Urgestein der Branche

Seiner Zeit weit voraus: Dieser Körler entwickelte den Elektro-Golf III

Roland Gaber mit einem seiner vier Golf 3 Citystromer: Zusammen sind sie bereits fast eine Million Kilometer gelaufen – ohne größere Reparaturen wie der Techniker und Tüftler versichert. Foto: Andreas Fischer

Wer einen elektrischen Golf VII fährt, gehört zu einer Minderheit. Doch einer der wahren Pioniere war ein Körler - er entwickelte den Elektro-Golf III. Und fährt vier davon bis heute. 

Roland Gaber ist der Zeit um zweieinhalb Jahrzehnte voraus. Zumindest, was das Autofahren angeht. Während andere über die Elektromobilität schwadronieren, praktiziert er sie – seit über 30 Jahren. Denn der heute 60-jährige Techniker, der seit 2008 am Kasseler Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) an der Weiterentwicklung der Elektromobilität und mittlerweile schwerpunktmäßig an deren Anwendung in der Schifffahrt arbeitet, fährt seit Ende der 80er-Jahre rein elektrisch – davon ein viertel Jahrhundert mit dem E-Golf 3, den Volkswagen seinerzeit Citystromer taufte.

Vier dieser Fahrzeuge nennt der Wahl-Körler sein eigen, und in der Spitze waren es sogar 15, von denen der Wolfsburger Autobauer seinerzeit nur 120 produzierte. Aber Gaber, das Urgestein der modernen Elektromobilität, fährt die Autos nicht nur, sondern hat sie maßgeblich mitentwickelt – erst in Kassel und später in Würzburg. Damals taten sich der Siemens-Konzern, für den der Elektrotechniker mit Schwerpunkt Antriebstechnik 20 Jahre lang tätig war, und VW zusammen, um dem E-Auto auf die Räder zu helfen. Und Gaber war von Anfang an dabei, vor allem auch, weil er zuvor bereits auf eigene Rechnung elektrische Maschinenantriebe von Siemens in Autos eingebaut und mit den Fahrzeugen ausgiebige Praxistests gemacht hatte. Das überzeugte seine Vorgesetzten.

Die Affinität zur Elektrizität war dem umtriebigen Tüftler in die Wiege gelegt. Der Vater war Müller und produzierte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Strom aus Wasserkraft, was den jungen Gaber frühzeitig elektrisierte.

In Reih und Glied: (von links): Tochter Luisa, Roland und Sohn Jonas Gaber. Foto: Privat/nh

Mit den vier Elektro-Golfs der ersten Generation haben Gaber und dessen zwei längst erwachsene Kinder seither 925 000 Kilometer zurückgelegt. Dabei verbrauchten sie rund 185 000 Kilowattstunden Strom, was gemessen an der Energie-Ausbeute 18 500 Litern Sprit entspricht. Wären sie stattdessen mit Verbrennungsmotoren gefahren, hätten sie wegen des viel geringeren Wirkungsgrads allerdings für dieselbe Fahrleistung 65 000 Liter Sprit verbraucht.

Auf seine alten Stromer lässt Gaber indes nichts kommen. „Die laufen wie am ersten Tag“, sagt er. Fast alles sei original, die schweren Blei-Akkus inklusive. „Und liegen geblieben bin ich selten“, fügt er hinzu. Nicht häufiger als mit einem herkömmlichen Fahrzeug. Für den Praktiker besteht kein Zweifel: Die Elektromobilität sei neben Hybriden und Brennstoffzelle in Verbindung mit intelligenten Mobilitätskonzepten die Fortbewegungsart der Zukunft.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Der nach wie vor geringe Radius bei reinen Stromern ist für Gaber und seine Kinder nie ein Problem gewesen. Für kurze und mittlere Strecken reiche sie allemal. „Das funktioniert prima.“ Den sauberen Strom für seine geliebten Youngtimer bekommt Gaber ganz überwiegend von einer Solaranlage vom eigenen Dach. Und in Kassel tankt er an den Ladesäulen der Städtischen Werke, die „eine tolle Infrastruktur aufgebaut haben“. Dass der Citystromer sich nicht durchsetzte, lag vor allem am hohen Preis von deutlich mehr als 50 000 Mark. Und die Zeit war wohl noch nicht reif für E-Autos.

Lesen Sie auch: Zurzeit wird die Halle 1 im VW-Werk Baunatal modernisiert und ab Ende 2019 für die Zukunft von Volkswagen stehen. Dann werden dort die Elektromotoren für die neue Generation der VW-Modelle gebaut.

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