Ein Kommentar über politische Spaß-Kandidaten

Kritik an "Die Partei": Wie man Wählern den Stinkefinger zeigt

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Bei der Landtagswahl in Hessen 2018 tritt auch die Satire-Partei "Die Partei" an. 

Bei der Landtagswahl in Hessen treten auch Vertreter der satirischen "Die Partei" an. Wie umgehen mit Kandidaten, die als Wahlziel die Grüne Soße abschaffen wollen? Ein Kommentar.

Vor Wahlen ist es guter Brauch, allen Direktkandidaten in der Zeitung ein Forum zu ihrer Vorstellung zu geben – in jeweils gleicher Länge und Darstellungsform, damit sich die Wähler ein Bild machen können. Dass dies freilich auch für Vertreter der AfD gilt, daran nehmen Kritiker dieser Partei regelmäßig Anstoß. Ein oft gehörter Einwand: Wie könne man jenen, die der Abschaffung demokratischer Standards und Strukturen das Wort reden würden, auch noch eine Bühne bieten?

Nun verteidigt man unsere demokratischen Grundsätze des Meinungspluralismus aber nicht, indem man sie vorauseilend preisgibt. Im Fall der AfD ist relativ leicht zu begründen, warum das nicht funktioniert. Schwerer fällt das bei einer Gruppierung, die bei uns in Kassel mit zwei Direktkandidaten ebenfalls ordnungsgemäß zur Landtagswahl in Hessen zugelassen ist: der sogenannten „Partei“.

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Die Partei: Egozentrische Posen

Deren politische Clowns machen kein Hehl aus ihrer zynischen und egozentrischen Pose, aus der heraus sie das System der politischen Meinungs- und Willensbildung verachten. Wer soll schon einen ernsthaften Gedanken verschwenden an so blödsinnige Phrasen, man werde im Fall eines Mandatsgewinns „die Grüne Soße abschaffen“ oder sich das Kasseler Planetarium als steuerfinanzierte Privatresidenz ausbauen?

Gleichwohl birgt dies ein Dilemma für uns Journalisten. Denn eigentlich müssten wir derlei Verlautbarungen im Rahmen der Kandidatenvorstellung als jenen Unfug geißeln, der er ist. Das stünde dann aber im direkten Kontrast zur sachlich-neutralen Darstellung anderer Wahlbewerber und deren ernsthaften politischen Vorstellungen. Es verbietet sich in diesem Kontext also.

Die Partei in Kassel als Quatschtruppe

Dass auf dem redaktionellen Grundsatz der Gleichbehandlung zynische und dekadente Politiker-Karikaturen ihr selbstverliebtes Süppchen kochen – auch das hält unsere pluralistische Gesellschaft aus. An dieser Stelle soll es aber einmal Erwähnung finden, dass solch ein Gebaren angesichts aktueller gesellschaftlicher Verwerfungen, die viele Menschen umtreiben und ängstigen, das Allerletzte an versnobter Demokratieverachtung ist. Hier wird dem hohen Gut des Wahlrechts pubertär feixend der Stinkefinger gezeigt.

Das Problem in diesen Zeiten ist keineswegs, dass es zu wenig „Satire“ in der Politik gäbe, wie diese Quatschtruppe behauptet. Das Kernproblem ist vielmehr, dass scheinbar immer weniger Menschen in der Lage sind, bei der Wahrnehmung politischer Akteure und Prozesse noch einen Unterschied zwischen dem heute-Journal und der ulkigen heute-Show wahrzunehmen. Wer sich angewöhnt hat, die Sphäre der Politik bloß noch als Abfolge von Schenkelklopfern wahrzunehmen, der mag in den Spaßnasen auf dem Wahlzettel ein Ventil für seine Geringschätzung finden.

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