Rathaussegen hängt schief

Mindestens drei Abweichler stimmten nicht für Janz und belasten Rot-Grün

Mindestens drei Stimmen fehlten: Unser Archivbild zeigt Schuldezernentin Anne Janz bei einem Interview im Herbst 2009. Archivfoto: Herzog

Kassel. Einigermaßen verschnupft sind die Kasseler Grünen. Das liegt nicht an der Erkältungswelle, sondern an mindestens drei Abweichlern, die sie in der SPD vermuten.

An der geheimen Abstimmung über den Vorschlag zur Wiederwahl von Schuldezernentin Anne Janz (Grüne) nahmen am Montag 36 Stadtverordnete des rot-grünen Bündnisses teil. Doch die 56-Jährige erhielt nur 33 der insgesamt 62 Stimmen.

Viel dünner hätte die Mehrheit nicht ausfallen dürfen. Hätte es noch zwei weitere Abweichler gegeben, wäre die Weichenstellung für Janz’ Wiederwahl geplatzt. So entgingen SPD und Grüne knapp einer Blamage. Und die eigentliche Wiederwahl, die im September stattfinden soll, scheint unter diesen Vorzeichen nicht sicher zu sein.

„Das muss die SPD regeln.“

In offiziellen Stellungnahmen versuchte die rot-grüne Führung, die Wogen zu glätten. Doch der Segen im rot-grünen Rathausbündnis hängt schief, das Misstrauen ist gewachsen. Denn geheime Probeabstimmungen innerhalb der Fraktionen waren zuvor einstimmig ausgegangen.

Grünen-Fraktionschef Dieter Beig schließt aus, dass Stimmen aus dem eigenen Lager fehlten. „Das muss die SPD regeln“, sagte er. „Aber ich finde das nicht dramatisch.“ Um Janz’ Wiederwahl sei ihm nicht bange. „Bedauerlich“ nannte der frisch gekürte Grünen-Parteivorsitzende Boris Mijatovic die fehlenden Stimmen, gerade wegen der Probeabstimmungen. Sehr viel deutlicher äußern sich manche Grüne hinter vorgehaltener Hand: Von einem „miesen Spiel“ aus Reihen der SPD ist die Rede, „schäbig“ sei ein solches Verhalten.

Dass allein Stimmen aus der SPD fehlen sollen, wollte Fraktionschef Christian Geselle so nicht stehen lassen. „Das ist kein SPD-Problem, sondern ein grün-rotes Problem.“ Er spielte darauf an, dass es auch bei den Grünen kritische Stimmen gebe. „Wir stehen hinter Anne Janz“, versicherte Geselle. Das eindeutige Ergebnis bei der Probeabstimmung habe das gezeigt. Negative Folgen für das rot-grüne Bündnis im Rathaus befürchte er nicht.

Rätselraten herrscht nicht nur darüber, wer die Abweichler sind, sondern auch über deren Motive. Möglich wäre ein Denkzettel für die Schließung der Joseph-von-Eichendorff-Schule, die Janz angelastet wird. Engagiert dagegen gekämpft hatte Esther Kalveram (SPD). Sie beteuerte auf Anfrage, mit „Ja“ gestimmt zu haben und Janz auch wiederwählen zu wollen. Differenzen trage sie „immer mit offenem Visier“ aus und nicht „so billig“.

Denkbar ist übrigens, dass es noch mehr Abweichler gab. Gegenüber den Grünen soll ein Stadtverordneter aus der Opposition erklärt haben, für Janz votiert zu haben. Sollte das stimmen, hätte Rot-Grün es schon mit vier Abweichlern zu tun.

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