Unklar, wie es weitergeht

Keime im Trinkwasser: Alles, was Sie dazu wissen sollten

Keim sichtbar: Dr. Gudrun Stieglitz, Laborleiterin der Städtischen Werken, mit einer Probe, die einen Keim anzeigt. Archivfoto: Ludwig

Kassel. Weil Keime in Teilen des Trinkwassernetzes festgestellt worden sind, gilt für mehrere Stadtteile im Kasseler Westen ein Abkochgebot. Wir beantworten einige Fragen zum Thema.

In welchen Stadtteilen sollte man Wasser abkochen?

Betroffen sind Bad Wilhelmshöhe, Brasselsberg, Mitte, Nordshausen, Niederzwehren, Oberzwehren, Süsterfeld-Helleböhn und Wehlheiden. Diese Gebiete wurden vom Hochbehälter Bergstraße versorgt,in dem ein E.-coli-Keim festgestellt wurde.

Wie gefährlich ist der E.-coli-Keim noch?

Eine akute Gesundheitsgefahr besteht laut Netz + Service GmbH (NSG), Tochter der Städtischen Werke, nicht. Zum Schutz vor Durchfallerkrankungen empfiehlt das Gesundheitsamt aber vorsorglich Wasser abzukochen, das zum Trinken und Zubereiten von Lebensmitteln verwendet wird. Gleiches gilt für Wasser zum Zähneputzen und zur Bereitung von Eiswürfeln. Für den Betrieb von Geschirrspülern bei über 60 Grad, Waschmaschinen mit über 40 Grad Celsius, Körper- und Händehygienepflege sowie Toiletten könne man das Wasser bedenkenlos verwenden.

Hat es durch die Keime Krankheitsfälle gegeben?

„Dem Gesundheitsamt ist keine Erkrankung bekannt geworden, die im Zusammenhang mit der Keimbelastung des Trinkwassers steht“, teilte die Stadt auf Anfrage mit.

Wie viele Proben sind seit Bekanntwerden der Verunreinigung genommen worden?

Die NSG nimmt nach eigenen Angaben „täglich mehrere Proben in den einzelnen Versorgungszonen des Wassernetzes“ und den Wasserhochbehälter. Seit Montag seien E.-coli-Keime nicht mehr nachgewiesen. Vereinzelt gebe es noch die harmloseren coliformen Keime.

Wann ist damit zu rechnen, dass das Abkochgebot aufgehoben wird?

!Das ist nicht absehbar. Auf Anweisung des Gesundheitsamtes wird das Netz seit Mittwoch gechlort. Sobald die NSG nachweisen kann, dass die Chlorung überall, wo es nötig ist, in der erlaubten und erforderlichen Konzentration ankommt, müssen mikrobiologische Proben entnommen werden. Fallen diese negativ aus, weil keine Keime mehr im Wasser sind, hat die chemische Desinfektion gegriffen. Erst dann bräuchte das Wasser nicht mehr abgekocht werden. Läuft alles glatt, könnte es Mitte kommender Woche soweit sein.

Sollte Wasser für Tiere wie Hunde abgekocht werden?

!Unbedingt notwendig ist es nicht, da Hunde ja zum Beispiel Wasser aus Pfützen trinken, die in der Regel auch Keime enthalten. Aber auch Tiere können an E.-coli-Durchfall erkranken, sagt die Kasseler Tierärztin Dr. Anna Katharina Zirkel. Wer beunruhigt ist, sollte Wasser für seine Tiere im Zweifel ebenfalls abkochen, empfiehlt sie.

Was sollten Besitzer von Aquarien wegen der Chlorung beachten?

!Grundsätzlich sollten bei Wasserwechsel eh im Zoohandel erhältliche Wasseraufbereitungsmittel benutzt werden, sagt Dr. Zirkel. Durch den Einsatz von Chlor können wichtige Filterbakterien kaputt gehen. Passiert das, steigt der Nitratgehalt im Aquarium und das Wasser kann umkippen. Für Tiere kann das den Tod bedeuten. Dr. Zirkel weist darauf hin, dass sich Medikamente und Wasseraufbereitungsmittel nicht vertragen.

Ist Chlor jetzt beim Duschen oder Händewaschen wie im Schwimmbad zu riechen?

!Nein, sagen die Städtischen Werke. In Schwimmbädern wird laut Vorschrift 0,3 bis 0,6 Milligramm Chlor pro Liter Wasser zugesetzt. Das Trinkwasser-Netz wird derzeit mit einer Menge von 0,25 Milligramm pro Liter gechlort. Der typische Hallenbadgeruch stammt von Chloraminen, die aus Reaktionen des Chlors mit Ammoniak- und Ammoniumverbindungen herrühren. Diese Stoffe sind in der Regel menschlichen Ursprungs, zum Beispiel durch Schweiß.

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