Schlabberlook muss nicht sein 

Anzug bei 30 Grad im Büro? Diese Modetipps geben Experten bei Hitze

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Sonnenbrille und lässige Kleidung: Trotz hoher Temperaturen kann man sich stilvoll anziehen. 

Kassel. Das Thermometer knackt die 30-Grad-Marke, man schwitzt schon am frühen Morgen. Wie sollten sich Männer und Frauen bei diesen Temperaturen angemessen kleiden? Wir haben bei Modeexperten nachgefragt. 

„Kleidung gibt Stabilität“, sagt Achim Wiegand. Warum sich viele Männer schwertun, sich bei Sommerhitze ansprechend zu kleiden, dazu hat der Inhaber des Herren-Maßkonfektionsladens Max Lui im Vorderen Westen eine Erklärung. „Oft fehlt Männern die Wertschätzung dafür, den eigenen Kleiderschrank saisonal zu organisieren.“ Dabei würden schon drei gut kombinierte Outfits genügen, um modisch unfallfrei durch den Sommer zu kommen, sagt der Stilfachmann. Komme aber ohne solche Vorkehrungen die Hitze, „dann wird eben schnell das Shirt vom letzten Festival gegriffen“.

Stilfachmann: Achim Wiegand (48) führt das Maßkonfektionsgeschäft Max Lui. 

Oder gern auch zu dreiviertellangen Cargohosen, zu Tank Tops (Wiegand: „Die gehen gar nicht“) oder zu bunten Boxershorts, die „eigentlich ja Unterhosen“ seien. „Das sieht so platt aus, da fehlt irgendwie der aufrechte Gang“, sagt der Modeberater.

Business-Kleidung bei Hitze

So viel zum Thema Stabilität. Für das Bedürfnis, sich bei Hitze möglichst luftig und komfortabel zu kleiden, hat Wiegand durchaus Verständnis. Aber: „Eine Haltung“ – und das ist physisch gemeint – „habe ich erst, wenn ich weiß, was ich trage und warum.“

Es sei ja nicht so, dass es keine Alternativen zum Schlabberlook gäbe. „Es gibt gepflegte Bermudas, ein schönes Poloshirt oder auch ein Leinenhemd.“ Und auch als Hitzeschutz von oben müsse es nicht stets das notorische Baseball-Käppi sein (Wiegand: „Schlimmstenfalls mit Werbeaufdruck“). Da könne etwa eine schicke Schiebermütze aus Stroh den Auftritt retten.

Sommer, Sonne und Modesünden in Kassel

Selbst ironisch getragen kaum zu ertragen: Weiße Sportsocken in Adiletten. © Dieter Schachtschneider
Luftiger wäre besser: Wenn das T-Shirt knapp sitzt (links), droht Hitzestau. Und die Hosen, vor allem rechts, sind auch ein Fall für sich.  © Dieter Schachtschneider
Expedition in die Fußgängerzone: Abenteurer-Outfit mit hübschen Schlappen, aber leider sehr unerwachsene Beutelhose. © Dieter Schachtschneider
Auf dem Weg von der Schwimmbadkabine zum Becken? Hoffentlich nur dies - denn ärmeloses T-Shirt und Schlabbershorts sind in der städtischen Öffentlichkeit kein erhabener Anblick.  © Dieter Schachtschneider
Knappe Sache: Hier wäre etwas mehr Rocklänge schmeichelhaft – und etwas weniger Durchblick auf die BH-Träger. © Dieter Schachtschneider
Schwierig: Knallenge Radlerhosen und Clogs zu käseweißen Beinen. © Dieter Schachtschneider

Mode-No-Gos bei Männern

Von Kurzarmhemden im Büro bei Hitze rät Wiegand entschieden ab: Die brächten klimatisch keinen merkbaren Vorteil, aber Punktabzüge bei der beruflichen Seriositäts-Anmutung. Lieber solle man auf Hemden mit bügelfreier Ausrüstung verzichten – dies sei dadurch erkauft, dass das so behandelte Gewebe den Schweiß schlechter wegtransportieren könne. Ein Ersatzhemd im Büro und ein griffbereiter Deoroller seien in diesen heißen Tagen hilfreich.

Dieser Aspekt ist laut dem Modeberater auch problematisch bei den vielen Sport- und Outdoor-Geweben, die im Sommer gern getragen werden. „Diese transportieren den Schweiß sehr zuverlässig nach außen – ja, und dann?“, fragt Wiegand. Der Träger habe dann zwar einen unverschwitzten Rücken, der Sitznachbar in der Tram aber eventuell ein Müffel-Problem. „Ein möglichst hoher Anteil an Naturfasern“ sei die bessere Option bei der Zusammenstellung der Sommergarderobe.

Mode im Sommer: Tipps für Frauen

Warum Frauen diese Aufgabe in der Regel besser bewältigen als Männer, erklärt der Stilexperte so: Frauen seien es gewöhnt, sich morgens länger, intensiv und kritisch im Spiegel anzuschauen als ihre Partner, die sich eher im Halbschlaf mechanisch rasieren würden. Etwas mehr Selbstbeobachtung legt Wiegand seinen Geschlechtsgenossen nahe.

Frauen haben es deutlich leichter als Männer, sich bei großer Hitze angemessen anzuziehen: „Ein schickes leichtes Kleid an und fertig“, bringt es Julia Melato von der Damenmodeboutique Stella an der Wilhelmsstraße auf den Punkt. Was die Modeberaterin in diesen heißen Tagen im Stadtbild beobachtet, lässt sie sich allerdings manchmal fragen: „Muss das sein?“

Was anziehen bei 30 Grad?

Bemerkenswert findet die 35-jährige, dass Shorts und Röcke häufig grenzwertig kurz getragen würden. „Auf keinen Fall sollten die Pobacken rausschauen“, sagt sie. Der Zeitgeist, übermäßig viel Haut zu zeigen, sei aber längst nicht nur bei jungen Frauen festzustellen.

Auch wer in den mittleren Jahrgängen und „etwas kräftiger gebaut“ ist, trage bei Sommertemperaturen häufig knapp und oft bauchfrei. „Das muss man schon mögen“, sagt die Modeberaterin diplomatisch: „Das kann man vielleicht mal im Schwimmbad oder im Urlaub machen. Ich selbst würde in der Stadt niemals bauchfrei gehen.“

Kleidung für große Hitze

Ein häufiges modisches No-Go in der sommerlichen Damengarderobe seien auch BH-Träger, die modisch unstimmig unter allerlei luftigen Tops und in tiefen Rückenausschnitten hervorblitzen. „Schön ist das nicht gerade“, sagt Julia Melato.

Kennt sich aus mit stilvoller Kleidung im Sommer: Stella-Mitarbeiterin Julia Melato.

Ihre grundsätzliche Empfehlung lautet, sich dem Alter entsprechend zu kleiden: „Im Prinzip kann man als Frau alles anziehen, es sollte allerdings zum Typ passen.“ Ist das auch eine Generationenfrage? Die Stella-Mitarbeiterin erzählt: Wenn sie Mutter und Tochter durch die Stadt bummeln sehe und beide hätten praktisch das gleiche Outfit an, dann komme sie schon etwas ins Grübeln.

Welcher Stoff bei Hitze?

Bei Stella stehen die Zeichen zwar schon auf Herbstkollektion, aber bei den Kundinnen sei die Hitze natürlich ein Thema, sagt Julia Melato. Wer allgemein Kühlung in Kleiderfragen suche, sollte etwa zu einem Seidentop greifen, rät sie. Oder zu Leinen, „das ist ebenfalls angenehm kühl“. Es gebe inzwischen auch gute Synthetikstoffe, die sich nicht so schwitzig anfühlen würden wie das manche Kundinnen befürchten würden. „Da sind die Materialien heute viel besser geworden“, sagt Julia Melato.

Lange Kleidung bei Hitze

Etwas lässigere, weitere Schnitte seien bei dieser Hitze angenehmer zu tragen. Allerdings rät sie ab von „extremen Leo- oder Streifenmustern“, weil einen solche Sommerteile „breiter machen, als man ist“.

In Blusen mit angeschnittenen Ärmeln mache man auch im sommerheißen Büro eine korrekte Figur, dazu könne es zum Beispiel ein Rock knapp über Knielänge sei. 

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