Vor dem Chacal treffen sich die Massen

Rudolphsplatz ist Kassels In-Treffpunkt: Freiluftsaison bringt Müll- und Lärmprobleme 

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Angrillen vor dem Chacal: Die Kneipe hatte die Nachbarn zu Beginn der Saison eingeladen, um über Probleme zu sprechen. Die Nachbarn, die häufig über Lärm klagen, waren aber nicht gekommen. 

Der Frühling ist da, die Abende werden länger und wärmer. Mit den steigenden Temperaturen wachsen auch die Lärm- und Müllprobleme im Ausgehviertel Vorderer Westen.

Spätestens wenn vor der Kneipe Chacal an der Goethestraße ab 15. April die Außenbestuhlung steht, wird der Rudolphsplatz wieder zum nächtlichen Magnet für Hunderte. Dies sorgt nicht bei allen für Freude. Am Freitag, 5. April, findet daher ein Runder Tisch mit Ortsbeirat, Ordnungsamt, Polizei, Jugendamt und Streetworkern statt.

Nachdem die Goethestraße samt Rudolphsplatz im Jahr 2013 umgebaut worden waren, versprach die Stadt Kassel vor allem eine höhere Aufenthaltsqualität. Dieses Ziel sollte mehr als erreicht werden. Mit jeder Sommersaison tummelten sich mehr Menschen auf dem Platz. Schnell bekam das belagerte steinerne Mobiliar des Platzes im Volksmund den Namen „Affenfelsen“.

Die Geräuschkulisse des nächtlichen Ansturms brachte in den vergangenen Jahren immer wieder Anwohner auf die Barrikaden. Sie beschwerten sich regelmäßig – vor allem über den Lärm. Der Wirt der Kneipe Chacal, Jochen Leder, versuchte zu vermitteln. „Die Probleme fallen immer auf uns zurück“, sagt Leder. Dabei entfielen auf seine Kneipe nur 16 Außentische mit 43 Sitzplätzen. Diese seien vom Ordnungsamt genehmigt und nur für diese sei er verantwortlich.

Im vergangenen August hat Leder das Chacal testweise für drei Abende geschlossen. Das Ergebnis: Auf dem Platz waren genauso viele Menschen wie sonst.

Angrillen vor dem Chacal: Die Kneipe hatte die Nachbarn zu Beginn der Saison eingeladen, um über Probleme zu sprechen. Die Nachbarn, die häufig über Lärm klagen, waren aber nicht gekommen.

„Es handelt sich um einen öffentlichen Platz, zu dem inzwischen Menschen aus dem ganzen Stadtgebiet kommen“, sagt der Wirt. Er könne deren Verhalten nur bedingt beeinflussen. Zumal er inzwischen erkrankt ist und seine Mitarbeiter die Kneipe führen müssen. Er habe schon häufig das Gespräch mit aufgebrachten Nachbarn geführt und die Menschen auf dem Platz um Ruhe gebeten. Teilweise würden diese Musikinstrumente und Gettoblaster mitbringen. Das müsse vielleicht nicht unbedingt sein, aber eine gewisse Lautstärke müssten Stadtbewohner in Kauf nehmen.

Leder erlebt die Besucher des Rudolphsplatzes überwiegend friedlich. Einige würden aber auch eine „Schneise der Verwüstung“ hinterlassen. Damit spricht er die Müllprobleme an.

Der Wirt fordert von der Stadt regelmäßige und häufigere Kontrollen des Ordnungsamtes – auch zu später Stunde. Zudem müsse der Platz durch die Stadtreiniger deutlich öfter gereinigt werden – nicht nur zweimal im Monat wie bislang.

Der Ortsbeirat Vorderer Westen fordere ebenfalls verstärkte Kontrollen des Ordnungsamtes, sagt Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne).

Termin: Der Ortsbeirat lädt interessierte Bürger für Freitag, 5. April, 16 Uhr zum Runden Tisch in das Stadtteilzentrum Vorderer Westen, Elfbuchenstraße 3, ein.

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Das sagt die Stadt Kassel zur Situation am Rudolphsplatz

Ein Stadtsprecher teilte auf HNA-Anfrage zu den Lärm- und Müllproblemen Folgendes mit:

  • Zum Lärmproblem: „Grundsätzlich ist auszuführen, dass sich die Situation auf dem Rudolphsplatz im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert hat. Ordnungsamt und Polizei ergreifen bei Störungen dieselben Maßnahmen wie im Vorjahr. Der Platz wird durch Ordnungspolizeibeamte während der Dienstzeit des kommunalen Vollzugsdienstes kontrolliert. Allerdings sind die Kontrollen immer auch abhängig von der konkreten Einsatzlage am jeweiligen Tag im Stadtgebiet, das heißt, Ordnungspolizeibeamte können nicht gleichzeitig auf allen Plätzen, Straßen und in allen Grünanlagen in der Stadt anwesend sein und Kontrollen durchführen. Außerhalb der Dienstzeiten des Vollzugsdienstes ist die Polizei zuständig. In der Gaststättenabteilung des Ordnungsamtes sind zwei Beschwerden einer Anwohnerin aktenkundig. Zahlen über Beschwerden, die in der Leitstelle des Vollzugsdienstes eingegangen sind, können kurzfristig nicht genannt werden. Dazu wäre es erforderlich, die Einsatztagebücher des letzten Jahres händisch auszuwerten.“
  • Zum Müllproblem: Wegen der Müllprobleme verweist die Stadt darauf, dass das Reinigungsintervall am Rudolphsplatz während des Sommers nicht erhöht werden könne. Verursacher seien in der Pflicht, ihren Abfall mitzunehmen. Zudem leerten die Straßenreinigungsteams bei schönem Wetter mehrfach wöchentlich die Papierkörbe. Zum Aufstellen einer Servicetonne seien die Stadtreiniger mit dem Kneipenwirt im Gespräch.

VON BASTIAN LUDWIG

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