Nach schweren Jahren

Agaplesion Diakonie Kliniken haben Krise überwunden

Haus der Agaplesion Diakonie Kliniken an der Herkulesstraße
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Zwölf Jahre wurde an der Herkulesstraße gebaut. Geplant ist nun noch ein Neubau an der Goethestraße.

Verluste, weniger Gehalt für die Beschäftigten und hohe Investitionen in den Ausbau des Krankenhauses: Hinter den Agaplesion Diakonie Kliniken Kassel liegen schwere Jahre.

„Mittlerweile sind wir aber wieder auf einem guten Weg und haben die Krise überwunden“, sagt Geschäftsführer Alfred Karl Walter. Er gibt einen Überblick über die Entwicklung des Krankenhauses:

Die Finanzlage

Zehn Jahre lange haben die Diakonie Kliniken Verluste geschrieben. 2017 war das erste Jahr mit einem ausgeglichenen Ergebnis. Die Umsatzrendite – also der Jahresüberschuss des Umsatzes nach Abzug aller Aufwendungen – lag im vergangenen Jahr bei 2,4 Prozent (2018: 0,9 Prozent). „Dennoch sind wir noch immer in einer wirtschaftlichen Notlage, weil wir noch bilanziell überschuldet sind“, so Walter. Ziel sei es, Überschüsse und Rendite zu erwirtschaften, um nicht nur Schulden abbauen, sondern auch investieren zu können.

Trotz Verlusten durch die Coronakrise erwartet das Krankenhaus auch für 2020 ein leicht positives Ergebnis – wenn auch nicht so hoch wie geplant. Bis Ende 2022 will man es aus der bilanziellen Überschuldung schaffen.

Die Umstrukturierung

An mehreren Stellschrauben hat die Klinikleitung gedreht, um das Krankenhaus aus der Krise zu führen. Seit 2017 gab es bei den stationären Fällen eine Steigerung von knapp neun Prozent. In absoluten Zahlen waren das 2019 knapp 15 000 Patienten, die stationär behandelt wurden, plus 2000 Geburten. Ambulant wurden 16 000 Patienten behandelt. Gleichzeitig wurde die Verweildauer um 4,1 Prozent auf durchschnittlich 5 bis 6 Tage gesenkt. Zudem wurde das Personal aufgestockt. „Dabei haben wir die Ressourcen anders verteilt und den Schwerpunkt auf Mitarbeiter gelegt, die am Patienten arbeiten“, sagt Walter.

Das Personal

Wie in fast allen anderen Kliniken ist auch in den Diakonie Kliniken das Thema Fachkräftemangel aktuell. Das Krankenhaus setzt daher auf Ausbildung und kooperiert mit dem akademischen Lehrkrankenhaus in Marburg. Auch im Bereich Pflege bildet die Klinik aus. Zudem gibt es für jeden Auszubildenden eine Einstellungsgarantie.

Für die Mitarbeiter positiv: Um in den Krisenjahren die finanziellen Belastung stemmen zu können, hatten sie seit 2005 immer wieder Einbußen hingenommen. Seit 2016 gibt es solch eine Dienstvereinbarung nicht mehr. Noch könne man die Mitarbeiter nicht am Erfolg der Klinik beteiligen, so Walter – das sei aber geplant.

Die Pandemie

Der Einbruch der Patientenzahlen durch die Coronapandemie war enorm. 16 Prozent weniger Patienten als im vergangenen Jahr wurden im Krankenhaus an der Herkulesstraße versorgt. Vor allem der April hat mit einem Minus von 37 Prozent reingehauen. Eine weitere Herausforderung sind die Abstriche auf das Corona-Virus. Jeder Patient, der aufgenommen wird, wird abgestrichen. Die Kosten belaufen sich laut Walter in diesem Jahr auf etwa 500 000 Euro. „Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass wir gut durch die Krise kommen.“

Die Schwerpunkte

Fünf Allgemeinkrankenhäuser gibt es in Kassel – mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Bei den Diakonie Kliniken legt man die Schwerpunkte auf die Geburtshilfe, die Gefäßmedizin, das akute Geschäft (Unfallchirurgie, Viszeralchirurgie, Kardiologie) sowie die Geriatrie, die zuletzt ausgebaut wurde. Geplant ist außerdem der Aufbau einer Plastischen Chirurgie. Zudem werde in den kommenden Jahren die Kooperation und Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten immer wichtiger werden, sagt Walter.

Die Pläne

Derzeit investiert das Krankenhaus 750 000 Euro in den Aufzugsturm und eine Million Euro in die Gebäudesicherheit. Zudem ist geplant, die Endoskopie und die Radiologie umzubauen. Und auch neu gebaut werden soll wieder: Das alte Diakonissenkrankenhaus an der Goethestraße soll abgerissen werden. Dort soll Platz geschaffen werden für einen neuen Anbau. Die Arbeiten sollen nächstes oder übernächstes Jahr beginnen.

Jahrelange Bauarbeiten an der Herkulesstraße

Zwölf Jahre wurde an der Herkulesstraße gebaut: Die Grundsteinlegung für den Neubau erfolgte im Jahr 2004, 2016 wurde der dritte Bauabschnitt abgeschlossen und die Frauenklinik Dr. Koch in den Hauptstandort integriert. Seither sind alle Fachabteilungen an dem Klinikstandort vereint. Insgesamt beliefen sich die Kosten laut Sprecherin Lena Goldmann auf 97,2 Millionen Euro. Zusätzlich seien weitere Investitionen in Höhe von 20 Millionen Euro für die technische Ausstattung getätigt worden.

Von Marie Klement

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