Der Chef denkt nicht daran, seine Firma umzubenennen

Corona in Kassel: Diese Zahntechnikfirma heißt wie das Virus

Hat nicht ein einziges Mal daran gedacht, seine Firma umzubenennen: Geschäftsführer Bernd Fischer vor dem Corona-Gebäude in der Raabestraße im Vorderen Westen. 
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Hat nicht ein einziges Mal daran gedacht, seine Firma umzubenennen: Geschäftsführer Bernd Fischer vor dem Corona-Gebäude in der Raabestraße im Vorderen Westen.

Nicht nur ein Virus heißt wie Corona, sondern auch eine Zahntechnikfirma aus Kassel. Deren Mitarbeiter haben ein ungewöhnliches Jahr hinter sich - inklusive ungewöhnlicher Anrufe.

Kassel – Schon Mitte Februar ahnte Bernd Fischer, dass das mit Corona etwas Großes werden könnte. Robert Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, beteuerte damals noch, in Deutschland müsse sich niemand Sorgen machen. Doch Fischer sagte unserer Zeitung: „Wahrscheinlich ist das, was wir derzeit mitbekommen, nur die Spitze des Eisbergs.“

Im Nachhinein ist seine Prognose nicht überraschend. Zwar ist der 62-Jährige kein Virologe, aber irgendwie doch ein Corona-Experte. Er ist Geschäftsführer der Zahntechnik-Firma Corona in der Raabestraße im Vorderen Westen.

Heute sagt Fischer, er sei „nicht stolz“, dass er mit seiner Vorhersage richtig lag: „Ich hätte viel lieber unrecht behalten, aber wenn man bedenkt, wie vernetzt die Welt ist, kam die Pandemie nicht überraschend.“

Auch der Name seines Unternehmens ist naheliegend. „Corona“ heißt auf Griechisch Krone. In diesem Fall steht der Begriff für die Überkronung eines Zahns. Zu Beginn der Pandemie wurde Fischer ab und an gefragt: „Na, habt ihr in China eine Zweigstelle aufgemacht?“ Oder Freunde scherzten: „Ihr expandiert aber gerade richtig.“

Ein knappes Jahr später denkt bei Corona kaum jemand mehr an ein mexikanisches Bier oder Zigarren und erst recht nicht an ein mittelständisches Unternehmen aus Kassel. Das Wort wird wohl für immer mit dem Virus verbunden sein, das Menschen tötete und die Welt zum Stillstand brachte.

Wer heute die Begriffe „Corona“ und „Kassel“ googelt, erhält mehr als 18 Millionen Ergebnisse. Fischers Firma sucht man auf den ersten Seiten jedoch vergebens. Wenn man ihn fragt, wie oft er darüber nachgedacht habe, das Unternehmen umzubenennen, sagt er trotzdem: „Gar nicht.“

Für sein Geschäft sind nicht Suchmaschinen wichtig, sondern „persönliche Gespräche“ mit Zahnärzten und anderen Kunden. Dass seine Firma wie das Virus heißt, ist ihm in den vergangenen Monaten „nicht negativ aufgefallen“. Im Gegenteil: „Mit Kunden gab es meist auflockernde Gespräche.“

Wie die meisten Unternehmen hat auch die Zahntechnikfirma Corona 2020 weniger Umsatz gemacht. Fischer schätzt 25 bis 30 Prozent. Zwei Monate lang gab es Kurzarbeit. Wichtiger aber ist, dass Fischer keinen der 28 Mitarbeiter entlassen musste. Alle blieben gesund. Und er hat „in schwierigen Zeiten sogar zwei neue Kunden gewonnen“.

Ab und an riefen unter der Firmennummer Menschen an, die das Ergebnis ihres Corona-Tests erfahren wollten. „Die haben im Telefonbuch Corona gesucht und dachten, wir seien ein Labor, das Tests durchführt. Einige ältere Leute mussten wir beruhigen“, sagt Fischer.

Womöglich würde es auch manche beruhigen, wenn der Zahntechnikermeister nun sagen würde, wie es mit dem Virus weitergeht. Er lag ja schon mal richtig. Aber Fischer weiß es auch nicht. (Matthias Lohr)

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