Ausstellung ist auch in Sachsen-Anhalt umstritten

Nach Verbot in Kassel: Waffenbörse zieht nach Halle

Veranstalter Wolf Krey auf der Waffenbörse Kassel in den Messehallen.
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Solche Bilder wird es in Kassel wohl nicht mehr geben: Veranstalter Wolf Krey auf der Waffenbörse in den Messehallen.

Tausende Besucher lockte die Waffenbörse nach Kassel. Die Stadt hat die umstrittene Messe jedoch verboten. Nun soll die Waffenbörse in Halle stattfinden - auch dort gibt es Ärger.

Kassel/Halle – Die umstrittene Waffenbörse hat eine neue Heimat gefunden: Die von der Stadt Kassel verbotene Ausstellung soll vom 14. bis 17. Oktober in Halle (Saale) stattfinden. SPD-Stadtverordneter Norbert Sprafke, der sich immer wieder für ein Verbot stark gemacht hatte, freut sich bereits: „Die Waffenbörse wird nicht mehr in Kassel stattfinden. Das ist ein politischer Erfolg.“

Ganz ausgeschlossen ist eine Rückkehr allerdings nicht. Nachdem die Kasseler Stadtverordneten gegen die Stimmen von CDU, AfD und FDP ein Verbot der Ausstellung gefordert hatten, lehnte die Stadt die gewerberechtliche Festsetzung der Veranstaltung ab. Dagegen legte Veranstalter Wolf Krey Widerspruch ein. Dieses Verfahren ist noch nicht beendet, weshalb man sich im Rathaus nicht zu dem Fall äußern will. Auch Krey, der mit seiner Firma Expo Management in Molfsee bei Kiel residiert, wollte Fragen unserer Zeitung nicht beantworten.

In Kassel geriet Deutschlands größte Waffen- und Militaria-Börse vor allem nach dem Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch einen Neonazi in die Kritik. Sie galt auch als Treffpunkt für Rechtsradikale. Nicht nur Sprafke findet: „Solche Ausstellungen sind aus der Zeit gefallen.“ Die „Omas gegen Rechts“ forderten immer wieder ein Verbot. Und Bischöfin Beate Hoffmann wertete eine Absage als „Zeichen des Friedens in einer Stadt“, die mit den Morden an Lübcke und Halit Yozgat leidvoll erfahren habe, „welche Gefahr vom privaten Kleinwaffenbesitz ausgeht“.

Ähnliche Diskussionen gibt es nun auch in Halle. Dort sollte die Waffenbörse ursprünglich vom 7. bis 10. Oktober stattfinden und damit auch am zweiten Jahrestag des Terroranschlags von Halle. Am 9. Oktober 2019 hatte ein Rechtsextremist versucht, in der Synagoge ein Blutbad anzurichten. Das misslang. Dafür tötete er zwei andere Menschen.

Laut einer Sprecherin der Halle Messe, wo die Ausstellung stattfinden soll, fiel die Überschneidung mit dem Jahrestag erst auf, nachdem man Krey die freien Termine im Oktober mitgeteilt hatte. Das Unternehmen sei verpflichtet, diskriminierungsfrei zu vermieten: „Wir dürfen weder aus politischen, weltanschaulichen, religiösen oder anderen diskriminierenden Gründen einen Mietvertrag verweigern.“

Die Stadt hat trotzdem an die Geschäftsführung der Halle Messe schriftlich appelliert, die Messe nicht stattfinden zu lassen. Sachsen-Anhalts größte Stadt wird derzeit vom Sozialdemokraten Egbert Geier regiert. Der parteilose Oberbürgermeister Bernd Wiegand ist vorerst suspendiert, weil er sich gegen Corona hatte impfen lassen, obwohl er noch nicht an der Reihe war.

Im Rathaus in Halle hat man kein Verständnis für die Waffenbörse. „Es zeugt von einem Mangel an Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein, gerade auch vor dem Hintergrund der Anschläge vom 9. Oktober 2019“, teilt ein Sprecher mit. Der Antrag des Veranstalters auf Genehmigung werde derzeit in Abstimmung mit der Polizei geprüft. Grundlage für ein Verbot wären das Gewerbe- oder Waffenrecht.

Wie die Kasseler Messe auf den Umzug der Waffenbörse reagiert, die bis zu 20 000 Besucher anlockte, war gestern nicht zu erfahren. (Matthias Lohr)

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