Waffendeal unter Neonazis: Staatsanwaltschaft Kassel ermittelt

Kassel. Die Staatsanwaltschaft Kassel führt ein Ermittlungsverfahren gegen zwei Männer, die mit Schusswaffen gehandelt haben sollen. Sie werden rechtsextremen Kreisen zugeordnet.

Der 30 Jahre alten Mann aus Kassel sowie einen 33 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Aichach-Friedberg in Bayern stehen im Verdacht, mit Schusswaffen gehandelt zu haben. Beide Männer sind laut Dr. Götz Wied, Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel, der rechtsextremen Szene zuzuordnen.

Der 30-jährige Michel F. steht im Verdacht, auf eine entsprechende Anfrage des Mitbeschuldigten Alexander G. zwei Pistolen zum Kauf angeboten zu haben.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ das Amtsgericht Kassel Durchsuchungsbeschlüsse für die Wohnungen der Beschuldigten. Die Wohnungen wurden bereits am Montag durchsucht. Schusswaffen konnten nicht gefunden werden.

Die Fahnder stellten Mobiltelefone und weitere EDV-Geräte sicher, die jetzt ausgewertet werden sollen, heißt es von der Staatsanwaltschaft auf HNA-Anfrage. Beide Beschuldigten wurden nach vorläufiger Festnahme wieder entlassen. Die Ermittlungen dauern an.

Die Antifa Freiburg hatte aufgedeckt, dass Michel F. zwei halbautomatische Pistolen mit neun Millimeter Kaliber samt Munition für jeweils 1600 Euro verkaufen wollte. Das Waffengeschäft soll bereits Ende Juni eingefädelt worden sein und wurde jetzt von der Antifa öffentlich gemacht. Man wolle so die weitere Verbreitung von Schusswaffen unter Nazi-Terroristen verhindern, heißt es dazu.

Zentrale Figur 

Beide Geschäftspartner sind in der rechtsextremen Szene keine Unbekannten. Der Kasseler Michel F. galt lange Zeit als zentrale Figur der Kasseler Neonazi-Szene, das bestätigt auch Christopher Vogel vom Mobilen Team gegen Rechtsextremismus - für demokratische Kultur in Hessen mit Sitz in Kassel. Laut Medienberichten ist Michel F. mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Auf seinem Bauch trägt der 30-Jährige als Tätowierung den Schriftzug „Sturm 18“, der Name einer rechsextremen Kasseler Kameradschaft, zu deren Gründungsmitgliedern er zählt.

Es sei auch bekannt, dass er zum Umfeld der in der Szene bekannten Rechtsrockband „Oidoxie Streetfighting Crew“ aus Dortmund gehöre. Daher kenne er auch seinen Kunden Alexander G., der ebenfalls in der Musikgruppe spielte.

Auch zu den NSU-Ermittlungen gibt es Verbindungen zum 30-jährigen Kasseler: Michel F. hatte in einem Verhör behauptet, die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt 2006 bei einem Konzert der Band „Oidoxie“ in Kassel gesehen zu haben.

Das Konzert fand kurz vor der Ermordung von Halit Yozgat durch den NSU in einem Kasseler Internetcafé statt. Der ehemalige Verfassungsschützer Andreas T., der sich in der Nähe des Kasseler NSU-Tatortes aufgehalten hatte, wurde von einem V-Mann laut Antifa Freiburg auch über F. informiert.

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