Neue Geschäftsaussichten mildern manchen Baustellen-Ärger

Vorfreude auf den Boulevard Friedrich-Ebert-Straße

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Draußen sitzen bald mit Boulevard-Flair: Jens Rudolph, Adrian Skalski und Marius Hahn (sitzend, von links) in der Pizzeria „Da Toni“ im Gespräch mit Gastronom Mustafa Özavci, der die Vollsperrungsphase zur Erweiterung seines Lokals nutzen will.

Kassel. Für Anlieger und Passanten auf der Friedrich-Ebert-Straße beginnt am 17. Juli die härteste Etappe der dreijährigen Bauarbeiten.

Dann wird der Bereich zwischen Ständeplatz und Goethestraße für sieben Wochen voll gesperrt.

Für Geschäftsleute und Gastronomen zeichnet sich ein Ende der langen Durststrecke ab: Manche haben mitten in der schwierigen Straßenbauzeit die Neuansiedlung am künftigen Boulevard gewagt. Andere wollen die verkehrsfreie Zeit des Bau-Finales nutzen, um Arbeiten in ihren eigenen Räumen vorzunehmen. Zum Beispiel;

Der Pizza-Gastronom

Wenn alles fertig ist, rechnet Mustafa Özavci mit deutlich mehr Gästen in seiner Pizzeria „Da Toni“. Während der Vollsperrungszeit vom 17. Juli bis 6. September will er sein Lokal schließen, um es umzubauen und um ein Drittel nach hinten hinaus zu vergrößern.

Mit seinen Umsätzen sei er inzwischen wieder zufrieden, sagt Özavci: Es laufe deutlich besser als im Vorjahr - da war die Meile auf der Straßenseite des „Da Toni“ gesperrt gewesen. Für kommende Zeiten ist der Gastronom optimistisch: „Wir haben genug unter der Baustelle gelitten, aber wir haben nie resigniert.“

Der Kaffeeröster 

Stefan Seegert

Stefan Seegert will seine Kaffeebar und -rösterei neben dem „Hot Legs“ ab dem 17. Juli zumindest für die ersten beiden Wochen geschlossen lassen, wenn die richtig lauten, staubigen Straßenarbeiten erledigt werden: „Dann kommt hier sowieso keiner, da werden wir ein wenig renovieren.“

Seegert hatte seinen Laden mit Freiluft-Tischen an der Meile im November 2013 aufgemacht, ein halbes Jahr nach Auftakt des Großbauprojekts und zu Winterbeginn. „Das war ein ziemlich hohes Risiko“, ist sich der Gründer klar.

Das erste Jahr 2014 hindurch hatte Seegert für seine Geschäftszahlen noch keine Vergleichswerte, inzwischen laufe es trotz Baustelle „wider Erwarten sehr positiv“, sagt der Kaffeeröster. Er glaube, dass der neue Boulevard „sehr gut angenommen wird“.

Der Wohn-Einrichter 

Markus Zenker glaubt ebenfalls, einen vielversprechenden Standort gefunden zu haben. Vor drei Wochen erst hat der 32-Jährige sein Geschäft „Stey Interior“ für skandinavische Möbel und Wohnaccessoires an der Einmündung Annastraße eröffnet. Der Laden war bisher in Marburg, Zenker wollte nicht mehr jeden Tag aus dem Kasseler Umkreis dorthin pendeln und hat lange nach neuen Räumen gesucht.

Die Baustelle? „Das muss man halt in Kauf nehmen“, sagt der gelernte Raumausstatter, der einen Online-Shop als weiteres Standbein betreibt: Wenn die Lage stimme, dann kämen langfristig auch ausreichend Kunden ins Ladengeschäft. Der Zuspruch zum Start mache Hoffnungen: „Ich bin auf jeden Fall zufrieden“, sagt Zenker.

Die Friseurinnen 

Auch im Friseursalon „Gradlinig Cassel“ sei es „vom ersten Tag an“ gelaufen, berichten Julia Gebhardt und Stephanie Caspar. Die beiden früheren Kolleginnen haben sich vor zehn Monaten an der Meile selbstständig gemacht, obwohl die Straßenseite vor ihrem Salon bereits Baustelle war. Die innenstadtnahe Lage sei entscheidend gewesen, sagt Stephanie Caspar, „und wir werden dann ja auch ein Teil des neuen, schönen Boulevards“.

Hilfe für Senioren mit Baustellen-Taxi

Das Stadtbüro an der Friedrich-Ebert-Straße 32-34 organisiert während der Vollsperrungszeit Hilfe für Passanten, die nicht gut zu Fuß sind. 25 ehrenamtliche Helfer haben sich für diesen Dienst gemeldet, sagt Simone Mäckler vom Stadtbüro. Sie begleiten Senioren und mobilitätsbehinderte Menschen zu deren Zielen auf der Meile und befördern sie gegebenenfalls mit einem Golf-Elektromobil, das die Organisatoren bei einer Firma geliehen haben.

Für Anfragen und Hilfsangebote ist das Stadtbüro geöffnet montags und donnerstags von 9 bis 13, dienstags und mittwochs 15 bis 19 Uhr. 

Kontakt: Tel. 0561/ 60 28 56, E-Mail: stadtbuero@friedrich -ebert-strasse.net

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