In Kassel und im Landkreis wird bereits seit mehreren Wochen ab 12 Jahren geimpft

„Vorteile überwiegen Risiko“: Stiko empfiehlt nun Impfungen auch für Kinder

Das Bild entstand im Impfzentrum in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden
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Bereits in den vergangenen Wochen wurden Kinder und Jugendliche geimpft. Seit gestern empfiehlt nun auch die Stiko eine Immunisierung der 12- bis 17-Jährigen. Das Bild entstand im Impfzentrum in den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden.

Die Ständige Impfkommission hat ihre Empfehlung für Impfungen von Kindern geändert. Möglich waren diese bisher aber ohnehin schon – und wurden auch schon wahrgenommen.

Kassel/Kreis Kassel – Zugelassen sind die Impfstoffe von Biontech und Moderna von der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA schon immer für Impfwillige ab zwölf Jahren. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfahl eine Impfung von Kindern bisher aber bisher nur bei höherem Risiko für schwere Verläufe, etwa bei vorerkrankten Kindern. Das hat sich nun geändert.

Die Stiko hat für die Änderung ihrer Empfehlung neu gesammelte Daten aus den USA analysiert. Nach Bewertung dieser Daten komme man nun zu der Einschätzung, „dass nach gegenwärtigem Wissensstand die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen überwiegen“, teilte das unabhängige Gremium am Montag mit. Der Hintergrund: Mittlerweile könnten mögliche Risiken der Impfung in der Altersgruppe zuverlässiger beurteilt werden, erklärte die Stiko.

„Diese neuen Daten waren wichtig, damit die Stiko eine Empfehlung aussprechen konnte“, sagt Kinderarzt Dr. Ralph Melchior, der eine Praxis in Kassel führt. „Bisher war diese Nutzenabwägung noch nicht möglich“, so Melchior. Er sagt aber auch: „Ich sehe keinen Grund, einem jungen Menschen, der geimpft werden möchte, das zu verwehren.“

Nicht erst seit der Stiko-Empfehlung lassen Eltern ihre Kinder in Kassel und im Landkreis impfen. Bereits vor knapp zwei Wochen hatte die Gesundheitsministerkonferenz beschlossen, 12- bis 17-Jährigen mehr Angebote für eine Corona-Impfung zu machen. Und auch zuvor war eine Impfung ab zwölf Jahren mit ärztlicher Beratung auch bei gesunden Kindern möglich.

Das haben zahlreiche Eltern bereits genutzt: 1056 Kinder sind bisher im Kasseler Impfzentrum neben dem Auestadion zum ersten Mal geimpft worden, 183 haben auch schon ihre Zweitimpfung erhalten, so Stadtsprecherin Simone Scharnke. Im Zentrum des Landkreises in Calden werden etwa 10 bis 15 Kinder und Jugendliche pro Tag geimpft, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. Dort hatte es in der Vergangenheit auch schon Sonderimpfaktionen für Kinder gegeben.

Nicht in diesen Zahlen enthalten sind die Impfdosen, die Kinder und Jugendliche bei niedergelassenen Ärzten erhalten haben. Auch beim Kinderarzt Melchior haben beispielsweise schon Minderjährige eine Impfung bekommen. „Bei den meisten Jugendlichen und Kindern kam es ja eher zu leichteren Verläufen. Gerade Jugendliche sehnen sich aber nach Normalität und mehr Freiheiten, die wollen ihr Leben zurück. Dazu kann eine Impfung natürlich beitragen“, sagt der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Er ergänzt: „Noch wichtiger für die Pandemiebekämpfung wäre aber, möglichst alle Erwachsenen zu impfen.“

Wer sein Kind im Kasseler Zentrum impfen lassen will, kann sich zwecks Terminvergabe und Rückfragen an die Impfplanung der Stadt unter der Telefonnummer 0561/ 787 91 91 wenden. In Calden werden während der Öffnungszeiten des Impfzentrums eine Impfberatung und auch Impfungen für Kinder zwischen 12 und 16 Jahren ohne Terminvereinbarung angeboten. Wenn Kinder und Jugendliche dort immunisiert werden, wird der Wirkstoff von Biontech genutzt. (Marie Klement und Gregory Dauber)

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