45-jähriger Kasseler hatte historische Gewehre ohne Genehmigung: Bewährungsstrafe

Waffengesetz stoppt Sammellust

Kassel. Ein 45-jähriger Mann ist am Montag vor dem Amtsgericht Kassel wegen Verstoßes gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz und wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der Kunsthistoriker hatte in seinem Kasseler Haus verbotenerweise historische Gewehre aufbewahrt.

Ein typischer Waffennarr ist der zurückhaltend wirkende Mann nicht. Er hat ausschließlich kulturhistorisches Interesse an Militaria. Schwerpunkt seiner Leidenschaft: Waffen, die früher von der polnischen Armee benutzt wurden. Sogar entsprechende Fachbücher hat er verfasst. Zuletzt arbeitete er an einem Buch über Browning-Maschinengewehre. „Sie wollten sammeln, nicht schießen“, war auch das Gericht überzeugt.

Habe nichts gewusst

Der bislang unbescholtene Historiker gab sich zerknirscht. Dass er für einige seiner Sammelobjekte, die er sich im Internet und auf Trödelmärkten beschaffte, eine Waffenbesitzkarte benötigt hätte, will er nicht gewusst haben. Erst recht nicht, dass einzelne Stücke gar als Kriegswaffe gelten und somit für Privatpersonen gänzlich verboten sein könnten. Sämtliche Objekte hätten lange Zeit in der Erde oder im Wasser gelegen und seien dadurch stark verrostet gewesen, betonte der Angeklagte. „Sie waren in solch schlechtem Zustand, dass sie nach meiner Auffassung gar keine Waffen mehr waren“, meinte er.

Nichtsdestotrotz hatte er im November 2008 bei der Stadt Kassel eine Waffenbesitzkarte für Sammler beantragt, freilich verschwieg er, dass er längst Waffen besaß. Noch bevor die Genehmigung erteilt wurde, durchsuchte die Polizei das Haus des Mannes, weil er in einer Internetbörse einen Karabiner gekauft hatte.

„Ich habe durch diese Sache mein Interesse an dem Thema verloren.“

Angeklagter

Dabei fanden die Beamten einen ganzen Schrank voll Munition, Waffen und Waffenteilen: viele unbrauchbar gemacht oder zu alt, um unter das Waffengesetz zu fallen, daneben aber auch genehmigungspflichtige, die nach Expertise des Landeskriminalamtes noch gebrauchsfähig gewesen wären. Außerdem eine vollautomatische Browning aus dem Jahr 1928, die auf der Liste der Kriegswaffen steht.

Das Gericht hielt dem 45-Jährigen einen vorsätzlichen Verstoß vor, da er als Waffenkenner über die Rechtslage hätte informiert sein müssen. Gleichzeitig gingen die Richter von einem minderschweren Fall aus, unter anderem weil Gewehre und Munition nicht zusammenpassten. Das Urteil fiel mit einer Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung milde aus. Als Auflage muss der Angeklagte 900 Euro an den Weißen Ring zahlen. Künftig will der Mann die Finger von den Waffen lassen. „Ich habe durch diese Sache mein Interesse an dem Thema verloren“, erklärte er.

Von Gabriele Sümer

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