Toter unter Balkon gefunden

Leichenfund an Kölnischer Straße in Kassel: Mann war sehr krank

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Die Fundstelle wurde von einem Tatortreiniger gesäubert: Unter der Balkonanlage wurde am Freitag die Leiche eines 55-jährigen Mannes gefunden, der dort wohl mehrere Wochen lag.

Kassel. Ein 55-jähriger Mann wurde am Freitag an einem Mehrfamilienhaus in Kassel gefunden. Die genaue Identität und die Todesursache stehen noch nicht fest. Das soll eine Obduktion am Mittwoch klären. 

Der Artikel wurde zuletzt aktualisiert um 11.59 Uhr -  Wie die Polizei am heutigen Dienstag mitteilte, kann bereits am Mittwochnachmittag mit ersten Ergebnissen der Obduktion gerechnet werden. Bislang liegen der Polizei keine Hinweise auf ein Fremdverschulden vor.

Der 55-jährige Mann hatte wenig Besitz

Zwischen Rosenstöcken ist am Montag ein Mann in weißem Schutzanzug zu Gange. Er kniet unter der Balkonanlage, unter der die Leiche eines 55-jährigen Mannes gefunden wurde. Der Tatortreiniger sammelt die Habseligkeiten des Verstorbenen an der Kölnischen Straße in Kassel ein. Das Hab und Gut des Mannes passt am Ende in ein paar wenige Säcke.

Er habe den Mann zum letzten Mal am 2. Mai 2018 gesehen und sich mit ihm unterhalten, sagt Stefan Jünemann, Leiter der Kasseler Obdachlosen-Anlaufstelle Panama. Der 55-Jährige, dessen Leiche am Freitag unter einem Balkon eines Mehrfamilienhauses in der Kölnischen Straße entdeckt wurde, sei oft zu Panama gekommen, sagt Jünemann. Die Anlaufstelle für Obdachlose in der Kölnischen Straße liegt ganz in der Nähe des Ortes, wo der 55-Jährige jetzt gestorben ist.

Jünemann stellte am Montag ein Foto des Verstorbenen mit Trauerschleife im Aufenthaltsraum des Panama auf. Der Mann habe allen Besuchern bei Panama sehr am Herzen gelegen. „Er war ein liebevoller und charmanter Mensch. Ich habe ihn sehr gemocht“, sagt Jünemann.

Er leitet die Anlaufstelle für Obdachlose in Kassel: Stefan Jünemann ist der Chef im Panama. 

Eigentlich sei der 55-Jährige, der laut Jünemann sehr krank gewesen ist, kein Obdachloser gewesen. Der Mann habe eine Wohnung gehabt, sich dort wohl aber nur sporadisch aufgehalten. „Er war jemand, der gern an der frischen Luft war.“

Kürzlich waren Vater und Bruder des Mannes gestorben

Der Mann hatte auch einen Betreuer. Der berichtet gegenüber der HNA, dass er den 55-Jährigen zum letzten Mal vor sechs Wochen gesehen habe. „Wir haben uns immer nur zufällig auf der Straße getroffen“, sagt der Betreuer. Der 55-Jährige, der sehr zurückhaltend gewesen sei, habe zum letzten Mal Ende April Geld von seinem Konto abgehoben. Erst kürzlich seien auch der Vater und der Bruder des Mannes gestorben, berichtet der Betreuer. Dass innerhalb kurzer Zeit zwei Obdachlose in der Stadt und im Landkreis tot aufgefunden worden sind, bezeichnet Stefan Jünemann als Zufall. Es gebe keine Hinweise darauf, dass es mehr Obdachlose in der Stadt gebe.

Eingetütet und abtransportiert: Der Tatortreiniger steckte die Habseligkeiten des toten Mannes in Säcke.

Am 16. April war die Leiche eines Mannes in einer Gartenhütte in Niestetal gefunden worden. Wie sich später herausstellte, handelte es sich um einen wohnungslosen Mann, der vermutlich schon ein halbes Jahr tot gewesen ist. Dieser Mann sei kein Klient von Panama gewesen, sagt Jünemann.

Die meisten Wohnungslosen, die zu Panama kommen, bekämen Hartz IV und seien krankenversichert, sagt Jünmann. Die allerwenigsten hätten keine Krankenversicherung.

Diese Menschen könnten im Notfall auch die humanitäre Sprechstunde im Diakonissenkrankenhaus aufsuchen. Zudem bietet ein Allgemeinmediziner einmal in der Woche bei Panama eine Sprechstunde an.

Noch zwei Fälle von toten Obdachlosen ungeklärt

Während die beiden Obdachlosen, deren Leichen am 16. April 2018 und am vergangenen Freitag gefunden wurden, wohl eines natürlichen Todes gestorben sind, sucht die Polizei seit drei Jahren nach den Mördern einer wohnungslosen Frau und eines wohnungslosen Mannes aus Kassel. 

  • Im Mai 2015 war die Leiche der 58-jährigen Monika S. am Fuldaufer im Stadtteil Wesertor gefunden worden. Bis heute fehlt offenbar jede Spur vom Mörder.
  • Im November 2015 wurde der wohnungslose Peter J. (53) an der Elisabeth-Knipping-Schule in der Nordstadt getötet. Er starb durch massive Gewalteinwirkung. Die Spurenlage am Tatort deutete daraufhin, dass mindestens zwei Täter beteiligt waren. 

In beiden Fällen wurden Sonderkommissionen bei der Polizei gegründet, die vielen Hinweisen nachgingen. Die Täter wurden bis heute nicht gefasst. Sollte es neue Hinweise geben, würden die Ermittler ihre Arbeit wieder aufnehmen, so Polizeisprecher Torsten Werner.

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