Ein nackter Abend: Die Chippendales im Kongress Palais

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Objekte der Begierde: Etwa 1000 Frauen jubelten im Konress Palais den Chippendales zu, die in ihrem klassischen „Outfit“ – freier Oberkörper, weißer Kragen mit Fliege und weiße Manschetten – die Show eröffneten. Den Rest des Abends hatten sie deutlich weniger an.

Kassel. Polizisten, die sich ihrer Uniformen entledigen, halbnackte Cowboys, die ein Lasso schwingen - im Kongress Palais haben die Chippendales fast alle Frauenfantasien bedient.

Doch zum Anfang: Dienstagabend, 18.45 Uhr: Vor dem Kongress Palais treffen die ersten Frauen ein. Sie sind überwiegend zwischen 25 und 40, mit der Freundin, den Kolleginnen oder einem Junggesellinnenabschied unterwegs. Viele tragen kurze Röcke und Stöckelschuhe und stimmen sich mit einem Gläschen Sekt auf den Abend ein. Caroline Rikirsch und Meike Taraba sind aus Marburg nach Kassel gekommen: Einmal jährlich gönnen sie sich einen Besuch bei einer Show, unter anderem, weil die Stimmung immer „der Hammer“ sei.

Und das war sie in Kassel von Anfang an. Als es um kurz nach 20 Uhr losging, hielt die Damen nichts mehr auf ihren Stühlen. Die Jungs können beeindruckend gut tanzen, sie breakdancen und machen Akrobatik, einer singt sogar so gut, dass er mit Leichtigkeit jede Castingshow gewinnen würde. Aber darum ging es an diesem Abend nicht. Wann immer die Männer ihre ohnehin knappe Kleidung auszogen und zuckende Brustmuskeln, tätowierte Rücken oder stählerne Bizepse zu sehen waren, stellte die Geräuschkulisse im Kongress Palais jedes Popkonzert in den Schatten.

Fotos vom Auftritt

Chippendales in Kassel

Nach dem dritten Lied holten die Chippendales die erste Frau auf die Bühne. Ihr war der Auftritt noch sichtlich unangenehm, von ihren Nachfolgerinnen kann man das allerdings nicht behaupten: Ohne zu zögern spielten sie ihre Lieblingsstellung nach, zogen ein Kondom über eine Banane oder ließen sich auf der Bühne fesseln.

Dennoch wirkte die Inszenierung nicht anrüchig. „Das ist eine professionelle Show in einem seriösen Rahmen. Es findet ja nicht in irgendeinem Hinterhof statt“, sagt Viktoria Henkes aus Kassel. Das war für sie ausschlaggebend für den Kauf der Karte. Das Geheimnis des Erfolgs scheint aber auch in etwas anderem zu liegen. „Man fühlt sich begehrt“, sagt eine Besucherin über die Interaktion mit dem Publikum.

Außer der nackten Tänzer auf der Bühne sind nur drei weitere Männer im Saal. Einer von ihnen ist Dr. Dieter Stübinger. Der Arzt aus Neustadt hat seinem Praxisteam den Besuch spendiert. Unwohl fühlt er sich unter all den Frauen nicht: „Ich verstehe nicht, dass keine Männer da sind. Wenn sich jemand mit Frauen umgeben will, muss er nur hierhergehen.“ Ein anderer ist Dirk Haine aus Kassel. „Viel Östrogen in der Luft“, beschreibt er sein Gefühl. Er ist mit seiner Lebensgefährtin da. Sie haben sich die Karten gekauft, nachdem sie den Film „Ganz oder gar nicht“ gesehen hatten. Darin wollen es einige englische Stahlarbeiter den Chippendales gleichtun und mit Strip-Shows Geld verdienen. Anders als die Profis wollen sie aber alles zeigen - eben ganz oder gar nicht. Die Chippendales hingegen wahren einen letzten Rest Intimsphäre.

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