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Sollte sich Kassel eine Partnerstadt in der Ukraine suchen?

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Von: Andreas Hermann

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Bewegt auch die Menschen in Kassel: der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Unser
Bewegt auch die Menschen in Kassel: der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Unser Foto zeigt eine Aktion der Grundschule Wolfsanger, bei der fast 15 000 Euro für Kinder in der Ukraine gesammelt wurden. © zeigt eine Aktion der Grundschule Wolfsanger, bei der fast 15 000 Euro für Kinder in der Ukraine gesammelt wurden. archivFoto: privat/nh

OB-Kandidat Schoeller (Grüne) schlägt Städtebündnis vor, für OB Geselle (SPD) steht aktuell konkrete Hilfe im Vordergrund

Kassel – Für eine Partnerschaft Kassels mit einer Stadt in der Ukraine spricht sich Grünen-Oberbürgermeisterkandidat Sven Schoeller aus. Kassel solle dem Aufruf von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier folgen und sich darum bemühen, meinte Schoeller. Auf Anfrage erklärte Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD), für die Stadt Kassel stehe derzeit praktische und zielgerichtete Hilfe für die Leidtragenden des Krieges im Vordergrund.

Steinmeier habe kürzlich bei seinem Ukraine-Besuch die besondere Rolle der Städte und Gemeinden beim Erhalt und Wiederaufbau der kritischen Infrastruktur gewürdigt und zugleich an sie appelliert, diese Hilfe auszubauen, betonte Schoeller. „Der Bundespräsident hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass es umso besser gelingen wird, den Winter durchzustehen, je mehr Partnerschaften es werden.“ Kassel müsse sich um eine stärkere und vielfältigere Vernetzung bemühen. „Der Ausbau des Partnerschaftnetzwerks der Stadt Kassel ist in den vergangenen Jahren zum Erliegen gekommen“, sagte Schoeller. Kassel solle daher die durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützten Angebote zur Aufnahme deutsch-ukrainischer Kommunalbeziehungen nutzen, um eine passende Partnerstadt zu finden.

OB Geselle, der bei der Wahl 2023 gegen Schoeller antritt, ist da zurückhaltender: „Eine kommunale Kooperation, um Vorhaben vor Ort in der Ukraine wie beispielsweise den Wiederaufbau eines Krankenhauses, einer Schule oder eines Kindergartens gezielt zu unterstützen, finde ich sehr begrüßenswert. Über eine organisierte Städtepartnerschaft sollte man beraten, wenn es die politische Situation in der Ukraine wieder zulässt. Auch vor dem Hintergrund unserer derzeit auf Eis gelegten russischen Partnerschaften mit Jaroslawl und Nowy Urengoy.“ Zur Hilfe aus Kassel für die Ukraine gehörten etwa die Aufnahme und Versorgung Geflüchteter und die Unterstützung heimischer Hilfsorganisationen, die humanitäre Nothilfe wie Medikamente und medizinisches Material für die Krankenhäuser koordinierten.

Die Stadt Kassel weist zudem auf Voraussetzungen hin, die zur Neugründung von gut funktionierenden Städtepartnerschaften erfüllt sein müssten. Dazu zählten etwa ein Stadtverordnetenbeschluss, die Identifizierung einer geeigneten Partnerstadt (Einwohnerzahl, Struktur, Anknüpfungspunkte in der Geschichte, persönliche Verbindungen) sowie die Klärung der Ziele und des Charakters der angestrebten Partnerschaft (inhaltliche Ziele, Bürgerbegegnung und/oder Verwaltungszusammenarbeit). Zu klären sei die gegenseitige Erwartungshaltung. Geprüft werden müsse das Zusammenspiel mit bestehenden Partnerschaften und die Auswirkungen darauf. Letztlich müssten auch die dafür nötigen Finanzmittel im Haushalt bereitgestellt werden, teilte die Stadt mit.

Bislang ist Gudensberg (Schwalm-Eder-Kreis) in der Region die einzige Stadt, die bereits eine Partnerschaft zu einer Stadt in der Ukraine unterhält: seit 2016 zu Schtschyrez. Nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine sind zwei Städtepartnerschaften begründet worden: zwischen Düsseldorf und Czernowitz (März 2022) und zwischen Bergisch Gladbach und Butscha (Februar 2022).

In Düsseldorf gab es schon vor dem Krieg diverse Kontakte zur neuen Partnerstadt. Czernowitz (260 000 Einwohner) war vor dem Zweiten Weltkrieg eine Hochburg jüdischen Lebens und jüdischer Kultur. Viele Personen/Vorfahren der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf stammen von dort, erklärte die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt. Seit 2015 gibt es zivilgesellschaftliche Projekte mit Czernowitz. So wurde etwa von der Jüdischen Gemeinde das Projekt „Erinnerung lernen“ initiiert. Gymnasien pflegen eine Schulpartnerschaft. Regen Austausch gebe es auch mit dem Jüdischen Museum in Czernowitz. Die Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf und das Heine-Institut unterhalten Kontakte nach Czernowitz. Auch Delegationen der Stadtverwaltungen hätten sich bereits 2019 gegenseitig besucht, berichtete die Stadt.

Vergleichbare Kontakte zwischen Kassel zu einer Stadt in der Ukraine gibt es bislang nicht.

(Andreas Hermann)

Sven Schoeller Oberbürgermeister-Kandidat der Grünen
Sven Schoeller Oberbürgermeister-Kandidat der Grünen © Fischer, Andreas
Christian Geselle OB und unabhängiger OB- Kandidat
Christian Geselle OB und unabhängiger OB- Kandidat © Privat

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