Urteil in Prozess um Erpressung und Drogen

Überfall an Goethestraße in Kassel: Haft für beide Angeklagten

Kassel. Zu langen Haftstrafen wurden am Mittwoch vom Landgericht Kassel die Männer verurteilt, die im September 2014 in der Kasseler Goethestraße ein Spezialeinsatzkommando mit schwer bewaffneten Polizeikräften auf den Plan gerufen hatten:

Drei Jahre und drei Monate muss der 23-Jährige aus dem Werra-Meißner-Kreis hinter Gitter, der damals zwei junge Leute in einer Dachgeschosswohnung mit einem Revolver bedrohte.

Dass es nur eine täuschend echt aussehende Attrappe war, ahnten die Opfer nicht. Ein 21-jähriger Mann sprang deshalb vor Angst aus dem Fenster und flüchtete sich auf den Balkon einer Nachbarwohnung.

Dem Wortführer des angeklagten Duos kreidete die 5. Strafkammer deshalb schwere räuberische Erpressung in Tateinheit mit Nötigung an. Der seit seinem 13. Lebensjahr drogensüchtige 23-Jährige hatte von seinem Dealer Stoff besorgen wollen, obwohl er kein Geld hatte. Denn das hatte er bereits kurz zuvor am Friedrichsplatz für Wodka, Kokain und Heroin ausgegeben. Dennoch war der Mann nach Meinung von Staatsanwalt Dr. Philip Schwarz zum Tatzeitpunkt nicht vermindert schuldfähig.

Nichtsdestotrotz will das Gericht dem jungen Vater „die Chance einer Therapie“ im Anschluss an die Haft eröffnen. Schwarz hatte vier Jahre Freiheitsentzug gefordert, weil der Beschuldigte unter Bewährung stand und bereits drei Vorstrafen auf dem Kerbholz hat.

Ein Klacks im Vergleich zum Register seines 41-jährigen Komplizen. Der stand schon 22-mal vor dem Kadi, zumeist wegen Beschaffungskriminalität. Wenn die Kammer ihn jetzt auch nur der Beihilfe zur versuchten Erpressung für schuldig erkannte, so muss der Gehilfe dennoch wie vom Staatsanwalt gefordert für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Denn nur zwei Wochen nach den Ereignissen in der Goethestraße hatte das Amtsgericht Kassel ihn wegen eines Eigentumsdelikts bereits zu zwei Jahren, drei Monaten Haft verurteilt.

Mit seiner stämmigen Erscheinung habe der „grimmig dreinblickende“ ältere Täter die Drohungen des Haupttäters gegenüber dem Drogendealer untermauern sollen. Davon war das Gericht am letzten von vier Prozesstagen nach umfangreicher Beweisaufnahme überzeugt. Der Verteidiger dagegen hatte für den 41-Jährigen Komplizen, dem „kein einziger Tatbeitrag nachzuweisen“ sei, Freispruch gefordert. Sein Mandant sei „völlig Banane“ gewesen und hätte seinen „Rausch auskosten“ wollen, ja, sogar das Zimmer verlassen.

Durch das „Zeigen der Waffe“ , die sich später als Scheinwaffe herausstellte, habe der jüngere Täter den Druck auf das 21-jährige Opfer erhöhen wollen, den er aus Drogengeschäften kannte. „Ein ziemlicher Hänfterling, noch jung im Geschäft“, beschrieb Richter Stanoschek den Dealer. Dieser hatte „durch Vorhalten der Betäubungsmittel“ aus Sicht des Staatsanwalts „selbst einen Anreiz zur Tat“ gegeben. (and)

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