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Herausforderin von OB Geselle: CDU kürt Ex-Ministerin Kühne-Hörmann zur Kandidatin

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Von: Matthias Lohr

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Frisch gekürt: Oberbürgermeister-Kandidatin Eva Kühne-Hörmann (Zweite von links) mit ihren Vorstandskollegen (von links) Annette Knieling, Maik F.Behschad, Nicole Siebrecht und Norbert Wett.
Frisch gekürt: Oberbürgermeister-Kandidatin Eva Kühne-Hörmann (Zweite von links) mit ihren Vorstandskollegen (von links) Annette Knieling, Maik F.Behschad, Nicole Siebrecht und Norbert Wett. © Dieter Schachtschneider

Die CDU Kassel hat ihre Vorsitzende Eva Kühne-Hörmann mit 85,4 Prozent zur Herausforderin von Oberbürgermeister Geselle gewählt. Ist das genug Rückenwind für die Ex-Ministerin?

Kassel – Anfang der 90er-Jahre erhielt der damalige CDU-Landtagsabgeordnete Bernd Siebert einen Anruf einer jungen Politikerin. Es meldete sich die Tochter des ehemaligen Lohfeldener SPD-Bürgermeisters Gerhard Kühne, die gerade in die Union eingetreten war. Sie hatte eine Stellenanzeige in der HNA gelesen, wonach in Jesberg der Posten des Bürgermeisters ausgeschrieben war, und bot sich an.

Siebert musste ihr absagen. Es gab schon einen örtlichen Kandidaten im Kellerwald. Die Frau, der der Gudensberger einen Korb gab, war Eva Kühne-Hörmann. Am Samstag hat der Ehrenbezirksvorsitzende der CDU die Anekdote in Eppos Clubhaus erzählt, wo die Christdemokraten Kassel die Juristin offiziell zu ihrer Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl nominierten.

Wahl zum Oberbürgermeister Kassel im März 2023

Wenn alles so läuft, wie es sich Siebert und Kühne-Hörmann wünschen, wird die ehemalige hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst sowie Justiz mit mehr als 30 Jahren Verspätung doch noch eine Kommune führen. Im März 2023 fordert sie Amtsinhaber Christian Geselle (SPD) heraus.

Siebert empfahl die 60-Jährige, weil sie sich schon immer für die Region und deren Hauptstadt Kassel eingesetzt habe – etwa beim Weltkulturerbe und beim Neubau der Fulda-Schleuse. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Armin Schwarz (Bad Arolsen) nannte die ehemalige Büroleiterin von Kassels bislang einzigem CDU-Oberbürgermeister Georg Lewandowski „eine Persönlichkeit mit Strahlkraft und regionaler Verbundenheit“. Vor der geheimen Abstimmung prophezeite er: „Jetzt wirst du mit 100 Prozent gewählt, und dann geht es los.“

Kassel: 85,4 Prozent der Stimmberechtigten stimmten für Kühne-Hörmann (CDU)

Allerdings erhielt Kühne-Hörmann lediglich 85,4 Prozent. Von 41 Stimmberechtigten votierten nur 35 für sie. Ihr Fraktionsvorsitzender Michael von Rüden nannte das dennoch einen „Vertrauensbeweis, mit dem man gut zurechtkommt“. Und die Gekürte selbst fand das Ergebnis „ehrlich“ sowie „vollkommen in Ordnung“. Auch als Vorsitzende der Kasseler CDU, deren Chefin sie seit 2006 ist, musste sie sich mit ähnlichen Ergebnissen begnügen.

Der Applaus nach ihrer Rede am Samstag war jedenfalls laut und lang. Kassel sei eine Stadt, die ihre Chancen nicht nutze, sagte Kühne-Hörmann. Zwar boome die Wirtschaft, aber Unternehmen würden durch unnötige Regelungen behindert. Die Politikerin will die Digitalisierung vorantreiben, die Wirtschaft dazu bringen, mit Investitionen den Klimaschutz zu stärken, bezahlbaren Wohnraum und mehr Kita-Plätze schaffen.

Kühne-Hörmann fordert OB Geselle in Kassel heraus - Will die documenta in Kassel halten

Sie vermisst eine „Innenstadt mit Aufenthaltsqualität“ und versprach, nach dem Antisemitismus-Eklat auf der documenta, „alles zu tun, die Kunstausstellung in Kassel zu halten. Amtsinhaber Geselle erwähnte sie nicht, aber am Ende sagte sie: „Kassel kann mehr, Kassel hat eine bessere Führung verdient.“ Bis Mai 2018 war Kühne-Hörmann Mitglied im Aufsichtsrat der documenta.

Das findet auch die Frauenunion. Deren Vorsitzende Alice Jacobi erklärte anschließend: „Die CDU macht mit Eva Kühne-Hörmann ein Angebot, das eine Alternative zur aktuellen Ein-Mann-Führung bietet.“ Neben der Kandidatin wird es dabei auch auf eine weitere Frau ankommen: Die Stadtverordnete und Schulamtsleiterin Annette Knieling soll ab September in neuen innerparteilichen Formaten mit der Basis Inhalte erarbeiten. Zuvor will Kühne-Hörmann noch einen Schiffsurlaub mit ihrer maritimen Familie in Norddeutschland machen. Wo es genau hingeht, wird ihr Mann bestimmen. Nächstes Jahr will Kühne-Hörmann dann selbst Kapitänin werden – im Rathaus. (Matthias Lohr)

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