Stadt sagt: Die Messe wird nicht mehr durchgeführt

Waffenbörse Kassel: Wird die umstrittene Messe wegen Neonazis verboten?

Bis zu 20 000 Besucher kommen zu seiner Waffenbörse: Organisator Wolf Krey mit einigen Ausstellungsstücken.
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Bis zu 20 000 Besucher kommen zu seiner Waffenbörse: Organisator Wolf Krey mit einigen Ausstellungsstücken. Im Hintergrund links neben Krey ist eine Odal-Rune zu sehen, die auch von Nationalsozialisten im Dritten Reich verwendet wurde und heute teilweise verboten ist.

Bis zu 20.000 Besucher lockt die Waffenbörse zweimal im Jahr nach Kassel. Die nächste Auflage ist Ende April geplant. Doch die Stadt will die umstrittene Messe verbieten.

Kassel – Die umstrittene Kasseler Waffenbörse könnte trotz des angestrebten Verbots der Stadt im Frühjahr wieder in den Messehallen stattfinden. Organisator Wolf Krey von der Firma Expo Management hat für das Wochenende vom 29. April bis 2. Mai eine Genehmigung beantragt, wie er der HNA sagte.

Die Stadt arbeitet derweil weiter am Verbot der Veranstaltung, die laut Kritikern auch bei Rechtsradikalen beliebt ist. Nach dem Mord am Regierungspräsidenten Walter Lübcke durch den mittlerweile wegen Mordes verurteilten Neonazi Stephan Ernst kam verstärkt Kritik an der Waffenbörse auf. Im September verabschiedeten die Stadtverordneten gegen die Stimmen von CDU, AfD und FDP einen Antrag der SPD der vorsieht, dass der Magistrat „alle rechtlichen Möglichkeiten zur Untersagung ergreift“.

Zum laufenden Verfahren will die Stadt nichts sagen. Ein Sprecher teilt lediglich mit, dass man beabsichtige, den Antrag für das Jahr 2021 und darüber hinaus abzulehnen: „Die Waffenbörse wird in Kassel damit nicht mehr durchgeführt werden.“

Kassel: Waffenbörse soll verboten werden - Veranstalter nennt das „blinden Aktionismus“

Für Veranstalter Krey wäre dies „blinder Aktionismus“, wie er sagt: „So werden alle Besucher unter Generalverdacht gestellt.“ Viele Sportschützen und auch Museen würden auf seiner Messe einkaufen. Für die Stadt wäre das Aus der größten deutschen Waffenbörse mit bis zu 20.000 Besuchern ein erheblicher Verlust. Krey weiß nicht, „ob man das den Kasseler Hoteliers und Gastronomen antun will“.

Für den SPD-Stadtverordneten Norbert Sprafke ist ein Verbot dagegen überfällig. Das Mitglied des Rechtsausschusses hat die Messe selbst zweimal besucht, um sich ein Bild zu machen. Sprafke hat festgestellt, dass man oft NPD-Kader treffe und der Bereich mit „Nazikitsch“ immer größer werde. Darum appelliert er auch an das Ehepaar Umbach, das die Messehallen betreibt, die Waffenbörse nicht mehr stattfinden zu lassen.

Ralf-U. Umbach ist sich bewusst, dass man in Kassel nach dem Lübcke-Mord eine besondere Verantwortung habe, wie er sagt. Er warnt aber auch vor den Folgen: „Ein Verbot würde dazu führen, dass Waffen künftig auf irgendwelchen Parkplätzen verkauft werden.“

Messe in Kassel: Omas gegen Rechts setzen sich für Verbot ein

Die Debatte um die Kasseler Waffenbörse beschäftigt längst nicht mehr nur die Politik. Nun haben sich auch die Omas gegen Rechts eingeschaltet. Die Kasseler Regionalgruppe der Initiative, die sich für „eine freie Gesellschaft und gegen faschistische Tendenzen“ einsetzt, hat einen Brief an Oberbürgermeister Christian Geselle und die Stadtverordneten geschrieben.

Die Omas gegen Rechts fordern, dass in Kassel keine Waffenbörsen mehr stattfinden. Dies gebiete schon „das ehrende Andenken an Walter Lübcke und Halit Yozgat“, die von Rechtsextremisten in Istha und Kassel ermordet wurden. Die Messe ziehe „Menschen mit rechtsextremen Denken in besonderer Weise an“.

Die Grünen hatten bereits 2009 einen Antrag gestellt, der auf das Verbot abzielte. Damals fand er keine Mehrheit. Im September 2020 unterstützten auch sie den Verbotsantrag der SPD, da auf der Messe „der schwunghafte Handel mit Nazi-Devotionalien erwartbar ist“, wie Fraktionschef Boris Mijatovic sagt: „Die Waffenbörse ist eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.“

Verbot der Waffenbörse in Kassel? Für Sportschützen kein großer Verlust

Auch CDU-Fraktionschef Michael von Rüden ist laut eigener Aussage kein Fan der Waffenbörse. Trotzdem stimmte seine Partei gegen den Antrag der SPD. Von Rüden befürchtet, dass ein Verbotsantrag ohne rechtliche Grundlage „ein Schuss in den Ofen“ werden könnte. FDP-Fraktionschef Matthias Nölke kritisiert dagegen die „Verboteritis“. Ein Verbot ist für ihn „undurchdachter Aktionismus“. Veranstalter Wolf Krey wollte noch nicht verraten, ob er juristische Schritte einleiten wird, sollte es zum Verbot kommen: „Wir wollen erst einmal die Entscheidung abwarten.“

Für Sportschützen wäre ein Aus der Waffenbörse kein großer Verlust, sagt Reiner Weidemann vom Schützenclub Sandershausen. Er und seine Kollegen kaufen Waffen lieber beim „Fachhändler um die Ecke“. Trotzdem weiß Weidemann nicht, ob ein Verbot die erhoffte Wirkung hätte: „Die Durchgeknallten kaufen sich die Waffen dann eben schwarz.“ (Matthias Lohr)

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