Von Armani bis Prada

Second-Hand-Läden in Kassel: Im "Coco" gibt es Luxus aus zweiter Hand

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Hermann Hoppes aktuelles Lieblingsstück ist derzeit eine Tasche von Louis Vuitton.

Kassel. „Coco“ steht in schwarzer 70er-Jahre Retro-Schrift über der Eingangstür geschrieben. Und tatsächlich erinnert so einiges in Hermann Hoppes Laden an die französische Mode-Ikone Coco Chanel.

Für Hoppe selbst aber hat der Name eine ganz andere Bedeutung: „Coco steht für Compagnion“, erzählt der 61-Jährige. der den kleinen Second-Hand-Laden im Vorderen Westen vor 13 Jahren zusammen mit seiner Frau eröffnet hat. Nicht als Ehepaar, sondern eben als Compagnions, denn die beiden hatten ihre Ehe zu dem Zeitpunkt schon aufgelöst. Heute führt Hermann Hoppe den Laden alleine weiter. Als „Alleinunternehmer“, wie er selbst sagt.

„Man kann davon noch leben“, meint der gebürtige Österreicher. So langsam mache sich die „massenhafte Konkurrenz“ aus dem Internet allerdings bemerkbar. Der 61-Jährige weiß, wovon er spricht. Seit mehr als 30 Jahren ist er in der Gebrauchtwaren-Branche zu Hause.

Die Idee

„Damals lag der Fokus noch auf Möbeln und Antiquitäten“, erzählt Hoppe, der 1986 seinen ersten Second-Hand-Laden am Goethestern eröffnet hat. Ein weißer Pressstoff-Sessel im Schaufenster erinnert noch immer an diese Zeit. Knapp 9000 Euro hat Hoppe damals für die gesamte Sitzgruppe vom Jugendstil-Designer Reinstein bezahlt. Inzwischen hat sich Hoppe auf Kleidung fokussiert. Möbel und Antiquitäten seien lediglich „dekoratives Beiwerk“.

Das Konzept

Wie in der Second-Hand-Branche üblich, kauft Helmut Hoppe seine Kleidung auf Kommissionsbasis. So steht in seinem Laden beispielsweise seit vier Wochen eine Louis-Vuitton-Tasche zum Verkauf. Der Preis: stolze 490 Euro. Gelingt es Hoppe, die Tasche innerhalb der nächsten vier Wochen zu verkaufen, teilen sich er und die Kundin, von der er die Tasche bekommen hat, den Gewinn. Wird sie nicht verkauft, geht sie zurück an die Besitzerin.

Die Atmosphäre

„Coco“, der überschaubare Eckladen am Bebelplatz, lebt von den Prada-Schuhen, den Armani-Trenchcoats und den Gucci-Taschen, die hier zum Verkauf stehen. Er lebt aber auch von der sympathisch-nostalgischen Atmosphäre, die einen beim Betreten überkommt. Von dem blauen Teppichboden, der sich durch den ganzen Laden zieht. Von der grün-braunen Vintage-Vitrine, den großen Retro-Standspiegeln und den schlichten Kunstdrucken an der Wand.

Das Günstigste

Neben Prada, Chanel und Co. führt Hermann Hoppe auch weniger teure Marken. Ein T-Shirt von H&M oder C&A gibt es bereits ab drei Euro.

Das Teuerste

Hoppes aktuelles Lieblingsstück ist zugleich auch das Teuerste im ganzen Laden: Die Louis-Vuitton-Tasche für 490 Euro.

Der Dauerbrenner

„Accessoires wie Gürtel und Taschen laufen am besten“, meint Hermann Hoppe. „Also alles, was nicht saisonabhängig ist.“

Der Ladenhüter

„Was nicht verkauft wird, geht an den Besitzer zurück“, sagt Hoppe. Immer schwieriger werde es aber, die klassische Businessmode an die Frau zu bringen. „Die Kleidervorschriften am Arbeitsplatz sind nicht mehr so streng wie früher“, so Hoppes Erklärung.

Die Kundschaft

Neben einem großen Stammkundenkreis aus Damen mittleren Alters kaufen immer mehr jüngere Leute bei „Coco“ ein. „Das Bewusstsein für einen ressourcenschonenden Umgang mit Kleidung wächst“, vermutet Hoppe.

Second-Hand Coco, Friedrich-Ebert-Straße 127. Das Geschäft ist von Montag bis Freitag zwischen 10 und 14 Uhr sowie zwischen 15 und 19 Uhr geöffnet. Am Samstag ist von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

In den ersten vier Teilen unserer Second-Hand-Serie haben wir im Kontaktladen, bei Second Hand Schmidt-Hutten, im Zweipunktnull und im Regal vorbeigeschaut.

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