Vorsicht beim Pilzesuchen

Junge Butterpilze, zwei sehr junge Steinpilze und eine ebenfalls noch junge Krause Glucke: Das ist Teil der Ausbeute von Jörn Hödtke nach einem Gang durch den Wald. Foto: Sasse

Kassel / Schauenburg. Die ersten Pilze stehen bereits in den Wäldern. Doch bevor die Pilzsammler sich in den herbstlichen Wald begeben und sich eine Mahlzeit zusammensuchen, warnt der Pilzberater der Stadt Kassel und Pilzsachverständige des Landkreises Jörn Hödtke. 

„Es werden ständig neue Giftpilze entdeckt und Symptome, die man erst einmal nicht mit Pilzen in Verbindung bringt.“ Trotzdem rät er niemanden ab, Pilze zu suchen. Doch der Sammler müsse sich der Gefahr bewusst sein.

Als Beispiel nennt Hödtke die Pilzgruppe Hallimasch. Roh sind diese Pilze giftig, gekocht können sie gegessen werden. Allerdings: Die Pilze können eine Unpässlichkeit verursachen. „Ich esse ihn“, sagt der Pilzberater. Trotz der Unsicherheit. Allerdings achte er darauf, dass der Hallimasch nicht mehr als ein Viertel der Pilzmahlzeit ausmacht. „Pilze sind gesund“, sagt Hödtke. Sie enthalten Vitamine und Ballaststoffe und tragen zu einer vielseitigen Ernährung bei.

Nicht immer merkt der Sammler sofort, ob ein Pilz giftig ist: Der Grünling galt einst als Speisepilz, bis erkannt wurde, dass der Verzehr dazu führt, dass sich Muskeln im Körper zersetzen. „Das geschieht erst Tage und Wochen nach dem Verzehr des Pilzes“, erklärt der Pilzberater.

„Auch wenn ein Pilz als essbar geführt wird, kann Ungemach ins Haus stehen“, sagt Hödtke. Denn die Wirkung der Pilze ist noch nicht abschließend wissenschaftlich untersucht und es gebe Krankheitsbilder, bei denen festgestellt wurde, dass sie auf Pilze zurückzuführen sind. Allerdings: „Statistisch ist die Chance, Opfer eines neuen Giftpilzes zu werden, geringer, als sechs Richtige im Lotto zu haben.“ Dieses Wissen helfe ihm, seine Pilze genießen zu können.

Darum möchte Hödtke auch niemanden vom Sammeln abhalten. „Bücher sind die Voraussetzung zum relativ risikofreien Sammeln“, sagt der Pilzberater. Es muss allerdings ein Buch sein - kein Heftchen. „Man muss sich immer bewusst sein, dass ein Pilzbuch nicht vollständig ist.“ Darum sollen Pilzesammler sich Zeit lassen und den ganzen Text lesen.

Ein gutes Pilzbuch zeigt auch die Grenzen auf, es sagt wo Gefahren liegen und was wirklich essbar ist. So warnt der Pilzberater: Selbstversuche sind nicht möglich, sondern der Sammler müsse gewissenhaft vorgehen. Und so sei es auch nicht ratsam, einen Pilz einfach zu probieren, nur weil er einer bekannten Pilzart ähnelt.

Beratung und Hilfe im Notfall

Wer seine Pilzfunde überprüfen lassen möchte, kann mit dem Pilzberater der Stadt Kassel und dem Pilzsachverständigen des Landkreises Jörn Hödtke einen Termin vereinbaren. Das ist über sein Bürotelefon, Tel. 05 61/97 09 70, möglich.

Krankenhäuser, Ärzte und Betroffene im Vergiftungsfall erreichen den Pilzberater jederzeit über Tel. 01 73/2 94 50 01.

Das nächste Giftinformationszentrum ist das GIZ-Nord, Göttingen, Tel. 05 51/1 92 40.

Von Lara Sasse

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