So lauten die Vorschläge der Bürger: Von Bertolt Brecht bis Lilli Jahn

Vorderer Westen: Wie sollen Plätze heißen?

Bertold Brecht

Vorderer Westen. Die Namen für zwei neue Plätze im Vorderen Westen sorgten während der Sitzung des Ortsbeirats für Diskussionen. Die Plätze entstehen im Zuge des Umbaus der Goethe- und Germaniastraße vor der Gaststätte Chacal, Ecke Olgastraße, sowie an der Adventskirche.

In die Namensgebung bezieht der Ortsbeirat, der laut Satzung für die Benennung von Plätzen und Straßen zuständig ist, die Bürger im Stadtteil ein. So gibt es für den Bereich an der Adventskirche bereits mehrere Vorschläge, für die sich Initiativen und Einzelpersonen stark machen, darunter Bertolt-Brecht-Platz, Lilli-Jahn-Platz, Kurt-Finkenstein-Platz, Taizéplatz.

Über 200 Unterschriften hat eine Anwohner-Initiative, darunter die Betreiber des Cafés Buch-Oase und Schauspieler Carlo Ghirardelli, bisher für ihren Favoriten gesammelt: Bertolt-Brecht-Platz sei der geeignetste Name für die kleine Freifläche an der Germaniastraße, sind sich die Brecht-Befürworter einig. „Brecht passt in dieses Quartier, wo so viele kulturell interessierte und zugleich politisch engagierte Menschen leben“, argumentierte Ghirardelli.

Der ehemalige Geschichtslehrer Wolfgang Matthäus schlägt vor, den Platz nach Lilli Jahn zu benennen. Die 1944 in Auschwitz ermordete Ärztin jüdischen Glaubens hatte vor ihrer Deportation eine Zeitlang an der Motzstraße gelebt.

Unterstützt wird dieser Vorschlag unter anderem vom Verein Kassel West, dem Archiv der deutschen Frauenbewegung Kassel, den evangelischen Kirchengemeinden Wehlheiden und Kreuzkirche sowie dem Verein Stolpersteine in Kassel. Im Vorderen Westen gebe es keine Straße, die den vollen Namen einer Frau trage, sagte Matthäus. Zudem könnte Lilli Jahn als Namensgeberin stellvertretend für die jüdischen Opfer des Naziregimes im Vorderen Westen stehen.

Kurt Finkenstein

Das ist auch die Argumentation von Horst Kuhley und Elisabeth Gessner vom Forum Lesen, die Kurt Finkenstein als Namensgeber für den neuen Platz vorstellten. Der gebürtige Elsässer Jude Kurt Finkenstein lebte lange Jahre im Vorderen Westen, wo er einen Literarischen Salon führte. Er wurde 1944 in Auschwitz ermordet. „Er war im Vorderen Westen eine kulturelle Instanz, daran möchten wir erinnern“, sagte Gessner. Allerdings müsse es nicht zwingend der Platz an der Adventskirche sein, man wolle nicht in Konkurrenz zu anderen Namensvorschlägen stehen.

„Wir haben uns schon nach anderen Plätzen im Stadtteil umgeschaut, die unbenannt sind“, sagte Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne). So werde es auch nahe der Motzstraße im Zuge des Ausbaus der „Grünen Banane“ einen neuen Platz geben, der eventuell den Namen Lilli Jahn bekommen könnte. Zum Aufstellen einer Erinnerungstafel an Kurt Finkenstein eigne sich die Freifläche neben dem Café Lange, regte zudem Horst Kuhley einen weiteren Kompromiss an. In dem Haus, das dort einst stand, hatte Finkenstein gewohnt.

Der von Diakon Stefan Wick eingebrachte Vorschlag, den Platz nach der ökumenischen Taizé-Gemeinschaft zu benennen, wurde während der Ortsbeiratssitzung nicht diskutiert. Archivfotos:  SWR/Gedenkstätte Breitenau/nh

Von Monika Puchta

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