Uni und Firma FSave haben Solarspeicher nach dem Baukastenprinzip entwickelt

Bad als Wärmereservoir

Außen Stahl, innen Kunststoff: Hier zeigt der Diplom-Ingenieur Roland Heinzen einen variablen Solarspeicher mit einem außen liegenden Wärmetauscher (links). Dank des Baukastenprinzips können die Wissenschaftler jede gewünschte Größe montieren. Foto:  Dilling

Kassel. Der Ausbau der Fotovoltaik, die Sonnenlicht in elektrischen Strom verwandelt, schreitet vehement voran. Doch damit allein wird die Klimawende nicht zu schaffen sein. Denn in fast allen Haushalten ist der Bedarf an Wärme deutlich höher als an elektrischer Energie. Doch der erfolgreiche Einsatz von Sonnenkollektoren, die Wasser mit der Kraft und Sonne aufheizen, steht und fällt mit einem effizienten Speichersystem.

Dafür sind große Wassermengen nötig. Nicht jeder kann es sich - wie ein Hauseigentümer aus Kassel - leisten, ein Hallenschwimmbad zum Solarspeicher umfunktionieren und einen Wintergarten darüber zu bauen. Im Auftrag dieses Eigentümers hat die Kasseler Firma FSave Speicher in Modulbauweise eingebaut. FSave, eine Ausgründung der Universität Kassel, hat gemeinsam mit dem von Professor Dr. Klaus Vajen geleiteten Fachgebiet Solar- und Anlagentechnik ein variabel einsetzbares Pufferspeichersystem entwickelt, mit dem man die Wärme aus Kollektoren, Blockheizkraftwerken, Pelletheizungen oder Holzhackschnitzelanlagen effizient speichern kann.

Dabei stößt die herkömmliche Speichertechnik, die mit Weichschaum dick isolierte Stahlbehälter für die Aufbewahrung des heißen Wassers einsetzt, vor allem dann an Grenzen, wenn Ein- oder Zweifamilienhäuser nachgerüstet werden sollen. „Durch eine Kellertür passt maximal ein 1000-Liter-Speicher“, sagt Roland Heinzen, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität und Mitgeschäftsführer der Firma FSave. Wenn ein Großteil der Wärme nicht ungenutzt verpuffen solle, seien aber wesentlich größere Kapazitäten nötig.

„Die Nachfrage nach größeren Pufferspeichern ist ständig gewachsen“, sagt der Diplomingenieur. Die Kasseler Wissenschaftler haben daher eine neue Architektur für Speicher entwickelt. Sie arbeiten mit einem verschraubbaren Stahlgerüst, das in Einzelteilen durch jede Tür passt und vor Ort zu beliebig großen Speichern montiert werden kann. Sie werden mit Platten aus Poly-urethan ausgekleidet und schließlich mit einer Haut aus Polypropylen innen verschweißt. Das Speicherwasser gibt seine Energie mittels interner oder externer Wärmetauscher an den Heiz- und Warmwasserkreislauf ab.

Vergangenes Jahr sei es gelungen, mit dem neuartigen Speicherkonzept bei einem modernisierten Altbau den Wärmebedarf zu rund 75 Prozent mit Sonnenenergie zu decken, berichtet Roland Heinzen.

Seecontainer als Heizzentrale

Auch die Industrie interessiere sich zunehmend dafür, ihre Wärme besser auszunutzen. FSave baut dazu Seecontainer zu mobilen Heizzentralen mit einer Leistung von bis zu 2000 Kilowattstunden aus. Unternehmen können so ihren Wärmeüberschuss aufbewahren und später erneut nutzen. ZUM FACH SIEHE RECHTS

Von Peter Dilling

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