Verband der Wohnungswirtschaft kritisiert zu hohe Vorgaben für Förderung - Nebenkosten steigen

Wärmedämmung wird zu teuer

Symbolik: Die Pudelmütze auf einer Litfaßsäule in Düsseldorf soll Hausbesitzer zu wärmeschützenden Maßnahmen an ihren Altbauten anregen. Die Aktion wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ins Leben gerufen. Foto:  dpa

Kassel. Immer weniger Hauseigentümer wollen die Förderung der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) nutzen, um die Wärmedämmung ihrer Immobilien zu verbessern und die Heizkosten zu verringern. Der Grund: Die Sanierung wird durch Qualitätsvorgaben und die Streichung von Steuervorteilen so teuer, dass sie nicht mehr wirtschaftlich ist.

Die Zahl der Förderfälle ist „im freien Fall“, sagt Dr. Rudolf Ridinger, Vorstandssprecher des Verbandes der Südwestdeutschen Wohnungswirtschaft mit 200 Unternehmen und 400 000 Wohnungen in Hessen und Rheinland-Pfalz. Wurden 2009 in Hessen noch 2063 Wohnungen energieeffizient saniert, werden es nach Berechnungen des Verbandes in diesem Jahr nur noch 638 Wohnungen sein.

Klimapolitik

Im August 2007 hatte die Bundesregierung die Klimapolitik zum Schwerpunkt erklärt, danach stiegen die Sanierungszahlen. Dann folgte eine drastische Verschärfung der Qualitätskriterien. Zudem stoppten die Länder im Bundesrat aus Angst vor Einnahmeverlusten die steuerliche Förderung von Investitionen zur Energieeinsparung. Das Ergebnis: Auch mit Fördergeld von der KfW „rechnet sich das für Hauseigentümer nicht mehr“, sagt Ridinger, der von einem „klassischen Eigentor der Bundesregierung“ spricht. Investoren würden dadurch förmlich aufgefordert, erst mal abzuwarten.

Dabei ist unstrittig, dass Investitionen zur Energieeinsparung richtig und nötig sind. Und zwar auch aus Sicht der Vermieter. Denn je höher die Nebenkosten durch Heizung, desto weniger Geld bleibe für die Kaltmiete, „von der die Wohnungsunternehmen leben“, erklärt Ridinger.

Peter Ley, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG), bestätigt das. „Die Energiekosten werden weiter steigen, deshalb sind Investitionen in die energetische Sanierung sinnvoll“, sagt er. Durch die Zinsentwicklung seien die KfW-Kredite nicht mehr so attraktiv wie noch vor zwei Jahren. Eine Entwicklung, auf die sich die GWG eingestellt habe. Ehe die Rahmenbedingungen noch schlechter würden, habe man Sanierungsprogramme vorgezogen. Mit 8800 Wohnungen ist die GWG der größte Vermieter in Kassel. (ach/tos)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.