In der Eisengießerei Fritz Winter wurden Pistolen, Revolver und Gewehre vernichtet

Waffen schmolzen dahin

Angeliefert in Kartons: Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen wurden die Waffen nach Stadtallendorf transportiert, um dann im Schmelzofen vernichtet zu werden – Mario Huhn stochert in der Glut, um Platz zu schaffen. Fotos: Wieber

Stadtallendorf/Kassel. In Abwandlung des alten Sprichwortes „Schwerter zu Pflugscharen“ sind in dieser Woche in der Stadtallendorfer Eisengießerei Fritz Winter Waffen und Messer in Bremsscheiben und Motorblöcke umgewandelt worden.

Nachdem Hartmut Bierwirth und Johanna Haase von der Waffenbehörde des Kasseler Ordnungsamts zu Beginn der Schmelze noch einmal die Vollständigkeit der Waffenlieferung überprüft hatten, warf Mario Huhn, Mitarbeiter der Stadtallendorfer Eisengießerei, 600 Pistolen, Revolver, Gewehre sowie unter das Waffengesetz fallende Messer sowie gefährliche Gegenstände in die rotglühende Klappe des Tiegelofens.

Dass bei 1340 Grad Hitze Schäfte, Griffschalen und Kunststoffteile mit verbrannten, störte die Fachleute am Ofen wenig, denn die Waffen machten nur rund zehn Prozent der Ofenkapazität aus.

Legales Material

Nach Angaben von Hartmut Bierwirth handelte es sich ausschließlich um legale Waffen, die von ihren ehemaligen Eigentümern bei der Behörde abgegeben worden waren. „Häufig empfinden Erben, frühere Sportschützen oder ältere Jäger den Waffenbesitz nur noch als Belastung. Und durch die immer höheren Sicherheitsauflagen wissen manche Waffeneigentümer nicht mehr, was sie mit ihren Pistolen, Gewehren und Messern machen sollen und geben sie bei uns ab“, sagte Bierwirth.

Eine große Rolle bei der Rückgabe von Waffen spielten auch die Kontrollen der Behörden zur sicheren Lagerung der privaten Waffen, die derzeit nach dem Zufallsprinzip absolviert werden. „Gelegentlich mussten wir bei den unangemeldeten Hausbesuchen Waffen gleich mitnehmen“, berichtete Johanna Haase. Illegal erworbene oder bei Straftaten sichergestellte Waffen befanden sich aber nicht bei dem in Stadtallendorf eingeschmolzenen Kontingent. „Aus dem bei der Waffenschmelze gewonnenen Stahl werden Bremsscheiben gefertigt“, sagte Jürgen Gemmerich, Leiter Sicherheit und Umweltschutz in der Stadtallendorfer Firma. Nach seinen Angaben wird fast jede vierte in Europa verbaute Bremsscheibe in Stadtallendorf hergestellt.

In einem Probedurchlauf waren bereits im Dezember 150 Waffen durch Einschmelzen vernichtet worden.

Von Alfons Wieber

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