Heizung ist im Winter monatelang kalt

„Schikanen gehen weiter“: Eigentümer in Kassel versuchte, Bewohnerin rauszuklagen

Sie will nicht weichen: Andrea Schmidt in ihrer Dachgeschosswohnung.
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Sie will nicht weichen: Andrea Schmidt in ihrer Dachgeschosswohnung.

Andrea Schmidt fühlt sich in ihrem Zuhause schon lange nicht mehr wohl. Die 60-Jährige lebt seit mehr als 30 Jahren in einem Mehrfamilienhaus an der Dag-Hammarskjöld-Straße im Vorderen Westen. Doch seit Jahren liegt sie in einem Streit mit den Eigentümern ihres Hauses.

Kassel - Alle anderen Mietparteien sind bereits aus dem Haus ausgezogen. Doch obwohl sich die 60-Jährige durch das Verhalten ihrer Eigentümer schikaniert fühlt, will sie nicht weichen.

Die Probleme begannen nach dem Tod ihres langjährigen Lebensgefährten, dem das Wohnhaus einst gehörte. Als dieser 2013 starb, machte sich Schmidt zunächst aber keine Sorgen um ihre Wohnung. Denn ihr war im Grundbuch bereits 1996 ein lebenslanges und unentgeltliches Wohnrecht eingetragen worden. Als die Erben ihres verstorbenen Lebensgefährten die Immobilie 2014 an ein Juristen-Ehepaar aus Kassel verkauften, bereitete ihr dies zunächst auch keine schlaflosen Nächte. Denn die neuen Eigentümer waren ihr nicht unbekannt.

Es dauerte aber nicht lange, bis Schmidt von den neuen Eigentümern aufgefordert wurde, einer Löschung ihres Wohnrechts zuzustimmen. Dies lehnte sie ab. Versuche des Paares, vor dem Landgericht Kassel und später vor dem Oberlandesgericht die Löschung zu erzwingen, scheiterten. Entsprechende Urteile konnte die HNA einsehen. Die Richter wiesen die Klage 2016 auch in zweiter Instanz ab. Die Eigentümer hatten argumentiert, es liege für die Dachgeschosswohnung von Frau Schmidt keine Baugenehmigung vor. Diese lag zwar ursprünglich tatsächlich nicht vor, konnte aber nachgereicht werden. Das Wohnrecht, so die Richter, sei dadurch aber ohnehin nicht berührt gewesen.

Auch sei es rechtens, so das Gericht, dass die Bewohnerin – so wie im Grundbuch festgehalten – nur Nebenkosten tragen muss, wenn sie 150 Euro monatlich überschreiten. All dies war beim Kauf der Immobilie durch das Juristen-Ehepaar bekannt gewesen.

Nach den Urteilen kehrte aber keine Ruhe ein. „Seitdem gehen hier die Schikanen weiter“, sagt Schmidt. Wochenlang sei das Treppenhauslicht ausgefallen, dann habe es Wasserschäden gegeben, um die sich die Eigentümer nicht gekümmert hätten, und nun habe sie seit drei Monaten keine funktionierende Heizung. „Zeitweise sind es in meiner Wohnung zehn Grad“, sagt die 60-Jährige, die sich eine kleine Elektroheizung aufgestellt hat.

Nachdem das Ehepaar trotz mehrfacher Aufforderungen durch den Mieterbund keine Techniker schickte, erwirkte Schmidt bereits Ende Oktober über ihren Kasseler Anwalt Stephan Döring eine einstweilige Verfügung bei Gericht. Nach dieser muss der Eigentümer dafür sorgen, dass die Heizung instandgesetzt wird. Weil dies nicht geschah, kam es zur Ersatzvornahme. Das bedeutet, die Bewohnerin beauftragte selbst eine Firma und stellte die Kosten den Eigentümern in Rechnung.

Weil die Heizungsanlage aber acht Jahre lang nicht gewartet worden sei, hätten die Techniker diese nur notdürftig reparieren können, so Anwalt Döring. Kurz darauf wurden die Heizkörper in Schmidts Wohnung abermals kalt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Nun werden wir die Eigentümer auf Reparatur der Heizung verklagen“, beschreibt Döring die nächsten Schritte.

„Die Eigentümer warten darauf, dass ich gehe. Aber den Gefallen tue ich ihnen nicht“, sagt Schmidt. Das Juristen-Ehepaar hat auf HNA-Anfrage keine Stellung zu den Vorfällen genommen. (Bastian Ludwig)

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