Dumpinglöhne bei Logistikdienstleistern vobei

Gute Nachricht bei DGB-Empfang: VW-Partner zahlen jetzt Tarif

Freude über Tariflohn bei VW-Logistikpartnern: Renate Müller (ehemalige stellvertretende VW-Betriebsratsvorsitzende), Michael Rudolph (Vorsitzender des DGB Nordhessen), Bernd Hasenbein (Betriebsratsvorsitzender von Rudolph Logistik) und Stefan Körzell (Bezirksvorsitzender DGB Hessen-Thüringen) beim Jahresempfang des DGB. Foto: Zgoll

Kassel. Die Gewerkschaft darf sich zum Jahresanfang kräftig auf die Schulter klopfen: Die Logistikdienstleister von Volkswagen (VW) in Baunatal bezahlen ihre Beschäftigten jetzt nach Tarif. Diese frohe Botschaft verkündete Michael Rudolph beim Jahresempfang des DGB Nordhessen.

„Das ist einzig und allein unser Verdienst“, sagt der Vorsitzende des Gewerkschaftsbunds in der Region vor 150 Gästen im DGB-Haus an der Spohrstraße. Das Einlenken der VW-Dienstleister sei darauf zurückzuführen, dass die Gewerkschaft Druck aufgebaut habe.

Immer wieder hatte Ver.di die Zustände im Umfeld von VW angeprangert und auch zu Streiks aufgerufen. Betroffen von den ausgehandelten Verbesserungen sind über 1200 Beschäftigte von Rudolph Logistik, Verpackungslogistik Kassel (VLK / Huppertz) und BLD (Borkener Logistik Dienstleistungen, vormals Scherm). Durch die seit Dezember vereinbarten Tariflöhne verbesserten sich die Einkommen der Mitarbeiter im Schnitt um 20 bis 30 Prozent, in den extremsten Fällen um bis zu 60 Prozent, erläuterte Ver.di-Sekretär Roland Blumenauer gegenüber der HNA.

Über den regionalen Tellerrand blickte Stefan Körzell, DGB.Bezirksvorsitzender in Hessen-Thüringen, der in seiner Rede vor allem die Bundes- und Landespolitik einging. Der im Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot vereinbarte Mindestlohn ab 2015 bringe schon jetzt die Dinge in Bewegung: „Auf einmal rufen uns Arbeitgeber an, die kannten vorher nicht mal die Telefonnummer der Gewerkschaft, und wollen plötzlich Tarifverträge machen.“ Körzell, der im Mai in den Bundesvorstand wechseln will, betonte aber, der Mindestlohn sei „eine Anstandsgrenze nach unten“. Aufgabe der Gewerkschaften bleibe es, in Tarifverträge darüber hinaus mehr zu verhandeln.

Er sprach sich zudem für die Einführung einer Transaktionssteuer aus. Die Banken als Verursacher der Krise müssten für die Folgen herangezogen werden. Zudem forderte er eine Vermögens- und Erbschaftssteuer - auch um die Handlungsfähigkeit des Staats zu erhalten.

Dass mehr Geld nötig ist, um staatlichen und kommunalen Aufgaben gerecht zu werden, hatte auch Landrat Uwe Schmidt (SPD) als Gastredner angemahnt. Sparen könne man nur bis zu gewissen Grenzen. Er kritisierte zudem an, dass der Bund die Kommunen nicht auf den hohen Kosten für die Flüchtlingsbetreuung sitzen lassen dürfe.

Von Katja Rudolph

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