarbeiter und mehrere Aushilfen beschäftigt, ist davon überzeugt. Fragt man den gelernten Schreiner, ob er mal daran gedacht habe, alles hinzuschmeißen, sagt er: „Nicht öfter als in meinem alten Job.“

Er hat ja auch einen Job, um den ihn viele beneiden. Zum Abschluss vor der Sommerpause gibt Bamberger den Harald Schmidt: In seiner „Late Night Show“ plaudert er am 28. Juni mit Gästen. Musik macht Ex-Casting-Star Christian Durstewitz. Live, verspricht Bamberger, ist besser als vor der Glotze.

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Palais Hopp: Das Programm

Nach der Sommerpause (1. Juni bis 2. September) lockt das Palais Hopp gleich mit mehreren vielversprechenden Namen: 

  • Sybille Bullatschek (13. September) hat sich als Komikerin mit Späßen über Altenpflege einen Namen gemacht. 
  • Newcomerin Miss Allie (20. September) überzeugte beim Hessischen Kabarettpreis in Vellmar und gewann den Publikumspreis. 
  • Der niederländische Kabarettist und Pianist Robert Kreis ist Kult und leitete mit Max Raabe die 20er-Jahre Retrowelle ein. Im Palais Hopp gastiert er gleich an drei Abenden (1. bis 3. November). 

Infos und Karten: palaishopp.de

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