Konkurrenz durch Supermärkte zu groß

Keine Chance für das Schmanddibben: Einer der ältesten Bioläden Kassels schließt

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Geben ihren Laden auf: Silke (links) und Barbara Obermeier schließen das Schmanddibben am Goethestern zum 22. August. Die Konkurrenz von Discountern und Supermärkten ist zu groß geworden.

Kassel. Bio ist im Trend. Und trotzdem können viele kleine Bioläden nicht mehr überleben. Jetzt hat es auch einen der ältesten Bioläden in Kassel erwischt – das Schmanddibben am Goethestern schließt.

„Mittlerweile hat sich das Einkaufsverhalten der Kunden stark geändert. Hinzu kommt, dass auch immer mehr Discounter, Supermärkte und Drogerien ihr Angebot an Bioprodukten erweitert haben“, sagt Silke Obermeier, die den Laden zusammen mit ihrer Partnerin Barbara betreibt. Da würden dann Bioprodukte zu Preisen angeboten, mit denen die kleinen Läden nicht mithalten können. Vor einigen Jahren hätten Bioläden noch Nischen bedient, das sei jetzt anders. „Um den Laden fortzuführen, hätten wir das Dreifache an Umsatz benötigt – so haben wir keine Chance zu überleben.“ 

Hinzu kommt, dass das Schmanddibben mit seinen knapp 35 Quadratmetern sehr klein ist. Das historische Ladenlokal besteht seit dem Bau des Hauses Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Obermeiers haben die Inneneinrichtung in den letzten Jahren verändert, aber auch da sind sie schnell an Grenzen gestoßen. In dem Jahr, in dem das Paar den Laden übernommen hat, hat auch der Denns Biomarkt am Bebelplatz eröffnet. „Kurzfristig haben wir das gar nicht groß gemerkt“, sagt Silke Obermeier. Aber in den nächsten Jahren sei es dann doch zu spüren gewesen. Die Stammkunden seien weiterhin gekommen, aber die Laufkundschaft gehe dann eben eher in den Supermarkt. 

Im vergangenen Jahr hatten die Obermeiers es mit einem „Schmanddibben-Support“-Konzept versucht, um den Umsatz zu steigern. Mit 20 Euro im Monat konnte man den Laden unterstützen. Dafür gab es auf jeden Einkauf zehn Prozent Rabatt und ein kostenloses Mittagessen im Monat. Aber es hat nicht gereicht. „Natürlich hatten wir uns mehr erwartet“, sagt Silke Obermeier. Aber man könne es nicht ändern – das Sterben kleiner Geschäfte mache auch vor Bioläden nicht halt. Das zeige sich auch am Unverpacktladen Butterblume in der Südstadt, der ebenfalls Mitte September schließt.

 Die Schließung macht nicht nur die Obermeiers traurig, sondern auch ihre Kunden. Gottfried Elsas kauft seit 25 Jahren alle seine Lebensmittel im Schmanddibben: „Ich bin sehr traurig“, sagt er. „Ich war gerne hier, und man hat immer viele Leute getroffen. So werde ich gezwungen, in den Supermarkt zu gehen.“ Für Elsas ist die Schließung ein Verlust an Lebensqualität. Es sei immer schön gewesen, wenn schon kleine Kinder beim Schmanddibben alleine die Brötchen geholt hätten. Im Supermarkt sei so etwas einfach nicht möglich. „Die eine oder andere Träne wird fließen“, sagen die Obermeiers. Den Abschied wollen die beiden noch ein bisschen zelebrieren. Sie hoffen, dass viele noch mal vorbeikommen, bevor dann am 22. August Schluss ist. Als Nachmieter zieht dann ein Friseursalon ein. Wie es für die Obermeiers weiter geht, wissen sie noch nicht. 

Treffpunkt im Stadtteil: Das Bild zeigt den Bioladen Schmanddibben im Vorderen Westen in den Anfangsjahren.

Bioladen seit den 80er-Jahren

Das Schmanddibben ist einer der ältesten Bioläden in Kassel. Ursprünglich in den 1980er-Jahren von der gleichnamigen Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft ins Leben gerufen, gab es zuerst zwei Verkaufsstände und dann ein Kellergeschäft im Vorderen Westen. Dann gab es drei Läden unter gleichem Namen – einen in der Kunoldstraße, einen in der Zentgrafenstraße und einen in der Lassallestraße. 

Seit 33 Jahren gibt es das Ladenlokal am Goethestern. Ursprünglich kommen die Obermeiers aus Süddeutschland. In einer Fachzeitschrift waren sie auf den Laden in Kassel aufmerksam geworden und hatten ihn vom Vormieter übernommen, der den Laden über 15 Jahren betrieben hatte.

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