Welt-Down-Syndrom-Tag in Kassel: „Der Austausch tut gut“

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Down-Syndrom-Tag: Zwei der ältesten mit zwei der jüngsten Gäste beim Treffen im Gemeindezentrum. Auf unserem Foto halten die 19-Jährigen Vivien (links) und Anna aus Kassel die Babys anderer Frauen, Philipp und Lena (fünf und zehn Wochen).

Kassel. „Because I'm happy" - schon im Treppenhaus war der Erfolgssong von Pharell Williams zu hören. Im Saal des Gemeindezentrums Friedenskirche im Vorderen Westen wurde dazu getanzt, was das Zeug hielt: Alt, Jung, Groß, Klein hüpften, klatschten, sangen mit.

Die ausgelassene Stimmung war mitreißend. Zum Welt-Down-Syndrom-Tag am Samstag trafen sich an der Elfbuchenstraße Familien mit Kindern, die mit dem Gen-Defekt Trisomie 21 auf die Welt gekommen sind: um das Leben zu feiern, zu tanzen, zu spielen, sich schminken zu lassen, aber auch, um sich auszutauschen und gegenseitig kennenzulernen. Mehr als 150 Menschen waren zum Teil aus einem großen Umkreis angereist. „Mit dieser Resonanz hatten wir gar nicht gerechnet, es ist toll“, sagte Sonja Müller-Ross, eine der Organisatorinnen.

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Auch Aylin aus Uslar war dabei. Zuerst war die Siebenjährige mit dem wippenden Pferdeschwanz ein wenig schüchtern, dann taute sie immer mehr auf, ging auf die vielen Kinder zu und klinkte sich in Spielsituationen ein. „Solche Treffen mit Familien sind wirklich hilfreich, der Austausch tut gut“, sagte Aylins Mama Melanie Ütebay: „Man hat am Anfang mit einem Baby so viele Fragen. Eltern, die selber ein Kind mit Down-Syndrom haben, können einem viel besser Antworten geben als andere.“ Papa Hasan Ütebay nickte, bevor er sich wieder seinem Töchterchen und dem Ballspielen widmete.

Wir sind stark: Laura und Felix nahmen an einem Tanzworkshop von Salva Plantera (von links) teil.

Helga und Sven Grompe waren aus Thüringen angereist. „Wir stehen in engem Kontakt mit dem Down-Syndrom-Arbeitskreis Kassel“, sagte Helga Grompe. Deshalb trafen sie jetzt auch einige Bekannte. Ihr Sohn Felix (10) ließ sich unterdessen nichts von den vielen Angeboten für Kinder entgehen: Beim Schminken war er mit ebenso viel Begeisterung dabei wie beim Tanzworkshop. „Felix ist ein sehr lebensfrohes Kind“, sagte seine Mutter, und das war nicht zu übersehen.

Schon früh haben Felix und seine Eltern die Gebärdensprache Makaton erlernt. So habe man in der Familie noch bevor Felix sprechen konnte, gut miteinander kommunizieren können. „Das hat sich positiv auf die Entwicklung seines Gehirns ausgewirkt“, ist Helga Grompe überzeugt. Möglicherweise auch auf sein Selbstbewusstsein. „Jetzt gibt es Kaffee und Kuchen“, hatte Felix ohne Scheu vor allen Anwesenden den Start zum gemütlichen Teil des Treffens gegeben. Er, seine Eltern und sicher viele andere freuen sich schon auf das nächste Mal.

Infos: www.downsyndrom-kassel.de

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