"Das ist eine Verschwörung"

Vorwurf des Missbrauchs in 440 Fällen: Angeklagter sieht sich als Opfer

Kassel. Der 49-jährige Angeklagte, der seine Adoptivtochter das erste Mal missbraucht haben soll, als sie acht Jahre alt war, zeichnete am Montagvormittag in seiner zweieinhalbstündigen Einlassung vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts ein Bild von sich als Opfer.

Als Opfer seiner Adoptivtochter und als Opfer seiner Schwägerin. Von einer „Verschwörung“ sprach der Maschinenbautechniker.

Mit den Missbrauchsvorwürfen habe die Schwester seiner Frau seine Familie zerstören wollen. Das habe sie jetzt auch geschafft. Zwar habe seine Schwägerin studiert, einen Beruf und habe seine Familie auch finanziell unterstützt. Andererseits sei sie immer neidisch gewesen. „Mit der Frau stimmt was nicht. Die hat weder Freund noch Mann. Dabei ist sie auch nicht hässlich“, sagte der Angeklagte.

Die 38-jährige Schwägerin, die in Wiesbaden lebt, schilderte im Zeugenstand hingegen von zwei Vorfällen mit dem Angeklagten. Sie berichtete, dass sie bei einem Besuch in der Wohnung ihrer Schwester in Kassel ein seltsames Erlebnis gehabt habe. Nach einer Familienfeier, bei der sie auch Alkohol getrunken hatte, habe sie nachts auf der Matratze im Zimmer ihrer Nichte geschlafen. Plötzlich habe sie das Gefühl gehabt, dass sie im Intimbereich berührt worden sei. Als sie sich umgedreht habe, habe sie jemanden im Zimmer hocken sehen. Danach, so die 38-Jährige sei sie sofort wieder eingeschlafen. Am nächsten Morgen habe sie nicht mehr gewusst, ob sie das geträumt oder ob es ihr wirklich passiert sei. Wochen später habe ihr Schwager sie besucht und auf den Vorfall angesprochen. Bei diesem Anlass habe er ihr auch gesagt, dass er nicht abgeneigt wäre, wenn sie mit ihm schlafen wolle. Ihr selbst sei das sehr unangenehm gewesen, sie habe aber auch nicht mit ihrer Schwester darüber gesprochen.

Seine Adoptivtochter habe sich für ihn geschämt. Wenn er sie zur Schule mit seinem „verrosteten Opel“ gefahren habe, hätte er sie immer 50 Meter vom Eingang abliefern sollen, weil es ihr peinlich gewesen sei, so der Angeklagte. Einmal habe das Mädchen zu ihm gesagt, warum er nicht in seine Heimat zurückkehren würde. Der Angeklagte war mit 23 von Iran nach Deutschland gekommen. Mittlerweile ist er deutscher Staatsbürger.

Seine Adoptivtochter wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen.

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