Weitere Runde in der VW-Automatenaffäre

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Aufladen statt abbuchen: Zwölf Mitarbeitern von VW wurde gekündigt, weil sie sich an einem Zigarettenautomaten unrechtmäßig bereichert haben sollen.

Frankfurt. Im Kündigungsprozess von vier VW-Beschäftigten im Rahmen der „Automatenaffäre“ ist vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) in Frankfurt am Mittwoch noch keine Entscheidung gefällt worden.

VW setzt sich dort gegen das erstinstanzliche Urteil zur Wehr, das die Kündigungen der vier wegen Ungleichbehandlung für unwirksam erklärt hatte. Im VW-Werk hatten insgesamt über 200 Beschäftigte ihre Mitarbeiterausweise an defekten Zigarettenautomaten mit Geld aufgeladen. Gekündigt wurden aber nur zwölf Beschäftigte, fünf der Kündigungen haben nach einer anderen Entscheidung des LAG Bestand.

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„Wie soll ich das jetzt beschreiben, ohne schon zu werten?“ Die Vorsitzende Richterin am Landesarbeitsgericht in Frankfurt, Astrid Paki, zögert bei der Erklärung der „VW-Automatenaffäre“, sie will zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch niemanden vorverurteilen.

Fakt ist: Die vier Mitarbeiter, um die es an diesem Mittwoch geht, zwei jüngere Frauen und zwei Männer, haben ihre Mitarbeiterausweise an einem defekten Zigarettenautomaten im Baunataler VW-Werk mehrfach mit Geld aufgeladen - wie über 200 weitere Beschäftigte auch. Aber nur zwölf Mitarbeiter, darunter die vier, erhielten dafür die Kündigung.

Fünf der Kündigungen hat das Landesarbeitsgericht bereits rechtskräftig bestätigt, dabei ging es Summen von 1000 Euro und mehr. Bei den vier am Mittwoch geht es um 146 bis 196 Euro und sie haben in erster Instanz in Kassel erfolgreich gegen ihre Kündigung geklagt. Dagegen wiederum ist VW vorgegangen.

Rolf-Christian Otto, der Anwalt der Beschäftigten, beteuert, dass sie das Geld nicht vorsätzlich aufgeladen hätten. Sie hätten sogar, wenn auch mit zweiwöchiger Verspätung, gemeldet, dass der Automat defekt sei. Immer dann nämlich, wenn ein Schacht im Automaten leer war, buchte er nicht nur die zuvor abgezogenen fünf Euro für die Packung zurück, sondern den dreifachen Betrag.

Aber das ist nicht alles, was Otto vorbringt. Die Kündigungen seien auch deshalb unzulässig, weil VW die über 200 Mitarbeiter, die Geld aufgeladen hätten, ungleich behandele. Die meisten seien mit einer Abmahnung davongekommen.

Auswahlkriterien

Auch der Richterin fällt auf, dass VW nicht so recht schlüssig begründet, wie denn nun jene zwölf ausgewählt worden seien, die man gekündigt habe. Der Anwalt von VW meint, bei manchen zeigen die Zahl der Aufbuchungen eben, dass ein Versehen nicht möglich sei. Auch die Richterin sinniert über den „kollektiven Rausch“ bei der seltsamen Geldvermehrung im Baunataler Werk: „Ich weiß doch, was ich auf der Karte habe und was ich brauche. Da merke ich doch, wenn ich plötzlich gar nicht mehr aufladen muss.“

Einer der Frauen platzt der Kragen: „Das ist doch ungerecht!“ Einige der Gekündigten seien erst eingeschüchtert und dann wieder eingestellt worden, beklagt sie sich. Ansonsten hätte manche Abteilung gar nicht mehr arbeiten können. „Für VW“, schimpft sie später, „geht es um nix, für uns geht es um alles!“

Ganz so einfach ist es wohl nicht, das Gericht jedenfalls beraumt am Ende einen weiteren Termin an. Auch die erstaunlich zahlreichen Zuschauer fachsimpeln über den Fall. Es handelt sich um ein Betriebsräte-Seminar. Einig sind sie sich in der Forderung nach Gleichbehandlung: „So geht es jedenfalls nicht.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

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