Stadtteilpolitiker sorgen sich um Erscheinungsbild

Aus Vorgarten wurden Parkplätze -Veränderung des Vorderen Westens befürchtet

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Aus Vorgarten wurden Parkplätze

Vorderer Westen. Und plötzlich war der Vorgarten weg. Stattdessen parken vor dem Haus Querallee 36 Autos. Hauseigentümer Gabriel Duru hat auf seinem Grundstück zwei Stellplätze geschaffen.

Das ist laut Stadtverwaltung sein gutes Recht. Negativ aufgefallen ist diese Veränderung im Stadtbild hingegen Ortsbeiratsmitglied Wolfgang Albus (SPD). Deshalb hatte er das Thema „Veränderung des historischen Stadtteils“ während der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlaments vorgebracht.

Der Vordere Westen gilt bekanntermaßen als architektonisches Gesamtensemble und Gründerzeit-Perle unter den 23 Kasseler Stadtteilen. Mit seinen 277 Kulturdenkmälern hat der Vordere Westen zudem eine für Kassel einmalige Dichte kultureller Zeugnisse. „Der überwiegende Bereich des Stadtteils mit seinen Straßen, Plätzen und dem Stadtbild ist als Gesamtanlage als Kulturdenkmal eingestuft“, ist im Wikipedia-Eintrag im Internet zu lesen.

Auf die Frage an die Stadtverwaltung, wieso inmitten dieses historischen Gesamtensembles Stellplätze genehmigt werden, wird erklärt, dass Auto-Stellplätze bis 50 Quadratmeter Grundfläche, einschließlich Zufahrten mit nicht mehr als 200 Quadratmetern Grundfläche, genehmigungsfrei seien. Allerdings müssten „bau- und planungsrechtliche Regelungen, wie Bebauungspläne, Stellplatzsatzung und der Denkmalschutz“ beachtet werden. Im genannten Fall handele es sich um eine denkmalgeschützte Gesamtanlage, sodass der Ensembleschutz gelte.

Aber: „Die denkmalschutzrechtlichen Belange sind sachgerecht gewürdigt worden“, erklärt Stadtsprecherin Petra Bohnenkamp. Sie fügt hinzu: „Im Ergebnis wird die Fläche durch die Stellplätze optisch sehr aufgewertet. Es handelt sich um eine hochwertige Gestaltung mit Natursteinpflaster sowie Sandsteinplatten und einer Heckenumfassung.“ Auch gebe es im Umfeld entsprechende Fälle. Grundsätzlich gelte, dass die Vorgärten als städtebaulich prägendes Element erhalten werden sollen. „Daher bedarf es der Einzelfallentscheidung“, so Bohnenkamp. Die Genehmigung einer Umwandlung sei „nicht die Regel“.

Albus ist verärgert: „Mich stört, dass hier massiv in die Aschrott’sche Planung des Stadtteils eingegriffen wird.“ Er befürchtet: „Da wird ein Präzedenzfall geschaffen.“ Umso mehr, als ja keine zusätzlichen Parkplätze entstehen, sondern lediglich Privilegien. „Man muss jetzt aufpassen, sonst macht das schleichend Schule.“ Während ihrer nächsten Sitzung werden sich die Mitglieder des Ortsbeirats weiter mit dem Thema auseinandersetzen. Ortsvorsteher Steffen Müller (Grüne) sagt: „Die Umwandlung eines Vorgartens in einen Stellplatz ist ein Eingriff in das Erscheinungsbild des Stadtteils.“

Von Christina Hein

Das sagt der Eigentümer

Ich habe das Haus mit viel Engagement und Geld renoviert und eng mit dem Denkmalschutz zusammengearbeitet“, sagt Gabriel Duru. „Für die Anlage des Stellplatzes habe ich eine Erlaubnis. Vorher befand sich an der Stelle kein schöner Garten, sondern Beton. Ich lege bei allem Wert auf Ästhetik und Design.“

Das sagt der Kunsthistoriker

Würde es Schule machen, dass Vorgärten in Stellplätze verwandelt werden, kann es passieren, dass diese Eingriffe das gesamte Erscheinungsbild des Stadtteils ruinieren“, ist sich der im Vorderen Westen lebende Kunsthistoriker Gerd Fenner sicher: „Diese schleichende Veränderung wäre sträflich.“

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