Ehrlicher Finder unternimmt neuen Anlauf

Vor Jahren verloren: Wer vermisst Ediths Ehering?

Finder Kai Haberzettl zeigt vor dem Restaurant Da Vinci an derHerkulesstraße den goldenen Ehering, der er dort 2010 gefunden hat.
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Hier wurde der Ring gefunden: Kai Haberzettl hatte das Schmuckstück vor Jahren vor dem Restaurant Da Vinci an der Herkulesstraße gefunden und zum Fundbüro gebracht. Später erhielt er ihn als Finder zurück.

Wer hat am 25. Januar 1964 eine Edith geheiratet und vermisst seinen Ehering. In Kassel wurde der goldene Ring vor zehn Jahren gefunden. Nun unternimmt der ehrliche Finder einen neuen Anlauf, den Ring an den wahren (Ehe)Mann zu bringen.

Kassel – Kai Haberzettl hat zwei Eheringe. Einen am Finger und einen in der Schreibtischschublade. Denn vor Jahren hat der Kasseler, der seit 2006 verheiratet ist, an der Herkulesstraße im Vorderen Westen einen goldenen Trauring gefunden. Im Februar 2010 muss das gewesen sein, rekonstruiert Haberzettl, weil er damals während seiner Elternzeit mit dem Kinderwagen unterwegs war.

Auf dem Bürgersteig vor dem Restaurant Da Vinci fiel ihm der dort liegende Ring ins Auge, erinnert er sich. „Edith 25.1.64“ war in das Schmuckstück eingraviert. Als ehrlicher Finder brachte Haberzettl, von Beruf Richter, den Ring am nächsten Tag ins Fundbüro. Weil nach Ablauf der Aufbewahrungsfrist niemand den Ring abgeholt hatte, erhielt er ihn sechs Monate später zurück.

Trotzdem holt er seinen zweiten Ehering noch regelmäßig aus der Schublade. Der 44-jährige Jurist unterrichtet nämlich an der Hochschule für Finanzen und Rechtspflege in Rotenburg das Fach Zivilrecht. In seiner Vorlesung holt er zur Frage, wie man Eigentum an Dingen erwerben kann, immer den Ring hervor, um das Thema Eigentumserwerb des Finders (nach Paragraf 973 BGB) anschaulich zu machen. „Und natürlich frage ich auch jedes Mal, ob jemand Edith kennt“, sagt Haberzettl. Bisher ohne Erfolg.

Als er die Geschichte mit seinem besonderen Fundstück neulich einer Bekannten erzählte, ermunterter sie ihn, doch über die HNA einen erneuten Vermittlungsversuch zu starten. Erst kürzlich hatte unsere Zeitung über einen im Klinikum verlorenen Ehering berichtet. Im Handumdrehen meldete sich daraufhin die Eigentümerin und erhielt ihr lange vermisstes Trauandenken zurück.

Natürlich habe er sich oft gefragt, welche Geschichte hinter dem verlorenen Ehering steckt, sagt Haberzettl. Er habe sich schon verschiedene Versionen ausgemalt, sagt er und lächelt verschmitzt.

Den Ring müsse ja der Mann jener Edith verloren haben. Ob das Ehepaar noch lebt und den Ring vielleicht lange schmerzlich vermisst hat? „Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn ich Edith und ihrem Mann oder vielleicht ihren Angehörigen den Ring zurückgeben könnte“, sagt der Finder. Zumal laut Gravur der Hochzeitstag des 1964 getrauten Paares in zehn Tagen, am 25. Januar, bevorsteht.

Allerdings würde er den Ring auch ein wenig vermissen in seiner Vorlesung, gibt Haberzettl zu. Aber dafür hätte er ja dann seinen Studenten künftig eine noch bessere Geschichte zu erzählen. Von Katja Rudolph

Von Katja Rudolph

Das ist der Ehering, der 2010 an der Herkulesstraße gefunden wurde: Die Gravur lautet „Edith 25.1.64“

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