Neuer Luxus beim Bummeln

Vorsichtige Öffnung der Geschäfte in Kassel: Wie es ist, nach Terminvereinbarung einkaufen zu können

Da bewegt sich was: Der Einzelhandel in Kassel nimmt seit Montag wieder Fahrt auf. Viele Geschäfte bieten Shopping-Termine am Telefon oder per E-Mail an, zum Teil genügt auch eine Registrierung vor Ort.
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Da bewegt sich was: Der Einzelhandel in Kassel nimmt seit Montag wieder Fahrt auf. Viele Geschäfte bieten Shopping-Termine am Telefon oder per E-Mail an, zum Teil genügt auch eine Registrierung vor Ort.

Seit Montag (08.03.2021) kann wieder eingekauft werden in der Kasseler Innenstadt – jedoch nur mit Terminvereinbarung. In vielen Geschäften kann man sich jedoch auch problemlos an der Eingangstür anmelden, hat unsere Stichprobe gezeigt.

Kassel – Tagsüber im Kaufhaus, dabei fühlt es sich an wie nachts im Museum. Lediglich die leise Hintergrundmusik und die helle Beleuchtung erinnern daran, dass im zweiten Stock der Galeria Kaufhof Karstadt nach langen Lockdown-Wochen nun wieder Herrenmode verkauft wird. Ein Kunde pro 40 Quadratmeter ist erlaubt – viel Platz also beim Shopping.

Bei vielen Geschäften weisen Schilder die Kunden auf „Click & Collect“ (Abholung) oder „Click & Meet“ (Einkauf nach Terminvergabe) hin. Die Shopping-Termine – sie sind Pflicht – müssen meist per Telefon oder E-Mail gebucht werden. Das funktioniert beim HNA-Test problemlos. Bei manchen Geschäften ist auch eine Terminabsprache mit Registrierung an der Tür möglich. So darf man mit etwas Glück sofort den Laden betreten.

Auch der Eingang des Kaufhofs teilt sich auf in Türen für registrierte Kunden und solche, die erst noch ihre Daten hinterlassen müssen. Einkaufstermine können von einer bis vier Stunden gebucht werden. Die Daten würden nach vier Wochen gelöscht und dienten der Kontaktnachverfolgung, erklärt ein Mitarbeiter.

Drinnen ist es problemlos möglich, eine Jeans anzuprobieren. Sogar etwas komfortabler ist das, da die Kunden die Verkäufer nicht mit anderen Kunden teilen müssen. Es bietet sich beinahe ein exklusives Shopping-Erlebnis.

Zwar sind die neuesten Moden und Waren noch nicht überall in der Auslage, doch auf Bestellung ist in den Geschäften fast alles am nächsten Tag erhältlich.

In der Auslage der Buchhandlung Vietor an der Wilhelmsstraße sucht man Christian Krachts Roman „Eurotrash“ zunächst vergeblich. Doch Inhaber Lothar Röse hat eine Erklärung hierfür: „Die nachgefragten Bücher sind nicht ausverkauft, sondern im Fall von Eurotrash haben am Samstag bloß gleich mehrere Kunden zugegriffen. Morgen kommt Nachschub.“ Auch beim Technikmarkt Saturn im Obergeschoss des City-Points kann man etwa das neue Album „100 Pro“ des Deutschrappers Bausa nicht sofort als CD mitnehmen. Doch auf Bestellung ist es am nächsten Tag abholbereit oder man bekommt es nach Hause geliefert. Und auch viele kleinere Läden bieten einen Onlineshop, der auch die Filialabholung ermöglicht.

Am Dienstagvormittag ist die Tiefgarage am Friedrichsplatz gut gefüllt – wenn auch nicht vergleichbar mit Dienstagen in Vor-Corona-Zeiten. Dennoch zwingt der Andrang manchen Händler zum Improvisieren. „Bei uns spielen die Server verrückt“, hört man eine Angestellte von H&M im City-Point sagen. Dann müsse die Registrierung eben vor Ort stattfinden. Die Kundinnen freuen sich jedenfalls, mal wieder etwas Neues anzuprobieren.

Auch in der Königsgalerie wird dieses Angebot rege angenommen. Vor dem Eingang der C&A-Filiale bildet sich um die Mittagszeit eine Schlange. Vor dem Saturn leitet derweil ein Bildschirm die Kunden mit einem grünen Pfeil in die Filiale. Noch 41 Kunden dürfen – nach Registrierung mit den eigenen Personalien – den Technikmarkt gerade betreten. So leicht war es noch nie, einen freien Mitarbeiter für eine Beratung zu finden.

Auch beim Modehaus Sinn am Friedrichsplatz erfolgt die Anmeldung und Datenerfassung direkt im Eingangsbereich – auch hier problemlos. Bei Peek & Cloppenburg am Königsplatz können Kunden ihren Termin (60 Minuten) über einen Kalender auf der Website buchen. So sieht man auch sofort, wie viele andere Kunden einen Shopping-Termin gebucht haben. Praktisch. Bei Sportscheck ist „Click & Meet“ ebenfalls möglich – per Anruf oder E-Mail. Termine sind aber auch vor Ort möglich, solange es die Kapazität zulässt.

Etwas Unsicherheit bleibt jedoch. Lohnt es sich für die Händler überhaupt, neue Ware in die Lager und Regale zu stellen bei unklarer Öffnungsaussicht? „Wenn die Inzidenz wieder über 100 geht, dann sitzen wir hier auf den ganzen CDs“, antwortet beispielsweise ein Saturn-Verkäufer auf die Frage, ob es sich lohne, neue Ware zu bestellen. Auch bei der Buchhandlung Vietor sei man sehr vorsichtig und stelle sich den Laden nicht mit Büchern voll. Statt 10 bis 15 Exemplare eines Buchs seien es nun zwei bis drei, so Lothar Röse. Die meisten von Kunden nachgefragten Bücher seien jedoch erhältlich. „Und wir freuen uns einfach, die Kunden wieder zu haben“, so Röse. (Paul Bröker)

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