Einblicke in Anlage der ehemaligen Martini-Brauerei

Kassels größter Keller war ein Bierparadies: Historischer Raum wird neu entdeckt

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Hier lagen einst die großen Bierfässer: Die Betonhalterungen für die Fässer befinden sich noch im 4000 Quadratmeter großen Kellergewölbe. Tom Gudella von den Vikonauten erforscht die Anlage.

Unter der früheren Martini-Brauerei liegt Kassels größter Keller. Nun wird der historische Raum, in dem einst Bier gekühlt wurde, neu entdeckt. Filmer drehen sogar eine Doku über den Keller. 

Tief unter der Erde ist das Dröhnen der Maschinen zu hören: Während derzeit Bagger die frühere Martini-Brauerei an der Kölnischen Straße abreißen, schlummert unter den Trümmern der größte historische Keller der Stadt.

Aus statischen Gründen wird die 4000 Quadratmeter große Anlage teilweise für das geplante Wohnquartier verfüllt werden. Der Verein Vikonauten, der sich der Erforschung der Kasseler Unterwelt verschrieben hat, will nun eine Dokumentation dort drehen, um die Anlage filmisch in Gänze zu erhalten.

„Es handelt sich um ein einmaliges Kulturdenkmal. Vermutlich gibt es hier den größten Gärkeller mit offener Gärung in ganz Hessen“, sagt Bernd Tappenbeck von den Vikonauten. Im Gärkeller befinden sich 16 Bottiche, die jeweils 15 800 Liter Bier fassten.

So sieht es im größten Keller Kassels unter der Martini-Brauerei aus

Martini, Keller, VikonautenFoto: Ludwig
 © Ludwig
Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Martini Brauerei, Kelleranlagen, ab 1860er-Jahre entstanden, größte Gärkeller in HessenFoto: Ludwig
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Das Kellergewölbe, das zunächst nur zum Kühlen des Bieres genutzt wurde, war Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt worden. 1859 hatte der Bierbrauer Adolf Kropf an der Mittelgasse seinen Hausausschank eröffnet, der als „Bayerische Bierhalle“ zum Treffpunkt in der Altstadt werden sollte. Zur Lagerung legte er relativ bald einen Keller an der Kölnischen Straße an.

Der Standort eignete sich gut, weil der sogenannte Kratzenberg, der sich dort erstreckt, aus Muschelkalk besteht. So war es möglich, Stollen in den Berg zu treiben. Wo genau der älteste Teil des Kellers liegt, versuchen die Vikonauten herauszufinden.

Erst 1895 wurde oberhalb des Kellers die Martini-Brauerei von Adolf Kropf gebaut. Über die Jahrzehnte wuchs die unterirdische Stadt stetig. In der Endstufe erstreckte sie sich auf drei Ebenen. Ein aktueller 3D-Scan zeigt, wie verästelt das Bauwerk ist. Am beeindruckendsten sind die drei sogenannten Eisdome. In diesen 13 Meter hohen Gewölben lagerte das Bier.

„Die oberste Ebene der Anlage muss vermutlich für die Neubauten verfüllt werden“, sagt Tappenbeck. Verschwinden könnte auch die Stube des Gärführers, der den Produktionsablauf überwachte. Dabei erzählt dieser Raum viele Geschichten. Der Unter-Tage-Arbeitsplatz ist gespickt mit Urlaubspostkarten aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren.

Die Neugier der Vikonauten gilt aber vor allem der weiteren Erforschung der unterirdischen Stadt. So vermuten sie verschüttete oder verschlossene Gänge, die einst vom Kratzenberg zum Hauptbahnhof führten. Über diese könnten die Bierfässer zum Bahnabtransport gelangt sein.

Die Teile des Kellers, die nach der Wohnbebauung erhalten bleiben, sollen für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Die Vikonauten sollen die unterirdische Anlage verwalten und wollen dort Veranstaltungen organisieren. Zunächst muss aber geklärt werden, was nach der Bebauung noch möglich ist. Bis 2022 soll das Martini-Quartier mit 180 Wohnungen sowie Läden und Büros fertig sein.

Crowdfunding für Filmprojekt

Für den Dokumentarfilm über den Martini-Keller, für den auch Zeitzeugeninterviews geführt wurden, benötigen die Vikonauten 5500 Euro. Diese sollen über Crowdfunding eingesammelt werden. Als Dankeschön bieten die Vikonauten dem Spendern Führungen in anderen Kasseler Gewölben an und natürlich auch den fertigen Film. Infos und den Trailer zum Film gibt es hier

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