Weil reparieren froh macht

Flicken statt wegwerfen: Im Repair-Café wird Kaputtes wie neu

Konzentriert: Paul Sigmar (links) tüftelt neben Elektrotechnik-Student Hannes Rewald an einem von zwei kaputten Transistorradios, die Ilse Grössel (im Hintergrund) mitgebracht hat. Sie assistiert beim Reparieren. Fotos: Hein

Kassel. Wenn es eine Glücksmaschine gibt, dann muss sie wohl im Repair-Café stehen. Dass so viele Menschen den Ort mit einem seligen Lächeln verlassen, kann kein Zufall sein. Unterm Arm tragen sie ein elektronisches, mechanisches oder sonstiges Gerät, das vorher kaputt war und jetzt repariert ist.

Kostenlos, gegen eine Spende, die Tasse Kaffee inklusive. Einmal im Monat stellt der Nachbarschaftstreff „Hand in Hand“ der Vereinigten Wohnstätten 1889 der Initiative Repair-Café seine Räume in der Samuel-Beckett-Anlage zur Verfügung. Die Idee: Ehrenamtliche reparieren oder helfen beim Reparieren von kaputten Toastern, Bügeleisen und mehr. Flicken statt wegwerfen lautet das Motto.

Die nächsten Termine: 

24. Oktober und 28. November, jeweils ab 16 Uhr.

Ansprechpartner: Wolfgang Ehle, Telefon: 0172 69 05 061; E-Mail: info@repaircafe-ks.de

Keine fünf Minuten dauert es, da hat Norbert Konrad Susanne Holbeins Problem behoben. Sie war mit ihrer Nähmaschine gekommen, die „den Geist aufgegeben hatte. Es roch so komisch, da hab’ ich den Stecker rausgezogen.“ „Das ist ja eine alte Pfaff, ein richtiges Schätzchen!“, sagt Konrad begeistert. Kaum war die Pedalabdeckung abgenommen, stellt der Elektriker auch schon fest, dass ein kaputter Kondensator die Ursache war. Herausgenommen, läuft die Maschine wieder, zwar nicht mehr in fünf Geschwindigkeiten, „aber sie näht“. Konrad ordnet den kleinen Schraubenzieher wieder in seinen Werkzeugkasten ein. „Viele Elektrogeräte kann man heute gar nicht mehr öffnen, weil sie verschweißt sind“, sagt er. Da sei Reparieren fast unmöglich. Aber nur fast. Die Helfer liebten Neuland. Ihnen mache es „Freude, anderen zu helfen“. Konrad: „Die Leute sind begeistert - sogar wenn man ihnen nicht helfen kann.“

Auffällig: Hendrik Bruns (27) hat seinen Bass mit Wackelkontakt mitgebracht.

So eine Begeisterte ist Inge Thomas-Worms. „Es tut mir leid wegzuschmeißen, was noch reparabel ist“, sagt die Rentnerin. Sie verlässt das Café hoch zufrieden mit reparierter Kaffeemaschine. Auch Ilse Grössel verfolgt fasziniert, wie Paul Sigmar (84), der früher als Programmierer gearbeitet hat, neben dem Elektrotechnik-Studenten Hannes Rewald (21) sitzt und an ihren Transistorradios tüftelt. „Wir haben hier nur ein mechanisches Problem“, sagt Rewald, der den Seilzug für die Frequenzeinstellung neu ordnet. Für alte Geräte, so verrät er, habe er eine Schwäche: „Die kann man gut reparieren.“

Rumgehen, gucken, lernen, schnuddeln, Kaffee trinken gehören zur Philosophie des Repair-Cafés, weshalb Bärbel Praßer von Hand in Hand auch gerne Gastgeberin ist, wie sie sagt.

Vier, fünf Geräte repariert jeder der Dutzend Helfer an einem Nachmittag. Häufig sind es Kaffeemaschinen, Radios, Staubsauger. Aber auch Ungewöhnliches kommt rein wie die E-Gitarre mit Wackelkontakt, die Hendrik Bruns mitgebracht hat. Für die Helfer eine Herausforderung: Sofort werden die Schraubenzieher gezückt.

In Kassel trifft sich das Repair-Café, eine Initiative von Hand in Hand und BUND Kassel, einmal im Monat im Nachbarschaftstreff Vorderer Westen - Hand in Hand, Samuel-Beckett-Anlage 12 (am Ende der Gabelsbergerstraße). Es werden noch freiwillige Helfer sowohl für die Bereiche Reparieren als auch für das Café gesucht.

Weitere Informationen gibt es hier.

Von Christina Hein

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